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Leipzig überrascht Tuchels PSG : Nagelsmann und eine ganz wichtige Halbzeitansprache

  • -Aktualisiert am

Drei Punkte in der Champions League: Julian Nagelsmann und RB Leipzig gewinnen gegen Paris. Bild: EPA

Beim Spiel gegen Paris St. Germain in der Champions League zeigt RB Leipzig zwei Gesichter. Am Ende steht dennoch ein wichtiger Sieg für den deutschen Fußballklub, auch weil dessen Trainer in der Pause die richtigen Worte findet.

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          Die Trendwende wurde in der Kabine eingeleitet. Mit richtungweisenden Worten und dem Appell an eine andere Körpersprache. Dazu mussten sich die Spieler von RB Leipzig, dem Tabellenzweiten der Champions-League-Gruppe H, allerdings einen gewaltigen Ruck geben, den die Halbzeitansprache ihres Trainers Julian Nagelsmann möglich gemacht hatte. Der 33 Jahre alte Oberbayer predigte jene Tugend, aus der er selbst in jeder Lage schöpfen kann: Selbstbewusstsein.

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          „Ich wollte, dass wir mehr Zutrauen in die eigenen Ballbesitzpassagen haben“, sagte er später über seine aufrüttelnde Botschaft. „Die Fehler, die wir vorher gemacht haben, haben wir nicht unter riesigem Druck gemacht. Ich hatte eher das Gefühl, wir trauen uns nicht so richtig, zwischen den Linien zu spielen.“ Des Trainers Worten ließen die Profis Taten folgen, so dass Nagelsmann nach dem letztlich hart erarbeiteten 2:1-Sieg seiner Mannschaft über Paris Saint-Germain zufrieden sagen konnte: „Gut zugehört, die Buben.“

          Schlüssel zum Sieg gefunden

          Tatsächlich stimmte die Raumaufteilung bei RB nach dem Wechsel viel besser, und dazu war nun in jedem Moment zu spüren, dass Leipzig den Schlüssel zum Sieg endlich gefunden hatte. Jede Mannschaft durfte eine Halbzeit lang ihre Waffen zeigen und der anderen ihren Stil aufzwingen. Vor der Pause war es Frankreichs Dauermeister mit seinem mal kultivierten, mal rasantem Ballbesitzfußball, der in Leipzig das Spiel bestimmte und den Gegner sichtlich nervös machte.

          Nach dem Wechsel war RB an der Reihe, den Widersacher mit Kraft, Zweikampfhärte und Tempo einzuschüchtern. Da der Tabellendritte der Bundesliga seine Balleroberungsstrategie, verbunden mit längeren Ballbesitzphasen, in den entscheidenden Momenten durchdrückte, gewann die Mannschaft von Nagelsmann letztlich nicht unverdient diese ereignisreiche Champions-League-Begegnung mit zwei Handelfmetern und zwei Gelb-Roten Karten 2:1 durch die Treffer des früheren PSG-Profis Christopher Nkunku (42. Minute) und den Strafstoß von Emil Forsberg nach Kimpembes Handspiel (57.).

          Dahin war die Pariser Chance, die nach Di Marias frühem Treffer (6.) das Katapult zum Sieg hätte sein können. Weil aber der Torschütze in der 16. Minute nach Upamecanos Handabwehr gegen Keans Schuss seine Elfmetergelegenheit nicht nutzen konnte und an Torhüter Gulacsi scheiterte und später die beiden Pariser Gueye (67.) und Kimpembe (90.+5) des Platzes verwiesen wurden, setzte sich schließlich das willensstärkere Team gegen den mal unkonzentrierten, mal undisziplinierten Champions-League-Finalteilnehmer dieses Jahres durch.

          Es war der erste volle Erfolg, den der Trainer Nagelsmann im Duell mit seinem früheren Augsburger Jugendtrainer Thomas Tuchel im fünften Anlauf schaffte. Nach drei sieglosen Versuchen mit der TSG 1899 Hoffenheim gegen die zwischen 2015 und 2017 von Tuchel betreute Dortmunder Borussia und dem mit 0:3 verlorenen Champions-League-Halbfinale gegen PSG am 18. August. Vor zweieinhalb Monaten waren die beiden Pariser Superstars Neymar und Kylian Mbappé die unwiderstehlichen Anführer ihrer Mannschaft. Die beiden fehlten am Mittwochabend verletzt. Ein Qualitätsverlust, der vom Tabellenführer der Ligue1 über den gesamten Spielverlauf nicht aufzufangen war.

          Kompliment von Tuchel

          Tuchel, dessen Vertrag im nächsten Sommer ausläuft und über dessen Verlängerung noch nicht verhandelt worden ist, sah am Mittwoch bei drei Punkten Rückstand auf Manchester United und RB Leipzig gleichwohl gute Chancen, sein Team zumindest noch auf Platz zwei der Gruppe H führen zu können. In Leipzig sprach viel Respekt gegenüber RB aus seinen Worten, als er festhielt: „Leipzig hat einen sehr physischen Stil. Den muss man annehmen. Es war superschwer, hier das gesamte Spiel zu kontrollieren.“ Um es genau zu sagen, es war für Paris Saint-Germain nur während der ersten 45 Minuten möglich.

          In drei Wochen gibt es das wegweisende Wiedersehen mit den Leipzigern, die in diesem Champions-League-Duell ihre erste Schwächephase dieser Saison nach der 0:5-Abreibung bei Manchester United und der 0:1 Liga-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach ad acta legen konnten – ob eines bestandenen Kraftakts. Solche Siege des Willens sind manchmal wichtiger als Glanz-und-Gloria-Auftritte, die zu falschen Schlüssen verleiten können. Kapitän Marcel Sabitzer schätzte deshalb den Wert dieses hart erkämpften Erfolgs über die im August noch unerreichbar überlegenen Pariser hoch ein: „Nach dem schlechtesten Start, den man sich vorstellen kann, ist es schwierig gegen so einen Gegner. Wir aber haben Moral gezeigt und dann die Kontrolle übernommen.“

          Vor allem aber bestand RB Leipzig seine Selbstüberwindungs-Prüfung mit dem unbändigen Willen, es besser als in Hälfte eins zu machen und darüber das eigene Spiel wiederzufinden. Wenn die Mannschaft sich demnächst auch ohne Halbzeitansprache ihres Trainers aus kritischen Lagen befreien kann, legte sie ein weiteres Reifezeugnis auf dem bei allen situativen Schwächen jetzt schon erkennbaren Weg zu einer nationalen wie internationalen Spitzenmannschaft ab.

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