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Gladbach bei Real Madrid : Neuhaus als der moderne Mann fürs Herz

  • -Aktualisiert am

Aufstieg im Eiltempo: Florian Neuhaus (links, daneben Oscar Wendt) möchte mit der Borussia ins Achtelfinale der Champions League – und irgendwann den WM-Pokal gewinnen. Bild: Picture-Alliance

Robust, technisch versiert, dynamisch: Florian Neuhaus ist ein Zentrumsspieler, wie er im Buche steht. Kein anderer deutscher Profi nähert sich dem allerhöchsten Niveau so schnell wie der Gladbacher.

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          An Selbstvertrauen mangelt es Florian Neuhaus nicht vor dem Spiel mit Borussia Mönchengladbach bei Real Madrid, in dem es an diesem Mittwochabend (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) für beide Klubs um den Einzug ins Achtelfinale der Champions League gehen wird. Der 23 Jahre alte Nationalspieler wurde zuletzt oft mit Figuren wie Bastian Schweinsteiger oder Toni Kroos verglichen, was ihm nicht so gut gefiel.

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          Das ehre ihn zwar, sagt er in einem Gespräch mit der „Rheinischen Post“, aber eigentlich finde er es „schwierig, wenn man auf die Vergleiche reduziert wird“. Es passt zu Neuhaus, dass er sich absetzen möchte – zuzutrauen scheint dieser Fußballprofi sich jedenfalls fast alles. Er würde „gern mal die Champions League gewinnen“, hat er vor einiger Zeit gesagt, „und wenn wir dann sowieso schon bei den ganz, ganz großen Träumen sind, dann würde ich eigentlich auch gerne den WM-Pokal gewinnen.“

          Jetzt geht es aber erst mal um den Sprung ins Europapokal-Achtelfinale, für den die Borussia einen Punkt in Madrid braucht. Selbst mit einer Niederlage könnten sie weiterkommen, wenn Schachtar Donezk zur selben Zeit gegen Inter Mailand unentschieden spielt, aber die Gladbacher wollen es gerne aus eigener Kraft schaffen. „Wir werden auch in Madrid unsere Chance suchen“, sagt Trainer Marco Rose, unter dem Neuhaus zu einem Spieler wurde, der gerade mit Marcus Thuram und Denis Zakaria um den Status des aufregendsten Gladbacher Jungstars konkurriert.

          Auch im Nationalteam zählt er zu den interessantesten Zukunftshoffnungen. Denn der gebürtige Bayer ist nicht nur talentiert, er habe die Fähigkeit „neue Dinge anzunehmen“, sagt Rose. „Das ist fast der wichtigste Faktor, um sich weiterzuentwickeln.“ Und „der Flo“, der gehe sehr „selbstkritisch und trotzdem selbstbewusst“ mit seinen Fehlern um. Wobei es gar nicht so viel zu kritisieren gibt am Spiel des ebenso robusten wie technisch versierten Mittelfeldspielers. In der laufenden Saison brilliert er in der Königsklasse und überzeugte in der Nationalmannschaft, kein anderer deutscher Spieler nähert sich derzeit in ähnlich rasantem Tempo dem allerhöchsten internationalen Niveau. Inmitten einer Karriere, in der bislang kaum Verfehlungen und Rückschläge zu finden waren.

          Beim VfL Kaufering in Oberbayern begann Neuhaus mit dem Fußball. Im Alter von zehn Jahren wechselte er in die Jugendakademie von 1860 München und wurde schon als U-19-Spieler eine kleine Berühmtheit. Mit einem Schuss aus 50 Metern gelang ihm im Halbfinale um die deutsche A-Jugend-Meisterschaft gegen Borussia Dortmund ein Treffer, den das Publikum der „Sportschau“ 2016 zum Tor des Monats Mai wählte. Allerdings jubelte er anschließend derart wild, dass er mit einer gelb-roten Karte vom Platz flog. Im Rückspiel musste er pausieren, sein Team verpasste das Finale.

          2017 wechselte er nach Mönchengladbach, umgehend wurde er für ein Jahr nach Düsseldorf ausgeliehen. Prompt stieg die Fortuna mit Neuhaus in zentraler Rolle in die Bundesliga auf. 2018 wurde er schließlich Teil des Gladbacher Erfolgsteams. Erst unter Rose, der ihn aus dem offensiven Mittelfeld ein Stück weiter nach hinten versetzte, entwickelte er sich zu einem dieser modernen Sechser, die für Struktur sorgen und den Rhythmus bestimmen können, dabei jedoch dynamischer sind als Kroos oder Schweinsteiger. Bei seinen Vorstößen in die offensiven Räume erinnert er eher an Leon Goretzka oder Joshua Kimmich. „Ich bin jetzt die zentrale Anspielstation im Mittelfeld“, sagt Neuhaus, der zu den wenigen Gewinnern dieses düsteren deutschen Länderspielherbstes zählt.

          Während seines Debüts gegen die Türkei im Oktober gelang ihm direkt ein schönes Tor als Krönung seiner Leistung. Bei seinem anderen Startelfeinsatz in der DFB-Elf, beim 1:0 gegen Tschechien, zählte er zu den besten Spielern auf dem Platz. Joachim Löw lobte die „hohe Spielintelligenz“ sowie die „sehr gute Technik“ des Profis, „der findet immer gute Lösungen“, erklärte der Bundestrainer. In der Champions League wartet Neuhaus zwar noch auf seinen ersten Treffer, aber mit exzellenten Pässen war er an mehreren Treffern direkt beteiligt. Neuhaus spiele „über Monate hinweg auf hohem Niveau und hat auch in der Nationalmannschaft Duftmarken gesetzt“, sagt Rose über den Spieler.

          Neuhaus spielte schon im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft mit der U 19 von 1860 München, bestritt eine Zweitliga-Relegation mit den „Löwen“, die gegen Jahn Regensburg verlorenging. Er erlebte den Aufstieg mit Fortuna Düsseldorf und 2019 eine U-21-EM, die erst im Finale endete. Dann spielte er in der Europa League mit Mönchengladbach, leistete im darauffolgenden Jahr einen wichtigen Beitrag zur Champions-League-Qualifikation und absolviert nun die ersten Spiele in der Königsklasse. Es ist eine Karriere wie gemalt, der nächste logische Schritt wäre – neben dem Einzug ins Achtelfinale der Königsklasse – ein Klubwechsel. Der FC Bayern soll bereits interessiert sein, denn als Neuhaus 2017 aus München-Giesing ins Rheinland wechselte, scheinen sie das Talent dieses Spielers an der Säbener Straße irgendwie übersehen zu haben.

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