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Champions-League-Finale : Alles zuvor waren nur Trainingseinheiten

  • -Aktualisiert am

Ronaldo und Zidane: Was wohl gewesen wäre, wenn sie gemeinsam gespielt hätten? Bild: EPA/REX/Shutterstock

Die Rollen sind klar verteilt. Real Madrid und Trainer Zinédine Zidane zeigen eine fast schon unheimliche Ruhe. Und Juventus? Die Italiener sind gut trainiert und wollen Geschichte schreiben und verhindern.

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          Zinédine Zidane war vor der Ära Messi/Ronaldo der beste Fußballspieler der Welt. Ein Ball- und Bewegungskünstler, ein Genius als Spielgestalter und ein Mann für gelegentliche Knalleffekte wie zum Beispiel im Champions-League-Finale 2002 gegen Bayer Leverkusen, das er mit einem fabelhaften Volleyschuss zum 2:1-Sieg für Real Madrid majestätisch vollendete.

          Dieser Zidane, der 1998 Weltmeister und 2000 Europameister mit Frankreich wurde und in Italien Juventus Turin mit der Aura eines Aristokraten am Ball 1997 und 1998 zu Meisterschaften verhalf, ist inzwischen ein Meistertrainer. Erst seit 17 Monaten der leise Anführer der Superstars von Real, hat er sein Team 2016 sogleich zum  Champions-League-Titel und vor kurzem auch noch zur ersten spanischen Meisterschaft seit 2012 geführt. An diesem Samstag (20.45 Uhr, ZDF und im FAZ.NET-Champions-League-Liveticker) in Cardiff kann Zidane im Nationalstadion von Wales noch ein weiteres geschichtsträchtiges Kapitel für die Galacticos auf den Weg bringen, falls Madrid das Kunststück fertig bringt, als erste Mannschaft der Champions-League-Geschichte den Titel zu verteidigen. Und das gegen seine alte Liebe, die „alte Dame“ Juve.

          Doch der Champion des Understatements, der es nicht nötig hat, sich über das, was jeder sieht hinaus in Szene zu setzen, wägt die Chancen seiner Spieler, Historisches zu erreichen, nüchtern und bescheiden. Ohne vorlaut zu werden, sagt er beim Blick auf den gleich stark eingeschätzten Gegner. „Wir wissen, dass es keinen Favoriten gibt. Die Chancen stehen bei Fünfzig zu Fünfzig.“

          Zidane, der bescheiden Lächelnde

          Seiner Linie, auf plakatives Eigenlob zu verzichten, blieb Zidane am Freitagabend erst recht treu, als er in der letzten Pressekonferenz vor dem Showdown in Cardiff eine hypothetische Frage beantwortete. Unterstellt, der dreimalige Weltfußballer des Jahres hätte mit Cristiano Ronaldo, der Real-Ikone von heute und viermalige Weltfußballer des Jahres in einer Mannschaft gespielt, wer wäre der noch größere von zwei großen Kickern gewesen? „Ohne Zweifel Ronaldo“, sagte Zidane, „weil er die Tore schießt, und das ist das Wichtigste. Ich habe zwar ziemlich gut gespielt, aber das Toreschießen war nicht meine Spezialität.“

          Zidane hat bei seinem letzten Auftritt vor dem Spiel der Spiele in diesem Fußballjahr viel gelächelt und in seinen Sätzen nicht ein einziges Mal der Versuchung nachgegeben, diesen Saisonhöhepunkt  noch plakativer auszumalen als er ohnehin schon ist. Das tat sein Kapitän Sergio Ramos, der im Bewusstsein der bisher fünf Champions-League-Triumphe von Real Madrid in fünf Endspielen die besondere Bedeutung des sechsten Finales in große Worte kleidete: „Wir stehen vor einer Begegnung mit der Geschichte“, sagte der andalusische Abwehrchef, „wir müssen aber dieses Spiel so angehen, als wäre es der erste Titel, den wir gewinnen können.“

          Sami Khedira: Der deutsche Nationalspieler ist rechtzeitig zum Finale fit und will mit Juve das erste Mal in der Geschichte das Triple gewinnen.

          Womit die Querverbindung zu Juventus Turin hergestellt wäre. Die Norditaliener, Rekordmeister ihres Landes, könnten nach dem nationalen Championat und dem Pokalsieg obendrauf in Cardiff erstmals das Triple wie 2013 der FC Bayern München gewinnen. Juve ist so stark wie seit Jahren nicht, ließ in zwölf unbesiegten Champions-League-Spielen dieser Saison nur drei Gegentreffer zu und verfügt dazu mit Entscheidern wie Dybala und Higuain und Aufreißern wie Mandzukic und Dani Alves, der mit dem FC Barcelona schon zwei Champions-League-Titel gewann, über die beste Offensive seit Jahren.

          Vier von fünf Champions-League-Finals verloren

          Die Mannschaft muss nur noch ihr Loser-Image in Endspielen loswerden. Juventus verlor nämlich vier seiner fünf Champions-League-Finals bisher. Ein Makel, dem Zidanes Kollege Massimiliano Allegri, vor zwei Jahren nach der 1:3-Endspielniederlage gegen Barcelona noch ein zurückhaltender Fußballlehrer, nahezu lautsprecherisch begegnet. „Alle unsere Spiele in dieser Saison“, hob Allegri hervor, „waren Trainingseinheiten, um uns auf dieses Endspiel vorzubereiten, morgen müssen wir gewinnen. Alle Statistiken sind vor so einem Spiel unerheblich. 2015 haben wir das Finale verdientermaßen erreicht, aber anders als heute nicht so fest an uns geglaubt. Wir müssen das Beste aus unseren Stärken machen und Reals Schwächen ausnutzen.“

          Kollege Zidane sagte dagegen auf die Frage, was Juventus Angst vor Real machen könne, nur: „Wahrscheinlich unsere komplette Mannschaft.“ So sprach der souveräne Boss des Titelverteidigers, während Allegri vehement die Rolle des aggressiven Herausforderers annahm. Aus diesem Stoff sind schon oft große Geschichten des Sports erwachsen. Viel spricht dafür, dass das auch in Cardiff der Fall sein könnte.

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