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Bayern München : Die Kampfansage des Thomas Müller

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Thomas Müller (Zweiter von links) und die Bayern sind heiß auf das Duell mit dem FC Chelsea. Bild: dpa

Es ist schon fast acht Jahre her. Doch vor dem Achtelfinale der Champions League kommt die Erinnerung an das dramatische Finale gegen Chelsea wieder hoch. Ein Bayer möchte nicht mehr darüber sprechen, ein anderer ist umso motivierter.

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          Dahoam auf der Couch warteten die Bayern vergeblich auf ein Schwächezeichen der schärfsten Titelrivalen. RB Leipzig und Borussia Dortmund konterten am Samstag souverän die mühselige 3:2-Siegvorlage des Rekordmeisters gegen Schlusslicht SC Paderborn, der sich allein über die Gladbacher Punkteinbuße freuen konnte. Das enge Titelrennen in der Fußball-Bundesliga beherrschte aber am Wochenende ohnehin nicht die Gedankenwelt der Münchner: Alles drehte sich bereits um das brisante Wiedersehen mit dem FC Chelsea in der Champions League – acht Jahre nach dem so dramatisch verlorenen „Finale dahoam“. Die spezielle Vorgeschichte macht die Bayern heiß.

          Champions League

          „Darüber muss man auch nicht unbedingt sprechen“, stöhnte Kapitän Manuel Neuer, als er Nachfragen zu seinen Erinnerungen an den 19. Mai 2012 am Freitagabend beinahe gereizt zurückwies. Neuer, Boateng, Müller – dieses Trio erlebte das damalige Fußball-Drama inklusive Elfmeterschießen aktiv auf dem Platz mit. Auch der vor acht Jahren wegen einer Gelbsperre auf der Tribüne mitleidende David Alaba will am Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) an der Stamford Bridge seinen Teil bei der geplanten Abrechnung mit dem FC Chelsea beitragen.

          „Wir bereiten uns gut vor und attackieren dann dort. In London wollen wir den Grundstein legen fürs Weiterkommen“, lautete Müllers Kampfansage, die er auf die Insel übermittelte. Die Blues von Trainer Frank Lampard, der 2012 in der Allianz Arena Chelsea als Kapitän anführte, konterten mit einer überzeugenden Generalprobe im Londoner Premier-League-Stadtduell mit Tottenham Hotspur (2:1). Die Blues, die auch im Achtelfinal-Hinspiel ohne ihren verletzten Weltmeister-Strategen N’golo Kanté auskommen müssen, meldeten ihre Bereitschaft zum Kampf mit den favorisierten Bayern an.

          Diese schüttelten das Gewürge gegen Paderborn, das Erfolgsgarant Robert Lewandowski erst mit dem späten Siegtor in der 88. Minute zu einem glücklichen Ende führte, gleich nach dem Schlusspfiff ab. „Ich erwarte ein ganz anderes Spiel“, erklärte Nationaltorhüter Neuer – und das zurecht: Als Blaupause für Chelsea taugte das Paderborn-Spiel wahrlich nicht. Trainer Hansi Flick musste wegen der Gelbsperren von Boateng und Benjamin Pavard die Abwehr umbauen. Die Lösung versuchte er mit einer Systemumstellung, bei der Joshua Kimmich mit den beiden Linksfüßen Alaba und Lucas Hernández eine Dreierkette bildete.

          „Das war der personellen Situation geschuldet“, sagte der Coach, der eine Wiederholung dieser Versuchsanordnung gegen Chelsea ausschloss. Boateng und Pavard werden in London also wieder spielen, ebenso wie die gegen Paderborn zeitweise geschonten Müller und Kingsley Coman. Hinter dem Einsatz von Nationalspieler Leon Goretzka steht weiterhin ein Fragezeichen. Der Mittelfeldspieler hatte gegen Paderborn wegen muskulärer Probleme gefehlt. Am Wochenende absolvierte der 25-Jährige nur Lauftraining.

          „Schauen wir mal, ob er bis Dienstag fit wird“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic mit Blick auf das Achtelfinal-Hinspiel. Eine Entscheidung könnte nach dem Abschlusstraining am Montagvormittag fallen, das Trainer Flick mit seiner Mannschaft noch in München bestreitet. Erst nachmittags fliegt das Team nach London. Bei der nicht-öffentlichen Übungseinheit am Sonntag nahm dagegen Defensivakteur Javi Martínez erstmals nach seiner schweren Muskelverletzung im Oberschenkel wieder am Teamtraining teil. Der 31-Jährige konnte nach Mitteilung des Vereins die knapp einstündige Einheit komplett absolvieren.

          Flick lobte seine Stars für die Moral, mit der sie den 194. Sieg im 250. Ligaspiel in der heimischen Allianz Arena erzwungen hatten. „Es gehört auch dazu, sich als Team gemeinsam gegen das Unentschieden zu stemmen. Es war der absolute Wille da, das dritte Tor zu machen“, sagte der 54-Jährige. Verantwortlich für den Erfolg zeichneten in erster Linie zwei Einzelkönner, Robert Lewandowski und Serge Gnabry. Der 31 Jahre alte Torjäger erzielte seine Saisontore 24 und 25. Der 24-jährige Gnabry bejubelte in seinem 100. Bundesligaspiel seinen 41. Treffer, zudem bereitete der Nationalspieler beide Tore von Lewandowski vor. „Er macht sich langsam warm für die Champions League“, bemerkte Neuer.

          Die Mühsal gegen aufmüpfige Paderborner, die durch Dennis Srbeny, der Nationaltorhüter Neuer beim Treffer zum 1:1 außerhalb des Strafraums düpierte, und Sven Michel zweimal ausgleichen konnten, änderte nichts am kraftstrotzenden Selbstvertrauen der Bayern nach sechs Siegen und einem Unentschieden seit Jahresbeginn. Jedenfalls tönte Müller vor der Dienstreise nach London an diesem Montag: „Der Spirit ist da, wir sind in einer Erfolgsphase, wir haben seit Wochen nicht verloren. Wir wollen unsere Tugenden, die uns die letzten Wochen und Monate stark gemacht haben, auch gegen Chelsea in die Waagschale werfen.“

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