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3:0 für PSG gegen Leipzig : Reife Leistung von Tuchels Team

Freudensprung ins Finale: Neymar (r.) hüpft mit dem Führungs-Torschützen Marquinhos. Bild: AFP

Paris Saint-Germain erreicht mit dem 3:0-Sieg über RB Leipzig das Finale der Champions League. Thomas Tuchel hat ein Kollektiv geformt, das zu stark für die überforderte Mannschaft von Julian Nagelsmann ist.

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          Julian Nagelsmann und RB Leipzig haben die große Überraschung dieser europäischen Fußballsaison verpasst. Durch das 0:3 gegen Paris Saint-Germain wurde das Halbfinale der Champions League zur Endstation für den an diesem Abend chancenlosen Bundesligaklub. An diesem Sonntag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League, bei Sky und Dazn) wird stattdessen Thomas Tuchel mit PSG im Finale der Champions League entweder gegen den FC Bayern München oder in einem rein französischen Duell gegen Olympique Lyon um die Krone im europäischen Klubfußball spielen.

          Champions League
          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Leipzig blieb nach der völlig verdienten Niederlage durch Tore von Marquinhos (13. Minute), Ángel Di María (42.) und Juan Bernat (56.) der letzte Schritt einer atemraubenden Entwicklung ziemlich deutlich versagt. Vor fünf Jahren hatte der 2009 gegründete Klub RB Leipzig noch in der zweiten Liga gespielt und Nagelsmann eine Hoffenheimer Nachwuchsmannschaft trainiert.

          Paris Saint-Germain wiederum, dessen weit größere Substanz im Halbfinale erdrückend wirkte, ist knapp zehn Jahre nach der Übernahme durch arabische Finanziers von seinem großen Ziel, zur Nummer eins in Europa aufzusteigen, nur noch einen Schritt entfernt. Die enormen Investitionen nicht zuletzt in die herausragenden Superstars Neymar, Kylian Mbappé und Di María mit ihren offensiven Extraqualitäten machten gegen Leipzig den großen und entscheidenden Unterschied aus.

          Die bessere Mannschaft mit den besseren Einzelspielern siegte in Lissabon hochverdient – und dokumentierte damit auch überzeugend ihren Anspruch auf den Titel. Neymar war der auffälligste und kreativste Spieler auf dem Platz, Di María war an allen drei Treffern beteiligt. Leipzig vermochte es in keiner Phase, diese Qualitäten im Kollektiv zu ersticken, wie es dem Team noch im Viertelfinale gegen Atlético Madrid gelungen war.

          Die Ecke der Sieger: PSG triumphiert im ersten Halbfinale von Lissabon.
          Die Ecke der Sieger: PSG triumphiert im ersten Halbfinale von Lissabon. : Bild: dpa

          Paris hinterließ schon in der ersten Halbzeit einen hervorragenden Eindruck. Das Tuchel-Team trat von Beginn an mit dem Selbstbewusstsein und dem Selbstverständnis eines Spitzenteams auf und beherrschte die Partie souverän. Leipzig konnte von Glück sprechen, dass es nur mit einem 0:2-Rückstand in die Pause ging.

          Neymar hatte in der sechsten Minute nach einem schönen Zuspiel von Mbappé mit einem Pfostenschuss den Anfang gemacht. Nur eine Minute später lag der Ball erstmals im Tor von RB, doch den Abschlag von Torwart Gulacsi hatte der entschlossen anlaufende Neymar mit der Hand geblockt, ehe Mbappé ihn ins leere Tor schoss. Nach dreizehn Minuten wurden die Wucht und der Wille vom Paris gegen überforderte Leipziger mit einem regulären Treffer belohnt. Es war eine Standardsituation, ein Freistoß von Di María aus dem Halbfeld, die PSG durch einen Kopfball des völlig freistehenden Marquinhos viel zu leicht zur Führung nutzte.

          Nur am Fuß angeschlagen: Trainer Thomas Tuchel
          Nur am Fuß angeschlagen: Trainer Thomas Tuchel : Bild: EPA

          Außer einem schönen Angriff über Laimer, der in den Rücken der Abwehr kam und Poulsen den Ball zurücklegte, der jedoch bedrängt das Ziel knapp verfehlte, war in der Offensive von den viel zu passiven Leipziger in der ersten Hälfte nicht viel zu sehen (25.). Zehn Minuten später verblüffte der überragenden Neymar die Leipziger und Torwart Gulacsi sogar beinahe mit einem Freistoß aus fast 30 Metern Entfernung. Der Ball aus seitlicher versetzter Position landete am Pfosten.

          Das verdiente 2:0 durch di Maria in der 42. Minute machte den Unterschied in dieser Partie zwischen Favorit und Außenseiter geradezu exemplarisch deutlich. PSG setzte Leipzig mit starkem Pressing wieder früh unter Druck, so dass Gulacsi nicht präzise auf Sabitzer spielen konnte. Paredes war in zentraler Position schneller und aufmerksamer, eroberte den Ball und spielte ihn halbhoch in den Strafraum, wo Neymar den Ball kunstvoll mit der Hacke auf Di María weiterleitete, der freistehend das 2:0 für Paris erzielte.

          PSG lockerte in der ersten Halbzeit nie seinen eisernen Griff. Das Team von Tuchel ließ Leipzig, wenn überhaupt, nur in Ansätzen zur Entfaltung kommen. Dem Pressing aus der ersten Sturmreihe hatte er ein kompaktes zentrales Mittelfeld mit Marquinhos, Paredes und Herrera aufgeboten, dass RB weder Zeit noch Raum für eigene Akzente ließ.

          Nagelsmann versuchte mit der Einwechslung von Stürmer Patrik Schick und dem kombinationsstarken Mittelfeldspieler Emil Forsberg nach der Pause dem Leipziger Spiel so etwas wie Power und Esprit zu verschaffen. Der Verlust von Timo Werners Tempo und Durchschlagskraft war in einer Partie gegen einen dominanten Gegner bis dahin besonders schmerzhaft spürbar gewesen.

          Leipzig berappelte sich zu Beginn der zweiten Hälfte tatsächlich, hielt nun mit und erspielte sich sogar eine kleine optische Überlegenheit – allerdings nur für zehn Minuten. Dann sorgte PSG nach der nächsten Leipziger Unachtsamkeit im Spielaufbau – Mukiele rutschte mit dem Ball aus – für die Entscheidung.

          Der ehemalige Bayern-Profi Juan Bernat, den Uli Hoeneß einst für ein Beinahe-Scheitern im Europapokal persönlich verantwortlich gemacht hatte, machte nach Flanke von Di María nun mit einem Kopfball zum 3:0 für PSG den Weg ins Finale endgültig frei. Am Sonntag könnte es für Bernat in Lissabon zu einer interessanten Begegnung mit seiner Vergangenheit kommen – aber nur, falls die Bayern an diesem Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League, bei Sky und Dazn) ebenfalls ins Finale einziehen.

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