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2:2 gegen Real Madrid : Gladbach lässt sich den Sieg stehlen

  • -Aktualisiert am

Der Moment, in dem der Sieg zu kippen beginnt: Benzema setzt sich durch und trifft. Bild: AP

Die Borussen führen gegen Madrid durch zwei Treffer von Thuram schon 2:0 – doch in der dritten Minute der Nachspielzeit trifft Casemiro zum 2:2.

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          Nur eine Zutat fehlte am Dienstagabend für eine dieser unvergesslichen Flutlichtnächte, wie sie die Anhänger von Borussia Mönchengladbach vor langer Zeit immer mal wieder erleben durften. Die großen Europapokalspiele aus den 1970er und 1980er Jahre sind noch immer sehr präsent, in der Gegenwart lieferten sich die Borussen einen großen Kampf gegen Real Madrid und spielten nach einer großartigen Leistung 2:2 – allerdings nach einer 2:0-Führung durch zwei Treffer von Marcus Thuram.

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          Am Ende mussten sie ohne eine zwischen Begeisterung und Trauer taumelnde Masse vom Rasen schleichen, ohne Menschen, die ein Erlebnis für die Ewigkeit mit nach Hause hätte nehmen können. So mussten die Anhänger der Borussia vor den Fernsehern über ein spätes Ausgleichstor von Casemiro in der dritten Minute der Nachspielzeit ärgern. Sie hatten Real am Rande einer Niederlage.

          Dabei hatte Real sehr überlegen begonnen als Reaktion auf die 2:3-Heimniederlage gegen Schachtar Donezk in der vorigen Woche. Der Ball lief schnell, nach zehn Minuten hatten sie fast 80 Prozent Ballbesitz, aber die Borussia wehrte sich auch in dieser Anfangsphase. Der Traditionsverein vom Niederrhein verteidigte hervorragend und entwickelte gelegentlich auch den Mut, das intensive Pressing der Spanier mit einem kontrollierten Spielaufbau zu beantworten.

          Beide Teams tauchten in der ersten halben Stunde zwei, drei Mal im gegnerischen Strafraum auf, gefährlicher war dabei aber Real. Doch immer wieder war ein Gladbacher Abwehrbein dazwischen, oder die finalen Pässe blieben zu ungenau. Und im Gegensatz zum ersten Spiel konnte ja Sergio Ramos Madrids Abwehr wieder eine größere Stabilität verleihen.

          Gegen Donezk hatte der Kapitän noch gefehlt, und je länger dieses Spiel dauerte, desto öfter zeigte Real auch an diesem Abend Unsicherheiten. Zum Beispiel in der 33. Minute: Als es nach einem ungenauen Spielaufbaupass von Kroos etwas unübersichtlich im Mittelfeld wurde, fing Alassane Pléa einen Kopfball von Raphael Varane ab und zauberte nach einem Doppelpass mit Jonas Hofmann einen flachen Diagonalball auf Marcus Thuram hervor. Der junge Franzose setzte den Ball mit einem trockenen Schluss hoch in die lange Ecke, ein brillanter Treffer. Noch beeindruckender als der Abschluss war dabei der wunderschöne Pass Pléa gewesen.

          Kroos schien also richtig zu liegen mit seiner Prognose vor dem Anpfiff: „Klar ist, dass wir mindestens so eine Leistung brauchen wie am Samstag“, hatte der Mittelfeldspieler gesagt, nachdem die Mannschaft am vergangenen Spieltag 3:1 gegen den großen Rivalen aus Katalonien gewonnen und das Krisengefühl damit zumindest ein wenig abgemildert hatte.

          Trotz grundsätzlicher Überlegenheit und nur einer echten gegnerischen Chance zurückzuliegen, gehört allerdings zu den typischen Symptomen unter denen Teams leiden, denen Selbstvertrauen und Überzeugung fehlen. Und in dieser Situation hängt Real derzeit offenbar fest. Trainer Zinedine Zidane, der in seiner Zeit als Spieler eigentlich immer eine gute Idee parat hatte, kratzte sich etwas ratlos über den blank polierten Kopf, als er mit seinen Spielern in die Kabine lief.

          Doppeltorschütze in der Champions League gegen Real Madrid: Marcus Thuram kann es kaum fassen.
          Doppeltorschütze in der Champions League gegen Real Madrid: Marcus Thuram kann es kaum fassen. : Bild: AFP

          Womöglich hat er in der Pause ein paar kluge Hinweise geben können, denn Real startete furios in die zweite Hälfte. Nicht einmal zwei Minuten waren gespielt, als Varane nach einer Ecke die Latte des Gladbacher Tores traf. Der Druck rund um den Strafraum der Borussia wurde immer größer, Vinicius vergab eine gute Schusschance aus sieben Metern (50.), aber auch die Borussia setzte eigene Angriffe dagegen und spielte unglaublich effizient.

          Einen der Konter schloss Pleá mit einem schwierigen Volleyschuss ab, den Torhüter Thibaut Courtois vor die Füße Thurams prallen ließ. Der 23 Jahre alte Angreifer hatte keine Mühe, aus vier Metern sein zweites Tor zu schießen. Das war ein Wirkungstreffer, Real taumelte und Pléa vergab eine wunderbare Möglichkeit zum 3:0 (61.). Kurz darauf verfehlte Lars Stindl das Tor um wenige Zentimeter (66.), plötzlich konnten die Spanier froh sein, nicht noch höher zurückzuliegen.

          Es folgte eine wilde Druckphase Reals, aber die Gladbacher wehrten sich voller Hingabe. Erst in der Schlussphase gelang Karim Benzema noch das 2:1 (87.), bevor Ramos in der Nachspielzeit der Ausgleich gelang.

          Real Madrid ist dennoch ungewöhnlich schwach in die Champions League gestartet, im zweiten Spiel bleibt der 13-fache Gewinner des Henkelpokals abermals ohne Sieg. Immer noch spricht viel dafür, dass die Spanier diese Gruppenphase am Ende doch irgendwie überstehen, ebenso gut denkbar ist jedoch, dass dieses seltsame Corona-Saison die alten Hierarchien stärker durcheinander rüttelt, als mancher glauben mag.

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