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Drama in Champions League : Guardiola und das grausame Scheitern

„Es war ein böses Ende“: Trainer Pep Guardiola von Manchester City Bild: dpa

Manchester City verliert das Viertelfinale der Champions League nach einem verrückten Spiel mit einer schier unglaublichen Pointe. Das vorzeitige Aus und Guardiolas sonderbare Entscheidungen werfen Fragen auf.

          Ilkay Gündogan hielt sich beide Hände vors Gesicht und kniete auf dem Rasen. Sergio Aguero stand fassungslos daneben. Und Pep Guardiola lief orientierungslos umher, ehe er zu Gündogan kam, dem deutschen Nationalspieler auf die Beine half und den schwer mitgenommenen Mittelfeldspieler in den Arm nahm. Auch die Fans von Manchester City verweilten wie paralysiert auf ihren Plätzen. Das Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League gewann der englische Meister zwar mit 4:3, im Halbfinale aber stehen die Tottenham Hotspur nach dem 1:0-Sieg im ersten Duell aufgrund der mehr erzielten Auswärtstore.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Dass Guardiola und Co. nur drei Minuten zuvor wie von Sinnen gejubelt hatten, gehörte zu den vielen emotionalen Wendungen eines völlig verrückten Fußballabends. Raheem Sterling hatte das vermeintliche 5:3 erzielt, in der 93. Minute. Doch erst der scharfe Blick des Video-Assistenten erkannte die Regelwidrigkeit, die vor dem Treffer passierte. Tottenhams Christian Eriksen hatte einen fatalen Fehlpass in der eigenen Hälfte gespielt. Manchesters Bernardo Silva berührte den Ball leicht. So kam er zu Aguero, der Sterling bediente. Doch der Vorlagengeber hatte bei Silvas Berührung knapp im Abseits gestanden. Schiedsrichter Cüneyt Cakir erkannt das Tor folglich zurecht nicht an.

          Das war nur die schier unglaubliche Pointe. Auch der Spielfilm zuvor war an Dramatik nicht zu überbieten. Innerhalb von 17 Minuten der ersten Hälfte der ersten Halbzeit fielen fünf Tore – 1:0, 1:1, 1:2, 2:2, 3:2. Sterling (4. und 21. Minute) und Bernardo Silva (11.) trafen für Manchester, der frühere Hamburger und Leverkusener Heung-min Son (7. und 10.), der auch schon das Tor im Hinspiel erzielt hatte, war für die Spurs erfolgreich. Als Aguero auf 4:2 erhöhte (59.) war City auf Kurs Halbfinale, ehe Fernando Llorente das 3:4 erzielte (73.). Es gehörte fast wie selbstverständlich zum extremen Spannungsbogen der Partie, dass auch dieser Treffer kontrolliert wurde. Die Videobilder zeigten aber, dass der Spanier den Ball nur mit der Hüfte über die Linie beförderte und nicht unerlaubt mit dem Arm oder der Hand.

          „Es war ein böses Ende“, sagte der konsternierte Guardiola, als er sich wieder ein wenig gesammelt hatte nach der emotionalen Achterbahnfahrt. „Es war für jeden ein schönes Spiel.“ Nur das Resultat tut weh. „Wir haben die Tore geschossen, die wir gebraucht haben. Aber Gratulation an Tottenham und die besten Wünsche für das Halbfinale.“ Dort treffen die Spurs auf das andere Team, das man dort nicht unbedingt erwartet hätte: Ajax Amsterdam. Manchester City wird dann wieder einmal nur zuschauen. „Es ist hart, es ist grausam. Aber wir müssen es akzeptieren“, sagte Guardiola.

          Er hatte im Vorfeld die eigenen Fans provoziert: „Ich will sehen, ob sie auch ins Halbfinale wollen.“ An der Unterstützung der Zuschauer in Manchester mangelte es sicher nicht, was schon am Spielverlauf lag, der niemanden kalt ließ. Das erkannte auch Guardiola an, der in seiner Zeit in Manchester „noch nie solch eine Lautstärke“ gehört habe. Aber auch die Kritik am Trainer wird nun lauter. Bereits in den vergangenen Wochen war der Katalane nicht mehr unumstritten. Selbst eigene Spieler wie Gündogan hatten ungewohnt offen Kritik geäußert. „Wir versuchen, das Besondere zu machen“, hatte der deutsche Nationalspieler nach dem Hinspiel gesagt. „Dabei ist weniger manchmal mehr.“

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