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Champions-League-Analyse : Ein fast perfektes Bayern-Spiel

Was war das? 63 Minuten haben Robben, Vidal und Müller alles im Griff in Turin. Bild: AFP

Die fehlende Größe in der Abwehr ist das kleinste Münchner Problem in einem mitreißenden Spiel. Lange geht Pep Guardiolas kluger Plan auf – doch ein Fehler verändert alles.

          Die Sorge beim FC Bayern vor dem Hinspiel im Achtelfinale der Champions League bei Juventus Turin war groß. Oder wörtlich genommen eher: klein. Ohne die verletzten Abwehrhünen Jerome Boateng, Javi Martinez und Holger Badstuber befürchtete mancher, dass für die Münchner eine Niederlage in der Luft liege in Italien. So kam es nicht. Nach dem 2:2 hat sich der deutsche Rekordmeister eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel am 16. März (20.45 Uhr / Live im ZDF, bei Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) geschaffen. In der Analyse des mitreißenden Spiels wird klar, dass die geringe Körpergröße der Abwehr letztlich das kleinste Problem der Bayern war.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Trainer Pep Guardiola hatte überraschend auf den robusten Xabi Alonso verzichtet. Vielmehr begann er mit der kleinen Viererkette Philipp Lahm (1,70 Meter), Joshua Kimmich (1,76), David Alaba (1,80) und Juan Bernat (1,72). Der neuverpflichtete Innenverteidiger Serdar Tasci (1,86) stand gar nicht im Kader, der wiedergenesene Medhi Benatia (1,89) saß auf der Bank. Im defensiven Mittelfeld bot der Coach Arturo Vidal (1,80) auf; der frühere Turiner ließ sich aber oft zwischen die Aushilfsinnenverteidiger fallen. Dafür schoben sich die Außen Lahm und Bernat sehr weit nach vorne ins Mittelfeld.

          Aufgrund der körperlichen Unterlegenheit in der Defensive lautete das bayrische Motto: Angriff und Ballbesitz sind die beste Verteidigung. Und die Münchner legten beherzt los. Juventus wurde weit in die eigene Hälfte gedrängt. Teilweise sah es nahezu hilflos aus, wie der Erste der italienischen Liga die eroberten Bälle offenbar planlos Richtung Mittellinie bolzte. Dort warten nur Bayern – teilweise gar der weit aufgerückte Torwart Manuel Neuer. Die Aufstellung aus den durchschnittlichen Positionen zeigt, wie extrem offensiv die Gäste aufgestellt waren: ihre eigene Hälfte war weitgehend No-Go-Area.

          Um die massive, zentrumsorientierte Abwehr der Turiner zu knacken, verlagerten die Münchner ihre Angriffe auf die Außenbahnen. Vor allem die rechte Seite machte einen starken Eindruck. Lahm zog Paul Pogba oft in die Mitte, so dass Arjen Robben viel Platz für Sololäufe und Eins-gegen Eins-Duelle hatte. Nicht verwunderlich, dass beide Münchner Tore dort eingeleitet wurden: Dem 0:1 durch Thomas Müller ging eine Flanke von rechts durch Robben voraus, bevor Douglas Costa ablegte (43. Minute). Das 0:2 erzielte Robben nach einem Konter selbst, als er, wie schon so oft gesehen, von rechts nach innen zog und mit links ins lange Eck traf (55.).

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          Die Bayern schienen alles im Griff zu haben – bis zur 63. Minute. Bis dahin hatten sie ein perfektes Spiel absolviert. Die Münchner hatten Ecken (insgesamt bekam Juventus drei) und Freistöße rund um den eigenen Strafraum weitgehend vermieden, um nicht in heikle Kopfballduelle gezwungen zu werden. Als Kritikpunkt fiel bis dahin alleine die Ungenauigkeit beim letzten Pass auf, die vor allem bei Müllers Großchance, als Robert Lewandowski den Ball in den Rücken spielte, ein Tor verhinderte (13.). Doch in der letzten halben Stunde veränderte sich die Statik völlig, das Spiel kippte plötzlich Richtung Bayern-Hälfte, wie die Analyse der Aktionszonen zeigt.

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          Ein kleiner Fehler von Joshua Kimmich, der einen Pass von Juventus abfing, aber nicht kontrollieren konnte, leitete die unerwartete Wende des bis dahin sehr einseitigen Spiels ein. Der frühere Münchner Mario Mandzukic schaltete fix, bediente Paulo Dybala, und der Argentinier ließ Neuer keine Chance (63.). Die Fans reagierten begeistert, die Trainer mit Wechseln. Turin brachte Stürmer Alvaro Morata, Guardiola Abwehrmann Benatia für Bernat.

          Die Bayern stellten zur Sicherung des Vorsprungs auf Fünferkette um, mit Vidal als zentralem freiem Mann, während Alaba nach links außen rückte. Doch ein Ballverlust von Lahm und ein verlorenes Duell von Kimmich in der Mitte gegen den ebenfalls eingewechselten Stefano Sturaro führten zum Ausgleich (76.).

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          Bei beiden Gegentoren war der Ball am Boden – an mangelnder Präsenz in der Luft lag es also definitiv nicht. Interessant ist allerdings ein anderer Fakt: Auch in Turin wurde deutlich, wann die Bayern in dieser Saison in der Champions League zu treffen sind. Alle fünf Gegentore in nun sieben Spielen fielen nach der 63. Minute.

          Trotz der direkten Beteiligung an beiden Gegentoren machte Aushilfsverteidiger Kimmich mit gerade 20 Jahren eine starke Partie. Trotz aller Befürchtungen gewann er sogar die Mehrzahl seiner Zweikämpfe in der Luft. Erstaunlich ist auch die Statistik von Sami Khedira: Der deutsche Nationalspieler von Juventus bestritt in 68 Minuten Spielzeit nicht einen Zweikampf – hatte in der gegnerischen Hälfte aber eine Passquote von hundert Prozent.

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          Philipp Lahm mag nicht hinsehen: Stefano Sturaro bejubelt den Ausgleich für Juventus Bilderstrecke
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