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Champions League : Guardiola und die Schwachstelle von ManCity

  • -Aktualisiert am

Auf dem Weg ins Viertelfinale: Manchester City und Pep Guardiola treffen auf Real Madrid. Bild: Reuters

Das Hinspiel gegen Real Madrid entschied Manchester City für sich. Nun keimt die Hoffnung auf den Triumph im prunkvollsten Vereinswettbewerb Europas – wenn es da nicht ein altbekanntes Problem gäbe.

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          Manchester City gefiel sich in seiner jüngsten Nebenrolle überhaupt nicht. Während der FC Liverpool mit einer pompösen Show den Gewinn der englischen Meisterschaft feierte, klammerte sich die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola bedröppelt an ihren Trostpreis: den Ligapokal, den sie im März gewonnen hat, kurz bevor der Spielbetrieb in England wegen der Coronavirus-Pandemie unterbrochen wurde. Aus dem FA Cup, dem wichtigeren Pokalwettbewerb, schied City im Halbfinale aus. Würde es neben dem unbefriedigenden zweiten Platz in der Liga bei dieser mickrigen Ausbeute bleiben, wäre das ein klarer Rückschritt für den Klub, der im vergangenen Jahr als erster überhaupt das nationale Triple aus Meisterschaft und beiden Pokalen gewann.

          Champions League

          Es könnte aber auch ganz anders kommen. Denn wenn Manchester City die Champions League gewinnt, die ab diesem Freitag nach langer Unterbrechung fortgesetzt wird, dann würde vermutlich niemand mehr nach dem verlorenen Rennen um die Meisterschaft fragen – schon gar nicht Citys Eigentümer. Scheich Mansour aus Abu Dhabi begehrt einen Triumph in Europas prunkvollstem Vereinswettbewerb wie nichts sonst. Weiter als ins Halbfinale hat City es dort noch nie geschafft, in den vergangenen beiden Jahren war jeweils im Viertelfinale Schluss.

          Dieses Mal aber zählen sie mit dem FC Bayern München zu den Favoriten bei den Buchmachern. Ende Februar hat die Mannschaft das Hinspiel im Achtelfinale bei Real Madrid 2:1 gewonnen. Das Rückspiel findet am Freitagabend in Manchester statt (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) . Danach wird die Champions League dann im Turniermodus mit K.-o.-Spielen in Lissabon ausgetragen, um rasch zum Ende zu kommen.

          Lücken in der Abwehr

          Dabei hat City in der zurückliegenden Premier-League-Saison eine Schwäche offenbart. Sie haben neun ihrer 38 Saisonspiele verloren, drei mehr als in den beiden vorangegangenen Meisterjahren zusammen. Das Problem liegt in der Abwehr, auch wenn 35 Gegentore im Vergleich zur Konkurrenz nicht übermäßig viel sind. Torwart Ederson gehört zu den Besten seines Fachs, Innenverteidiger Aymeric Laporte ist nach seiner schweren Knieverletzung auf einem guten Weg. Dagegen wirken John Stones und Nicolás Otamendi dem hohen Anspruch oft nicht gewachsen.

          Auch auf der linken Abwehrseite fehlt es an Qualität, und der vor der Saison von Juventus abgeworbene Rechtsverteidiger João Cancelo hat sich bislang nicht als Verstärkung erwiesen. Nach dem 0:2 gegen den FC Arsenal im FA Cup schrieb die „BBC“ über Manchester City: „Sie haben einen weichen Kern und können unter Druck schwächeln.“ Ein Beispiel dafür war das Führungstor für Real Madrid in der Champions League: Es fiel nach einem Fehlpass des defensiven Mittelfeldspielers Rodrigo in der eigenen Hälfte.

          Diese Anfälligkeit wird in der öffentlichen Debatte Pep Guardiola angekreidet. Der Trainer hat es vor der Saison verpasst, Ersatz für den einflussreichen Kapitän Vincent Kompany zu verpflichten. Guardiolas Wunschkandidat, Nationalspieler Harry Maguire von Leicester City, wechselte zum Stadtrivalen Manchester United. Laporte verletzte sich früh in der Saison und fiel monatelang aus. Meist beorderte Guardiola daraufhin den routinierten defensiven Mittelfeldspieler Fernandinho mit wechselnden Partnern ins Abwehrzentrum.

          Anrüchige Finanzierung

          Der erst 19 Jahre alte Eric García wurde zudem an den Profikader herangeführt, zuletzt spielte er regelmäßig. Mit Nathan Aké wechselt zur kommenden Saison ein hoch gehandelter Innenverteidiger von Absteiger AFC Bournemouth zu Manchester City. Als Ersatz für Leroy Sané hat der Verein außerdem Ferran Torres vom FC Valencia verpflichtet. Weitere Zukäufe dürften folgen – vor allem für die Defensive. Wie der „Guardian“ berichtete, stehen Guardiola in diesem Sommer rund 165 Millionen Euro für Transfers zur Verfügung.

          In die Champions League kann die Mannschaft trotz ihrer Schwachstelle mit großem Selbstvertrauen gehen. Von zehn Spielen seit dem Wiederbeginn des Ligabetriebs nach der Corona-Unterbrechung hat sie acht gewonnen und dabei ein Torverhältnis von 34:4 angehäuft. Keine Mannschaft war in dieser Zeit besser – sowohl vor dem gegnerischen als auch vor dem eigenen Tor. Zusätzlichen Rückenwind erhält der Klub durch die Entscheidung des internationalen Sportgerichtshofs Cas, der vor wenigen Wochen die Europapokal-Sperre gegen City aufgehoben und die Geldstrafe auf ein Drittel, zehn Millionen Euro, verringert hat. Der europäische Fußballverband Uefa hatte City zuvor wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay für die kommenden zwei Jahre aus Champions und Europa League verbannt. Hätte der Ausschluss Bestand gehabt, wären dem Klub zusätzliche Einnahmen von schätzungsweise mehr als 200 Millionen Euro entgangen.

          Inhaltlich dient das Cas-Urteil kaum als Entlastung in Bezug auf die anrüchige Finanzierung aus Abu Dhabi. Die zentralen Vorwürfe – versteckte finanzielle Zuwendungen – konnten entweder nicht hinreichend belegt werden oder sind verjährt. Ein Freispruch war das Urteil nicht, auch wenn der Klub es als solchen präsentierte. Der Imageschaden des in England ohnehin nicht gerade beliebten Klubs bleibt. Das Management muss das jedoch nicht interessieren, solange die Mannschaft Titel gewinnt. Pokale, Medaillen, Weltstars im Konfettiregen: nichts anderes entspricht dem Selbstverständnis von Manchester City.

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