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Liverpools 0:3 in Barcelona : „Was ein Schuss, ey, verrückt“

Wer ist hier der Größte? Liverpool-Trainer Klopp (links) gratuliert Barcelona-Star Messi zu seiner Gala. Bild: AP

Das Team von Jürgen Klopp macht im Halbfinal-Hinspiel der Champions League ein starkes Spiel. Am Ende steht aber eine deutliche Niederlage in Barcelona. Das hat vor allem zwei Gründe.

          Seinen Humor hatte Jürgen Klopp nicht verloren. Ganz im Gegenteil. „Es ist kein Ergebnis, wo wir sagen können, jetzt haben wir sie in Sicherheit gewogen und können ihnen kurz eine mitgeben“, sagte der Trainer des FC Liverpool beim TV-Sender Sky und lachte. Wohl wahr. Soeben hatte seine Mannschaft im Hinspiel im Halbfinale der Champions League mit 0:3 beim FC Barcelona verloren. Die Aussichten, wie in der vergangenen Saison ins Endspiel einzuziehen, sind für den deutschen Trainer und die „Reds“ damit arg gesunken. Aufgeben ist selbstredend dennoch keine Option. „Also spielen werden wir nochmal, das auf jeden Fall“, sagte Klopp mit Blick auf das Rückspiel am kommenden Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League, bei Sky und DAZN) in Liverpool.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Trotz der drei Gegentore durch Luis Suarez (26. Minute) sowie Lionel Messi (75. und 82.) wirkte der Coach am späten Mittwochabend alles andere als geknickt. „Wir haben in der Champions League wirklich ein paar ordentliche Auswärtsspiele gemacht, seit ich da bin, aber das war das beste. Das Problem ist natürlich, dass man das dem Ergebnis nicht ansieht, weil das nicht das beste ist“, sagte er. „Es geht darum Tore zu schießen und keine zu kriegen, das haben wir nicht so gut hingekriegt. Aber wir haben dennoch ein super Spiel gemacht.“ Seine Mannschaft hätte „einfach Fußball gespielt. Und das hat mir gefallen.“

          Es war das erste Mal, dass Klopp in seiner Karriere auf Barcelona traf. Schon zuvor war die Freude auf das Duell groß. Sie wurde nicht enttäuscht. „Es war einfach ein geiles Fußballspiel. Ich habe wirklich Spaß gehabt an dem Spiel. Außer dem Ergebnis fand ich alles gut“, sagte Klopp und lachte wieder. Dass das so ausfiel, hatte vor allem zwei Gründe. Liverpool nutzte seine Chancen nicht, um zumindest ein Auswärtstor zu erzielen, das im Europapokal so bedeutend ist. Im Gegensatz dazu verwandelte Barca-Star Messi seine Möglichkeiten gleich in zwei Tore, die das Ergebnis deutlich werden ließen.

          „Ich wäre doof, wenn ich der Mannschaft Vorwürfe machen würde, dass sie die Chancen nicht nutzt. Ich bin froh, dass wir welche haben“, sagte Klopp mit Blick auf die vielen guten Gelegenheiten, die seine Spieler vergaben. Sadio Mané tauchte in der ersten Halbzeit frei vor Torwart Marc-André ter Stegen auf, zielte aber zu hoch (35.). Direkt nach der Pause hatten die Engländer ihre beste Phase. Doch bei Schüssen von James Milner (47.), Mohamed Salah (53.) und wieder Milner (59.) stand der deutsche Schlussmann im Weg. „Wir hatten gute Chancen. Aber wir müssen Tore machen. Das ist Fußball“, sagte Milner. „Wir wollten unseren Stil durchbringen, aber das Ergebnis ist das, was zählt.“

          Seinen Stil zeigte auch Messi. Bisweilen schlich er teilnahmslos erscheinend über den Rasen, um dann von einer auf die andere Sekunde seinen großen Auftritt zu haben. Das erkannte auch Klopp an und lobte seine Spieler. „Wir haben ihn ja die meiste Zeit kontrolliert, es ist nicht so, dass er 48.000 Aktionen hatte. Er ist einfach ein Wahnsinnsspieler. Ich wusste vorher, dass Lionel Weltklasse ist und das haben wir wieder gesehen. Deswegen bin ich nicht allzu überrascht.“ Seine Jungs hätten nicht zu viel Respekt gezeigt und, das war Klopp wichtig zu betonen, sie „haben nicht versucht, ihn mit unfairen Mitteln aus dem Spiel zu nehmen“.

          Doch es half nichts. Beim 2:0 war der Argentinier handlungsschneller als die komplette Abwehr. Nach einem Schuss an die Latte von Suarez lief nur Messi mit, nahm den abprallenden Ball mit der Brust an und schob ihn ins leere Tor. „Das war nicht das schönste Tor seiner Karriere. Aber es zeigt seine Qualität. Der Ball geht an die Latte, er steht richtig“, sagte Klopp. „Ich bin ein großer Bewunderer von Messi.“ Beim dritten Treffer nutzte der den Freiraum, der ihm ein Freistoß gewährt. „Das konnten wir nicht verteidigen, in diesem Moment ist er unaufhaltsam.“ Aus gut 25 Metern schlug der Ball direkt in den Torwinkel ein. „Ich dachte Ali (Torwart Alisson Becker, Anmerkung der Redaktion) hat ihn und dann kriegt er nochmal Luft und geht genau in den Winkel“, staunte Klopp über die Flugkurve des Balles. „Was ein Schuss, ey, verrückt. Wir ziehen davor den Hut und akzeptieren das auch.“

          Auch Routinier Milner zollte Messi seinen Respekt. „Er ist einer der Größten aller Zeiten und in der Champions League hat er immer wieder ganz besondere Momente. Wir hatten ihn die meiste Zeit im Griff, aber 90 Minuten geht das nicht.“ Entschieden sei das Duell um den Einzug ins Finale aber nicht – unter einer Voraussetzung. „Man soll nie nie sagen, in Anfield passieren schon mal spezielle Dinge. Wir müssen so spielen wie heute und unsere Chancen nutzen.“ Ähnlich sah es Abwehrchef van Dijk, der beim 0:1 von Suarez überrascht wurde. „Im Fußball ist alles möglich. Wir spielen in Anfield. Jeder weiß, wie schwer es dort wird. Barcelona hat auch Schwächen, die wollen wir ausnutzen. Hoffentlich schießen wir dann auch Tore.“ Dafür sorgen soll Roberto Firmino, der nach Leistenproblemen spät eingewechselt wurde und dessen Schuss Ivan Rakitic auf der Linie klärte. Salahs Nachschuss landete am Pfosten (84.).

          Auch Klopp will sich noch nicht geschlagen geben. Als Dortmunder Trainer war er 2014 nach einer Niederlage im Viertelfinal-Hinspiel gegen Real Madrid im ZDF provokant gefragt worden, ob „das Ding“ durch sei. Auch damals gab es ein 0:3. Klopp hat das nicht vergessen, als er nun gefragt wurde, was noch möglich sei. „Ich hab‘ mich mit dem Kollegen Breyer ja mal gestritten nach einem Madrid-Spiel. Ich bin aber auch älter geworden und hab da kein Bock mehr drauf.“ Das Rückspiel seinerzeit gewann der BVB mit 2:0 und stand dicht davor, den Rückstand aufzuholen. Liverpool braucht nun einen ähnlichen Abend – sonst findet das Finale am 1. Juni in Madrid ohne Klopp und seine Elf statt.

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