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Bayern besiegt Beşiktaş : „Das ist alles Schwachsinn“

Thomas Müller steuerte zwei Treffer zum 5:0-Sieg über Besiktas bei. Bild: AFP

Ein Platzverweis verhilft dem FC Bayern zum deutlichen Sieg im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League. Thomas Müller glänzt nicht nur mit zwei Toren. Doch ein Bayern-Spieler sorgt für Misstöne.

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          Nein, alles wollte an diesem Abend beim FC Bayern nicht gelingen. Als Thomas Müller im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League Maß nahm, um in der 28. Minute volley in Richtung des Tores von Beşiktaş Istanbul zu schießen, rutsche ihm das Spielgerät vom Fuß. Mitspieler James Rodríguez sah das Unheil kaum kommen, da traf ihn der Ball schon mit voller Wucht am Kopf. Der Kolumbianer wankte, hielt sich das Ohr, fiel aber nicht. Dass er schon kurz vor der Halbzeit ausgewechselt werden musste, lag auch nicht an Müllers Querschläger, sondern an Problemen an der Wade. „Ich denke, die Verletzung ist nicht so schlimm“, sagte Trainer Jupp Heynckes später.

          Champions League
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Es war das auffälligste Münchner Missgeschick beim 5:0-Sieg über den türkischen Meister. Das Duell ums Weiterkommen ins Viertelfinale ist schon nach der ersten Partie so gut wie entschieden. Der frühe Platzverweis wegen einer Notbremse für Domagoj Vida (16. Minute), der Robert Lewandowski als letzter Abwehrspieler mit einer Grätsche stoppte, spielte den Bayern in die Karten. Müller (43./66.) und Lewandowski (79./88.) trafen doppelt, auch der starke Kingsley Coman war erfolgreich (52.). „In der ersten Halbzeit haben wir uns sehr schwer getan“, sagte Heynckes beim TV-Sender Sky. „Der Platzverweis war der Schlüssel zum Erfolg. Danach war es viel besser und wir haben die Tore gemacht.“

          Wenn Müller trifft, dann ist Bayern nicht zu schlagen

          Das erste steuerte Müller bei und löste die Fesseln, die die Bayern-Spieler hemmten. „Wir waren komischerweise nervös“, sagte Heynckes. „So kenne ich meine Mannschaft gar nicht.“ Müller, der die Münchner als Kapitän anführte, spitzelte eine Hereingabe von Coman, die David Alaba weiterleitete, aus der Drehung aus kurzer Distanz ins Tor. Auch beim zweiten Treffer, nach einer Flanke von Joshua Kimmich, vollendete er mit einem technisch sehenswerten Schuss im Fünfmeterraum. „Der Platzverweis hat uns super in die Karten gespielt. Meine Tore waren richtige Torjäger-Tore“, sagte Müller. Seit Heynckes im Oktober zurückkehrte, geht es bei ihm wieder bergauf. Und zwei Statistiken zeigen, wie wertvoll er ist: Wenn Müller traf, ist der FC Bayern seit 61 Spielen ohne Niederlage. Gegen Beşiktaş erzielte er seine Tore 20 und 21 in K.o.-Spielen in der Champions League.

          Der deutsche Nationalspieler hat derzeit in den wichtigen Spielen seinen Stammplatz in der ersten Elf des deutschen Meisters sicher. Das war nicht immer so. Dort, wo Müller in der vergangenen Saison oft saß, wenn es in der Champions League ernst wurde, mussten diesmal unter anderem Franck Ribéry und Arjen Robben Platz nehmen. Heynckes setzte auf Coman, Müller und James hinter Lewandowski. Andere erwischte es noch schlimmer. Weil alle Münchner Feldspieler zur Verfügung standen (nur Torwart Manuel Neuer fällt weiter verletzt aus), im Kader aber nur 18 Plätze zu vergeben sind, saßen Thiago, Sebastian Rudy oder Juan Bernat gar nur auf der Tribüne.

          Der Platzverweis gegen Vida spielte den Münchnern in die Karten.
          Der Platzverweis gegen Vida spielte den Münchnern in die Karten. : Bild: Reuters

          Ribéry kam in der Schlussphase, Robben profitierte von den gesundheitlichen Problemen bei James. Beim TV-Sender Sky machte der Niederländer später deutlich, wie angefressen ihn der Platz auf der Bank zu Beginn machte. „Wenn ich jetzt meine Emotionen ausspreche, muss ich morgen zu Brazzo (Sportdirektor Hasan Salihamidzic, Anmerkung der Redaktion) oder Herrn Rummenigge. Mehr sage ich nicht“, sagte Robben. Es brodelte in ihm, schließlich seien das „die Spiele, für die man trainiert“. Es wird in den kommenden Wochen auch darauf ankommen, wie der Trainer es schafft, keinen Frust bei seinen Stars aufkommen zu lassen. Aber wer, wenn nicht Heynckes, sollte diese knifflige Aufgabe meistern?

          Denn die Münchner haben große Ziele. Die deutsche Meisterschaft sollte bei 19 Punkten Vorsprung auf den Zweiten Borussia Dortmund sicher sein. Im DFB-Pokal geht es im April im Halbfinale zu Bayer Leverkusen. Und im Rückspiel in Istanbul im Achtelfinale der Champions League sollte nach dem 5:0 über Beşiktaş am 14. März nichts mehr schiefgehen, trotz der vielfach beschriebenen Atmosphäre im lauten Stadion der Türken. Steht am Ende der Saison wieder das Triple, wie bei Heynckes‘ Abschied im Sommer 2013? „Das ist alles Schwachsinn“, sagte Präsident Uli Hoeneß sichtlich erbost, als er auf die Möglichkeit der drei Titel bei Sky angesprochen wurde.

          Dabei sind Zahlen der Bayern imposant. Das 5:0 reihte sich ein in die acht Partien des Jahres 2018, in denen die Münchner mindestens zwei Treffer erzielten. Zudem gelang der 14. Sieg in Serie. Damit wurde der Vereinsrekord von 1980 eingestellt. Alles gut also? Das klare Ergebnis soll die Bayern nicht täuschen. Beşiktaş hatte selbst in Unterzahl eine große Chance durch Vagner Love (19.). Zudem werden die Titel erst im Mai vergeben. Der Frust von Robben ließ sich diesmal noch als Fußnote abtun, aber wie sieht es aus, wenn er auch in einem Halbfinale zusehen muss? Was passiert, wenn in der entscheidenden Phase doch mehrere Spieler verletzt fehlen? Nur einer blieb ganz entspannt trotz der deutlichen Aussage von Hoeneß. „Triple? Warum nicht?“, sagte Thomas Müller und grinste.

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