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5:1 gegen Benfica : Die Rückkehr der Gute-Laune-Bayern

Gemeinsame Freude ist die schönste Freude: Thomas Müller (oben) jubelt nach Spielende mit Teamkollege Niklas Süle. Bild: Reuters

Krise? Welche Krise? Das 5:1 der Münchner in der Champions League erinnert an beste Zeiten. Der Einzug ins Achtelfinale ist fix, die Stimmung prächtig. Doch das böse Erwachen ist für die Bayern absehbar.

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          Am Samstag dachte Uli Hoeneß, die Welt gehe unter. Drei Tage später ist sie immer noch da – und leuchtete für den FC Bayern wieder rosarot. So schnell kann es gehen, könnte man denken. Als Franck Ribéry am Dienstagabend den Treffer zum 5:1-Endstand im Champions-League-Spiel der Münchner gegen Benfica Lissabon erzielte, hielt es auch den Präsidenten nicht mehr auf seinem Sitz. Hoeneß strahlte und klatschte, als hätte es einen heftig angezählten Trainer Niko Kovac und die wortgewaltige Kritik der letzten Tage gar nicht gegeben. Durch den Sieg stehen die Bayern vorzeitig im Achtelfinale der Königsklasse, zum elften Mal in Serie.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Auch die Spieler machten einen gelösten Eindruck. Nach dem Schlusspfiff sprang Thomas Müller auf die breiten Schultern von Niklas Süle. Die Sieger hüpfen gemeinsam vor den Fans, verschenkten Trikots an Zuschauer, herzten sich und lachten. Die gute Laune ist wieder da. Aber ist auch alles wieder gut? So schnell geht das selbst im Tagesgeschäft Fußball nicht. Für den Moment hatten die Münchner allen Grund zur Freude, ganz gewiss. Nach den Treffern von Arjen Robben (13. und 30. Minute), Robert Lewandowski (36. und 51.) und Ribéry (76.) stand erstmals seit langem ein klarer Sieg.

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          „Endlich hat die Mannschaft sich belohnt“, sagte Trainer Kovac beim TV-Sender Sky und lächelte ebenfalls. „Wir haben heute eine sehr ordentliche Leistung gezeigt.“ Nach dem 3:3 gegen Fortuna Düsseldorf am Wochenende hatte Hoeneß seinen Coach erstmals angezählt. Mit dem überzeugenden Sieg in der Champions League gibt es nun zwar keine neuen Argumente gegen eine Weiterbeschäftigung des leitenden Angestellten. Doch in der Bundesliga bringt der Erfolg gegen schwache Portugiesen keinen Punkt. Es sind allenfalls die weichen Faktoren, bei denen die Bayern punkten konnten.

          „Das war ein Statement für die Mannschaft“, sagte Kovac. „Jetzt haben sie gesehen, dass sie es können.“ Allen voran die drei Torschützen bewiesen das. Robben zeigte eine starke Leistung, war nie zu halten und traf zwei Mal auf die ihm ganz eigene Art – von rechts außen nach innen und dann mit links treffen. Die Abwehrspieler von Benfica schienen noch nie ein Bayern-Spiel im TV gesehen zu haben, so überrascht waren sie vom Laufweg des flitzenden Niederländers. Ribéry, mit 35 Jahren noch ein Jahr älter als Robben, war ähnlich emsig unterwegs. Auch Lewandowski gehört inzwischen zur Ü-30-Fraktion, bewies aber mit zwei Kopfbällen nach Ecken von Joshua Kimmich seinen Wert als wuchtiger Vollstrecker.

          Den kennt auch Kovac. Und er kennt auch die Debatte um den überalterten Kader, auf dessen Zusammenstellung er wenig Einfluss hatte nach seinem Wechsel von Eintracht Frankfurt im Sommer. „Ich würde sie mir auch alle fünf bis acht Jahre jünger wünschen“, sagte er. Dennoch sei er natürlich froh, dass „ich die Jungs habe“. Denn einige der jungen Nachkömmlinge sind verletzt. So fehlten gegen Benfica etwa Kingsley Coman, Corentin Tolisso und Serge Gnabry. Kovacs Plan, auf eine junge deutsche Doppel-Sechs aus Kimmich und Leon Goretzka zu setzen, ging dafür auf.

          In Krisenzeiten war nicht nur das Alter der Offensive, sondern auch die Langsamkeit der Defensive ein Thema. Einmal kam dieses Problem auch gegen Lissabon zum Vorschein. 40 Sekunden nach der Pause setzte Jerome Boateng eine Grätsche viel zu spät ins Leere, Süle stand verloren im Raum und auch der Rest der Abwehr sah nur noch die Hacken von Gedson Fernandes, der zum 1:3 traf (46.). „Das darf nicht passieren“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Es war der einzige Fehler mit Folgen. Andere blieben, anders als gegen Düsseldorf, ungestraft. Vorbildlich indes waren Einsatz und Körpersprache. „Die Mannschaft hat endlich wie Bayern München gespielt“ sagte Salihamidzic. Ein wenig „Mia san mia“ ist also doch noch da.


          So gingen die Bayern mit einem guten Gefühl ins Bett. Doch das böse Erwachen ist absehbar. Vielleicht noch nicht an diesem Mittwoch, aber am Samstag steht wieder eine Bundesliga-Partie auf dem Spielplan. Und dieser Wettbewerb ist die Problemdisziplin. Denn tatsächlich hat Kovac von zwanzig Spielen bei den Bayern erst drei verloren. Diese Bilanz ist so schlecht nicht. Sein Problem ist nur: Alle Pleiten gab es in der nationalen Liga. So steht vor dem schweren Auswärtsauftritt in Bremen nur Platz fünf zu Buche, neun Punkte hinter dem entfesselten Spitzenreiter Borussia Dortmund. Der Druck ist groß, Punktverluste dürfen sich die Münchner kaum noch erlauben, wollen sie doch noch ins Titelrennen eingreifen.

          „Es wird schwierig in Bremen“, sagte Kovac noch am Dienstagabend unter dem Eindruck des Siegs über Benfica. „Wir dürfen jetzt nicht über Platz eins reden, sondern müssen Schritt für Schritt gehen. Wir können nicht einfach fünf Plätze überspringen.“ Bis Weihnachten warten nach dem Spiel an der Weser noch die Duelle mit Nürnberg, Hannover, Leipzig und Frankfurt – allesamt keine Selbstläufer, denn welche Spiele wären das derzeit schon für die Bayern im Bundesliga-Modus? „Wir werden in Bremen gewinnen“, sagte Salihamidzic forsch. Was nun zu beweisen wäre. Gute Laune wird dafür alleine aber nicht reichen.


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