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Bayern im Achtelfinale : Lewandowski erlöst zögerliche Münchener

Derzeit die Münchener „Lebensversicherung“: Stürmer Robert Lewandowski Bild: EPA

Das Champions-League-Spiel gegen Piräus ist für den FC Bayern nicht die große Befreiung. Doch Rekord-Torjäger Lewandowski ist wieder einmal zur Stelle. Und am Ende macht ein von Interimstrainer Flick spät eingewechselter Profi alles klar.

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          Die Zeit nach Niko Kovac hat beim FC Bayern nicht auf die mitreißende Art begonnen, die dessen Interims-Nachfolger Hansi Flick wiederbeleben will. Doch durch den so zähen wie verdienten 2:0-Sieg gegen Olympiakos Piräus am Mittwochabend hat der deutsche Meister nicht nur vorzeitig die K.o.-Runde der Champions League erreicht. Mit dem ersten Spiel ohne Gegentor seit dem 4:0 gegen den 1. FC Köln am 21. September wurde nach dem 1:5-Debakel in Frankfurt auch etwas Selbstvertrauen vor allem in der Defensive restauriert, vor allem im Hinblick auf das große Liga-Duell mit Borussia Dortmund am Samstag. Die Treffer erzielten Robert Lewandowski (69. Minute) und Ivan Perisic (89.).

          Champions League
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Das ist für unser Selbstvertrauen wichtig, aber der Sieg steht über allem, die drei Punkte“, meinte dann auch Torhüter Manuel Neuer nach dem Schlusspfiff. „Wir haben einen verdienten Sieg geholt. Wir haben eine gute Leistung gezeigt und das Spiel durchgezogen über 90 Minuten.“ Flick sagte nach dem Schlusspfiff: „Wir hatten 27 Torschüsse. Ich war mit der Mannschaft zufrieden. Wir haben den Gegner immer wieder unter Druck gesetzt und waren dominant. Wir haben uns in der zweiten Halbzeit mit den zwei Toren belohnt.“ Mit seiner eigenen Zukunft wollte er sich indes nicht weiter beschäftigen: „Es interessiert mich überhaupt nicht, was nach dem Samstag passiert. Ich genieße es aktuell, weil die Mannschaft hervorragend arbeitet.“

          Dass Flick in seinem ersten Spiel als Bayern-Trainer einen Tag der Arbeit verordnet hatte, zeigte sein Verzicht auf gut aussehende, aber zuletzt wirkungslose Latino-Spielkunst. Thiago und Coutinho blieben auf der Bank. Trotzdem hatte Flick angekündigt, er wolle Spieler sehen, die „die Initiative ergreifen und den Ball haben wollen“. Das zeigten die Bayern von Beginn an, wussten zunächst nur meist immer noch nicht, was sie dann auch mit dem Ball anstellen sollten. Abgesehen von einem scharfen 20-Meter-Flachschuss von Leon Goretzka nach fünf Minuten, den Torwart José Sa im Nachfassen hielt, gerieten die meisten Abschlüsse zunächst eher ziellos. Selbst Lewandowski, der derzeit verlässlichste Torelieferant des Kontinents, brachte den Ball bei seinem einzigen Abschluss vor der Pause nur mitten in die Arme des Torwarts (24.).

          Es war nicht einfach für den Mittelstürmer, es kamen zu viele ungenaue Flanken nur ungefähr in seine Richtung. Schon den Pässen aus dem Aufbauspiel im Zentrum Richtung Flügel fehlte oft die Präzision. Als nach einer knappen halben Stunde David Alaba den Ball in den Rücken des startenden Serge Gnabry spielte, drehte der sich mit verlorener Körperspannung ab und gab den Ball kampflos verloren, was ihm einen giftigen Zuruf von Joshua Kimmich einbrachte. Der Nationalmannschaftskollege forderte ihn mit gefletschten Zähnen bis auf die Tribüne hörbar zu mehr Kampfgeist an.

          Von Beginn an auf dem Feld: Thomas Müller
          Von Beginn an auf dem Feld: Thomas Müller : Bild: AFP

          Gnabrys Flügelkollege Kingsley Coman zeigte dann mehr Biss. Nach 34 Minuten umkurvte er, von rechts in den Strafraum ziehend, zwei Griechen, kam aus spitzem Winkel knapp vor dem dritten zum Abschluss. Doch Sa hielt. Nach der folgenden Ecke kam Thomas Müller im Nachsetzen zu einem Flachschuss, konnte den Portugiesen im Piräus-Tor aber auch nicht überwinden. Es war die einzige auffällige Szene der unter Kovac zum Notstopfen degradierten, unter Flick wieder in den Mittelpunkt gerückten Bayern-Ikone.

          Das bemühte, aber unzusammenhängende Spiel seiner Mannschaft vor der Pause schaute sich Flick in Jeans, Turnschuhen und Thermo-Trainingsjacke lässig am Spielfeldrand an, studierend, dirigierend, ehe er wieder auf der Bank Platz nahm. Von der riss es ihn um ein Haar in der letzten Szene der ersten Halbzeit hoch, als die neunte Ecke endlich Gefahr brachte. Doch Benjamin Pavards Kopfball landete nur am Pfosten.

          Immerhin ein Teilerfolg stand da zu Buche – endlich mal kein Gegentor vor der Pause. Als „primäre Aufgabe“ hatte Kimmich es bezeichnet, „dass wir wieder besser und gemeinsam verteidigen.“ Bis auf einen unsauberen Abwehrschlag von Innenverteidiger Alaba, der Randjelovic nach 16 Minuten den einzigen, nicht ungefährlichen Torschuss der Griechen ermöglichte ließen die Bayern gegen die allerdings fast völlig in Defensive aufgehenden Griechen nichts zu.

          Nach der Pause versuchten die Bayern, das, was ihnen weder aus eigenem Vermögen noch aus gegnerischer Nachlässigkeit zufiel, mit aller Macht zu erzwingen. Zwei Mal konnte das José Sa verhindern, nach fünfzig Minuten, als er Goretzkas Kopfball aus kurzer Distanz glänzend parierte, ebenso wie zehn Minuten später Comans Schrägschuss.

          Erst nach 69 Minuten war der griechische Beton brüchig geworden und der Torwart machtlos. Die Partie schien gerade einzuschlafen, der große Elan passé, da weckte sie Kimmich mit einem blitzgescheiten Diagonalpass auf den am rechten Strafraumeck vergessenen Coman wieder auf. Plötzlich war vor dem Tor der Raum, in den Lewandowski starten konnte. Coman fand ihn mit einer halbhohen Hereingabe, und der Pole verwertete sie gekonnt per Flugball ins kurze Eck.

          Es war nicht die große Befreiung des gehemmten Fußballriesen, nicht die Auferstehung der alten Fußballmacht Bayern, aber nun wenigstens doch die Rückkehr zur Normalität der Ergebnisse. Der eingewechselte Perisic hübschte es mit seinem ersten Ballkontakt noch ein wenig auf.

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