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Sieg in Champions League : FC Bayern mit Wucht ins Viertelfinale

Brachte die Münchner mit seinem Tor auf Kurs: Robert Lewandowski Bild: AFP

Der deutsche Meister trumpft im Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea auf und zieht in die nächste Runde ein. Beim Finalturnier in Lissabon wartet nun ein ganz schwerer Gegner.

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          Am Samstagabend um kurz vor elf war es Geschichte, das längste aller Achtelfinals in der Historie der Champions League. Und am Ende stand, wie am Anfang, ein Spaziergang. 165 Tage nach dem 3:0-Sieg im Hinspiel in London, damals noch in einem vollen Stadion, hat der FC Bayern München die Pflichtübung des Rückspiels mit einem mühelosen 4:1-Erfolg gegen den FC Chelsea in der eigenen, leeren Arena hinter sich gebracht. Die Tore erzielten Robert Lewandowski (10./84. Minute), Ivan Perisic (24.) und der eingewechselte Corentin Tolisso (76.) bei einem Gegentreffer durch Tammy Abraham (44.).

          Champions League
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Damit führt der Weg zum erhofften Triple für die Bayern wie 2013 über den FC Barcelona. Das Team von Lionel Messi setzte sich ebenfalls am Samstagabend nach dem 1:1 im Hinspiel 3:1 gegen den SSC Neapel durch. Damit treffen sich Bayern und Barca am kommenden Freitag beim Finalturnier in Lissabon im Viertelfinale, das ebenso wie die weiteren Runden in jeweils nur einer Partie entschieden wird. „Die Vorfreude ist natürlich riesig, wir fahren mit Selbstvertrauen nach Portugal“, sagte Bayern-Profi David Alaba im TV-Sender Sky. „Wenn man sich die letzten Wochen und Monate anschaut, müssen wir uns nicht verstecken.“

          Während die Katalanen ebenso wie der mögliche Halbfinalgegner Manchester City wegen des späteren Wiederbeginns ihrer heimischen Liga nach der Corona-Pause noch im Spielrhythmus sind, stehen die Bayern vor der Schwierigkeit, dass sie ihre letzte Probe unter Ernstfallbedingungen am 4. Juli im Pokalfinale bestritten haben, worauf es in den Urlaub und anschließend wieder ins Aufbautraining ging.

          Schwach, ausgelaugt und dezimiert

          Ob die Wettkampfschärfe für ein Duell auf dem höchsten europäischen Niveau nun schon wieder oder immer noch vorhanden ist, auf diese Frage konnte das Duell gegen Chelsea den Bayern kaum Antworten liefern. Zu schwach, ausgelaugt und dezimiert wirkte die Truppe von Frank Lampard, der acht Jahre nach seinem großen Triumph als Spieler und Kapitän beim Champions-League-Erfolg 2012 mit Chelsea nun als Trainer in die Münchner Arena zurückkehrte, mit seinem Team diesmal aber nur ein Sparringspartner war.

          Schon nach acht Minuten löste ein einziger Flachpass durchs Zentrum, von Serge Gnabry gespielt, die englische Abwehr in Nichts auf. Lewandowski lief völlig frei durch, umspielte den aus seinem Tor eilenden Willy Caballero, kam dabei zu Fall, und der rumänische Schiedsrichter Ovidiu Hategan pfiff Foulelfmeter. Dieser wurde zunächst zurückgenommen, weil der Assistent an der Linie Abseits anzeigte, doch der Assistent vor dem Bildschirm überstimmte diese Einschätzung und so konnte Lewandowski dem Foul mit zweiminütiger Verspätung die Strafe folgen lassen. Er verwandelte sicher.

          Zeitweise umkämpft: Der FC Bayern setzt sich gegen Chelsea durch.
          Zeitweise umkämpft: Der FC Bayern setzt sich gegen Chelsea durch. : Bild: AFP

          Es war sein zwölfter Treffer in der aktuellen Champions-League-Spielzeit, dem später noch der dreizehnte folgte, womit dem Polen sein persönliches Triple unabhängig von dem der Bayern fast nicht mehr zu nehmen ist. Bester Torschütze der Bundesliga (34 Tore) und des DFB-Pokals (sechs Tore) war er in dieser Saison schon, und in der Champions League ist hinter ihm der zweitplazierte Erling Haaland, der für RB Salzburg und Borussia Dortmund zehnmal traf, nicht mehr im Rennen. Sonst hat kein Spieler mehr als sechs Tore erzielt. Sogar der sechs Jahre alte Rekord für die meisten Tore in einer Saison der Königsklasse, 17 durch Cristiano Ronaldo, ist noch in Reichweite des Bayern-Torjägers.

          Thomas Müller, der mit seinem 112. Champions-League-Spiel zum deutschen Rekordhalter Philipp Lahm aufschloss und diesen voraussichtlich am Freitag überholen wird, vergab eine gute Chance zur Erhöhung der Führung, dann auch Gnabry. Als sie dann fast zwangsläufig doch fiel, hatte wieder Lewandowski seine Füße im Spiel, diesmal als Vorbereiter. Gegen die hypnotisiert wirkende Chelsea-Abwehr nahm er sich am Strafraumrand die Zeit, die Optionen zu studieren, und entschied sich in aller Ruhe für die beste, ein Zuspiel auf den ungedeckten Perisic. Der Kroate schob den Ball ins kurze Eck.

          Es überraschte nicht, dass die Bayern angesichts ihres kumulierten 5:0-Vorsprungs dann ein wenig Kräfte zu sparen versuchten. Tempo und Intensität ließen etwas nach, und beinahe hätte das schon der im Vorjahr von den Bayern umworbene Callum Hudson-Odoi mit einem schönen Treffer bestraft, der aber wegen einer Abseitsstellung in der Entstehung nach Veto des Videoassistenten annulliert wurde. Es war ein Fehler von Kapitän Manuel Neuer, der den Anschlusstreffer kurz vor der Pause dann doch ermöglichte. Der Torwart ließ eine flache Hereingabe von Emerson vor die Füße von Abraham prallen, der den Ball ins leere Tor schob.

          Den drohenden Ausgleich bei einem Chelsea-Konter verhinderte kurz nach der Pause der ins Team zurückgekehrte Thiago, eigentlich als Ballstreichler bekannt, mit einer krachenden Grätsche im eigenen Strafraum, was ihm ein lautstarkes Lob von Neuer einbrachte. Die Engländer wurden etwas mutiger – bis Lewandowski noch einmal Ernst machte. Seine präzise Flanke verwertete Tolisso zum dritten Treffer – den vierten übernahm der Torjäger mit einem präzisen Kopfball selbst.

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