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Sorgen beim FC Bayern : „Es muss alles besser werden“

Schmerz lass nach: Lucas Hernandez erleidet in Piräus eine Verletzung am Knöchel. Bild: AP

Drittes Spiel, dritter Sieg: Doch die Münchner zeigen in der Champions League in Piräus viele Mängel. Sportdirektor Salihamidzic übt deutliche Kritik. Dazu kommt Verletzungspech. Der nächste Spieler fehlt lange.

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          Die Zahlen lesen sich ganz wunderbar für den FC Bayern. Im elften Auswärtsspiel in der Champions League in Serie blieben die Münchner ungeschlagen. Das ist ein formidabler Vereinsrekord, zumal darunter gleich acht Siege sind. Den jüngsten fuhr der deutsche Fußballmeister am Dienstagabend beim 3:2 bei Olympiakos Piräus ein. Mit der optimalen Ausbeute von drei Siegen aus drei Spielen in dieser Kampagne ist die Qualifikation für das Achtelfinale nahe. „Das Wichtigste ist, dass wir neun Punkte haben“, sagte Kapitän Manuel Neuer beim TV-Sender Sky. „In der Champions League sind wir voll im Soll.“

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Zu verdanken hatten die Münchner den Erfolg in Griechenland ihrer Effektivität, für die insbesondere Robert Lewandowski verantwortlich zeichnete. Der polnische Stürmer ist die Lebensversicherung der Bayern in diesen stürmischen Herbsttagen. Nach dem Rückstand durch Youssef El-Arabi (23. Minute) glich der Pole erst aus (34.) und traf dann zum 2:1 (62.). Der eingewechselte Corentin Tolisso erhöhte (75.), ehe ein abgefälschter Schuss von Guilherme nochmal für Spannung sorgte (79.). „Es war ein Arbeitssieg“, sagte Trainer Niko Kovac. „Meine Mannschaft hat bewiesen, dass sie effektiv sein kann.“

          Die Frage, wie die Lage der Bayern ohne Lewandowski wäre, ist hypothetisch. Die Zahlen jedenfalls zeigen seine enorme Wichtigkeit in dieser Saison. Abgesehen vom verlorenen Supercup in Dortmund zum Start der Spielzeit traf der Stürmer in allen Pflichtspielen. 18 Tore in 13 Partien sind herausragend. Neun Punkte und ein Lewandowski in exzellenter Form – viel mehr als das ließ sich auf der positiven Seite im Lager der Bayern aber nicht mit auf den Weg zurück nach Deutschland nehmen. Das lag auch an zwei Personalien, die den Münchnern neue Sorgen bescherten.

          Nach dem Kreuzbandriss von Niklas Süle am vergangenen Samstag in Augsburg, der diese Saison womöglich nicht mehr zum Einsatz kommt, erwischte es in Piräus Lucas Hernandez. Nach einem Zweikampf hielt sich der Weltmeister den Fuß und musste mit starken Schmerzen ausgetauscht werden. „Lucas wird auch länger ausfallen. Wie lange, werden wir sehen. Es ist sicherlich ein Band angerissen“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Eine genauere Diagnose werde es im Laufe des Mittwochs geben. Hernandez verließ das Stadion an Krücken. Javi Martinez bliebt zudem zur Pause in der Kabine, nachdem er sich mehrfach an den Oberschenkel gefasst hatte. „Wir wollten kein Risiko eingehen“, sagte Kovac.

          Der längere Ausfall von Hernandez tut den Bayern weh. Zumal derzeit die Defensive sowieso löchrig ist. „Das Problem ist, dass wir immer drei Tore schießen müssen, um das Spiel zu gewinnen“, sagte Torwart Neuer. „Das ist ärgerlich, wenn du wieder zwei Tore kassierst.“ In Paderborn, bei Tottenham, gegen Hoffenheim, in Augsburg und nun in Piräus gab es jüngst jedes Mal zwei Treffer für den Gegner. Nur in drei Partien in dieser Saison blieben die Münchner ohne Gegentreffer. „Wir haben uns die Probleme selbst gemacht“, sagte Lewandowski. „Das tut weh.“

          Kovac sah die Defizite, wie die zahlreichen Abspielfehler und die Verlangsamung des eigenen Spiels, wollte aber nicht zu kritisch mit seiner Mannschaft umgehen. „Wir haben heute nicht das beste Spiel gemacht“, sagte der Trainer. „Aber das war für mich gar nicht wichtig. Wir haben jetzt neun Punkte, wir haben es geschafft, einen 0:1-Rückstand aufzuholen, daher Kompliment an die Jungs.“ Zwar tue man sich momentan nicht leicht, aber „ich bin mit den drei Punkten sehr zufrieden. Wir sind mit einem Bein fast im Achtelfinale, das ist das Ziel“.

          Deutlich kritischer nach dem Sieg beim Tabellenführer der griechischen Liga war der Sportdirektor. „Wir waren einfach nicht da“, sagte Salihamidzic. „Wir haben gewonnen, das ist das Positive, ansonsten wird man natürlich verrückt, wenn man so ein Spiel anschaut.“ Ihm fehle nicht nur die Aggressivität in den Zweikämpfen. Die Kontrolle sei nicht da, im Spiel nach vorne sei die Mannschaft zu hektisch, kurzum: „Es muss alles besser werden.“ Lob verteilte Salihamidzic aber auch noch: an Thomas Müller, der die Lewandowski-Tore vorbereitete: „Er ist ein ganz wichtiger Spieler.“

          Erstmals seit dem Bundesligaspiel in Leipzig Mitte September stand Müller in der Startelf. Danach war ihm Neuzugang Philippe Coutinho vorgezogen worden. Der Brasilianer spielte auch in Piräus, zunächst zentral im Mittelfeld, während Müller, der in den letzten beiden Duellen mit Piräus 2015 drei Mal traf, rechts außen auflief. Mitte der ersten Hälfte verschob Kovac die Spieler. Coutinho ging nach links außen, Müller unterstützte Lewandowski in der Spitze, Gnabry agierte auf der rechten Seite. Es war ein guter Schachzug des Trainers, danach wurde das Münchner Spiel etwas besser.

          Ein Plädoyer für Müller in zentraler Rolle kam von Lewandowski. „Das zweite Tor hat bewiesen, wo seine beste Position ist“, sagte der Doppeltorschütze. „Wenn er im Strafraum ist, kann immer etwas passieren. Wenn ich einen Spieler neben mir habe, mit dem ich spielen kann, ist es besser für die Mannschaft. Er ist ein sehr wichtiger Spieler, der uns immer helfen kann.“ Das wird auch nötig sein, denn Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge malte beim nächtlichen Bankett ein düsteres Bild: „Ich glaube nicht, dass die Leistung, die wir heute Abend gebracht haben, uns in diesem Jahr große Erfolge bescheren wird, wenn wir nicht die Kurve langsam kriegen.“

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