https://www.faz.net/-gtm-9fov2

2:0 bei AEK Athen : Den Bayern reichen drei Minuten

Geht doch: Rafinha legt auf, Lewandowski schiebt ein zum 2:0 in Athen. Bild: Reuters

Lange können die Münchner dem eigenen Anspruch nicht genügen in der Champions League in Athen. Dann aber trifft ein Bayern-Spieler artistisch – und ein anderer legt sofort nach.

          3 Min.

          Der FC Bayern hat seine liebste Gewohnheit zurückgefunden: Siege in Serie. Drei Tage nach dem 3:1 in Wolfsburg in der Bundesliga ist dem deutschen Meister am Dienstag auch auf europäischer Bühne die Rückkehr zum Erfolgserlebnis gelungen. Beim 2:0 bei AEK Athen konnten die Bayern dem eigenen Anspruch spielerisch jedoch eine Stunde lang kaum genügen.

          Champions League
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          In ihrem ersten Champions-League-Spiel zur neuen, noch ungewohnten Anstoßzeit um fünf vor Sieben fremdelten sie zunächst noch mit dem Platz im Vorabendprogramm, ehe pünktlich zu Beginn der besten Sendezeit Javi Martinez (61. Minute) und Robert Lewandowski (63.) die Hauptrollen übernahmen. Mit ihren Treffern knackten sie das Abwehrbollwerk der weiter punktlosen Athener – drei effiziente Minuten reichten, um das Spiel zu entscheiden. „In der zweiten Halbzeit haben wir unsere Chancen genutzt, dann gewinnst du hier 2:0. Das ist sehr wichtig“, sagte Arjen Robben. Durch den 1:0-Sieg von Ajax Amsterdam über Benfica Lissabon liegen die Münchner nun punkt- und torgleich mit den Niederländern an der Spitze der Tabelle.

          Ein griechischer Meister mit einem Sportdirektor namens Liberopoulos und einem Trainer namens Ouzonidis hätte dazu verleiten können, die Sache allzu humoristisch zu nehmen, doch AEK Athen zeigte eine Stunde lang, dass man keine Lust darauf hatten, den Profis aus Deutschland einen lustigen Abend zu bereiten. Sich ihrer spielerischen Limitierung im Vergleich mit dem Star-Ensemble aus München bewusst, scheuten die Griechen das Risiko, überließen den Bayern weitgehend den Ball, hielten diese aber recht effizient von den Räumen fern, in denen man torgefährlich wird. 66 Prozent Ballbesitz, 9:2 Torschüsse, 7:0 Ecken, so lautete die Halbzeitbilanz zugunsten die Bayern, die dennoch kaum einmal wirklich zwingend in ihren Kombinationen wirkten. Zu oft fehlte noch die Genauigkeit im Passspiel, die Flüssigkeit im Kombinieren und, jedenfalls in Strafraumnähe, der Blick für die Bewegung des aussichtsreicher postierten Mitspielers.

          Vor allem Serge Gnabry, der den mit einer Wirbelblockade daheim gebliebenen Franck Ribéry am linken Flügel vertrat, suchte des öfteren aus größerer Distanz oder ungünstigem Winkel den eigenen Abschluss – zumindest einmal zu oft, wie Lewandowski fand, der bei einer Kontersituation auf den finalen Pass gewartet hatte, dann aber nur einem abgeblockten Weitschuss des Kollegen nachblicken konnte.

          Die griechischen Fans sorgten für schlechte Sicht im Stadion. Bilderstrecke

          Auch bei der größten Chance der ersten Halbzeit hatte der Pole das Nachsehen, denn der künstlerisch begabte Kollege Thiago, vom Griechen Mantolas mit einem Fehlpass-Geschenk am griechischen Strafraum bedacht, wog etwas zu lang die Optionen ab und entschied sich dann für die etwas zu komplizierte: ein versuchtes Durchspiel mit dem Außenrist, statt einen Schritt zuvor den simplen Querpass mit der Innenseite auf den zum Tor startenden Lewandowski zu spielen. Nicht Fisch noch Fleisch, nicht Pass noch Schuss, sauste der Ball zwischen Tor und Torjäger ins Toraus.

          Nach der Pause wurde es zunächst nicht besser, im Gegenteil, zahlreiche Unsicherheiten und ungewohnte Fehler der Bayern ließen die Griechen plötzlich mutig, ja beinahe offensiv werden. Doch verloren sie dafür defensiv zweimal den Überblick und wurden böse bestraft. Nach einer zunächst abgewehrten Ecke vergaß die AEK-Abwehr den sich nach links davonschleichenden Mats Hummels, der darauf ungestört den Ball bekam und diesen in die Mitte passte – wo Robben zunächst noch geblockt wurde, Martinez dann aber in Seitenlage den Abpraller ins Tor wuchtete.

          Es war das erste Tor des hauptberuflichen Torverhinderers seit neun Monaten – ehe dann wieder der für Tore zuständige Spezialist übernahm, der erst am Samstag zweimal getroffen hatte. Dabei dürfte Robert Lewandowski kaum eines der fast dreihundert Tore, die er in seiner Profikarriere erzielt hat, so leicht gefallen sein wie dieses. Wieder fehlte auf der rechten Abwehrseite der Athener ein Mann, als hätte sich dort ein Verteidiger in Luft aufgelöst. Rafinha stieß, hinter dem ballführenden Gnabry durchspurtend, in die Lücke, bekam den Ball, legte quer, und der Lewandowski traf aus zwei Metern ins leere Tor. „Ich finde, wir haben heute ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht“, sagte Trainer Kovac. „Der Sieg ist voll und ganz verdient.“

          Eine „Siegesserie“ hatte sich Verteidiger Niklas Süle zur weiteren Genesung des „Mia san mia“ gewünscht. Und sie könnte im weiteren Verlauf der Tournee von vier Auswärtsspielen hintereinander durchaus weitergehen. Auf Wolfsburg und Athen folgt, dann wieder zu gewohnten Spielzeiten, Mainz am kommenden Samstag – und schließlich das exotischste Reiseziel, Rödinghausen, nächsten Dienstag im DFB-Pokal. „Wenn du verlierst, ist die Kunst, ruhig zu bleiben“, sagte Robben. „Wir wollen eine Serie starten und bis zur Winterpause alle Spiele gewinnen, dann schaut die Welt wieder anders aus.“

          Weitere Themen

          Tabellenführer Leipzig stolpert

          0:2 in Frankfurt : Tabellenführer Leipzig stolpert

          Ein Sieg wider die Gerechtigkeit: Die Frankfurter Eintracht besiegt das lange überlegene Team von RB Leipzig dank einer Leistungssteigerung in Halbzeit zwei. Touré ebnet den Weg. Und der Spitzenreiter stolpert.

          Topmeldungen

          Eingangstor zum ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau

          Antisemitismus : Kein Respekt in KZ-Stätten

          Beschmierte Gedenkstätten und Lehrer, die im Unterricht nicht über die Judenverfolgung der Nazis zu sprechen: Fachleute beobachten wachsenden Antisemitismus und Desinteresse an der Geschichte. Digitale Lösungen könnten Abhilfe schaffen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.