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Champions League : Ein Lichtlein am Dortmunder Horizont

Ein Hoch auf uns: Dortmund bejubelt den zweiten Sieg in der Champions League Bild: AP

Trotz der Probleme in der Bundesliga gelingt Dortmund beim 3:0 in Anderlecht der zweite Sieg im zweiten Spiel in der Champions League. Zwei Personalien hellen die Mienen bei der Borussia weiter auf.

          3 Min.

          Was Verletzungen betrifft, hat Borussia Dortmund in dieser Saison ja schon so einiges durchgemacht. Und genau deshalb verkniff sich Jürgen Klopp nach dem 3:0-Sieg im zweiten Champions-League-Spiel beim RSC Anderlecht auch ein Sonderlob für seinen 34 Jahre alten Routinier Sebastian Kehl.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Das wäre zwar durchaus angebracht gewesen, aber Kehl hatte während der Partie einen ziemlich heftigen Schlag auf den Fuß bekommen. „Ich bin zwar nicht der aller Abergläubigste, aber über ihn spreche ich erst, wenn ich weiß, was mit seinem Fuß ist“, sagte der BVB-Trainer, „denn ansonsten werde ich so tun, als sei er total unwichtig.“

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          Das ist Kehl natürlich nicht, auch wenn nach all den Verstärkungen vor dieser Saison fraglich schien, wo überhaupt noch ein Platz im Team für den ehemaligen Kapitän sein könnte. Doch wie nötig ihn die Borussia mitunter immer noch hat, wurde beim Auftritt in Brüssel deutlich. Kehl, der zuletzt beim Revierderby in Gelsenkirchen schmerzlich vermisst worden war, gab der Mannschaft wieder jenen Halt, den sie nach den vielen verletzungsbedingten Ausfällen zuletzt verloren hatte.

          Für diese Stabilität war allerdings auch ein Start hilfreich, der besser nicht hätte ausfallen können. Schon nach drei Minuten war die Spielkunst von Shinji Kagawa mehr als nur aufgeblitzt, als der Japaner mit einen Lupfer den diesmal als alleinige Sturmspitze agierenden Italiener Ciro Immobile im Strafraum völlig frei spielte. Der Torschützenkönig der vergangenen Saison in der Serie A ließ sich diese Chance nicht entgehen und sorgte für die schnelle Führung.

          Dass Immobile die Verstärkung ist, die sich die BVB-Fans von der Verpflichtung des Italieners versprochen hatten, konnte er allerdings in der Folge nicht nachweisen. Ähnlich wie vor fünf Jahren bei der Verpflichtung von Lucas Barrios ist ihm der Ruf des torgefährlichen Stürmers vorausgeeilt, aber momentan kann er dies auf dem Platz noch nicht mit Leistungen untermauern, auch wenn er in der Champions League im zweiten Spiel für den BVB zum zweiten Mal traf.

          Immobiles Spiel leidet darunter, dass die Dortmunder Kreativität derzeit noch stark eingeschränkt ist, er aber am besten trotzdem auf Anhieb funktionieren müsste. Das gelingt trotz offenbar bester Vorsätze noch nicht, und je mehr er versucht, das Glück zu erzwingen, je mehr misslingt ihm. Nach seinem Tor rannte er zwar viel, gewann aber kaum einen Zweikampf.

          Das nährt die Zweifel der Fans, ob der Italiener die Investition von 18,5 Millionen Euro wert war. Der Blick zurück könnte helfen, Immobile nicht allzu früh abzuschreiben. Auch Barrios tat sich damals zunächst schwer und wurde dann zum erhofften Torjäger, und Ilkay Gündogan galt bei vielen schon als Fehleinkauf, ehe er nach einem halben Jahr Anlaufzeit doch noch mehr und mehr in die Rolle des großen Strategen schlüpfte.

          Die könnte er bald schon wieder einnehmen, denn nach all den schlechten Nachrichten der vergangenen Wochen sieht der BVB nicht nur wegen des perfekten Starts in die Champions League wieder ein Lichtlein am Horizont. Gündogan könnte nach der Länderspielpause im übernächsten Bundesligaspiel beim 1. FC Köln (18. Oktober / 15.30 Uhr / Live im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) erstmals wieder im Kader stehen – er hätte dann wegen seiner Nervenwurzelentzündung 430 Tage gefehlt. Und auch ein anderer schmerzlich vermisster kreative Geist könnte dann möglicherweise wieder mit von der Partie sein: Marco Reus hat nach seiner Knöchelverletzung aus dem EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland wieder mit dem Lauftraining begonnen.

          Diese beiden Personalien hellen die Mienen in Dortmund mindestens so auf wie der 3:0-Sieg über Anderlecht, mit dem die Borussia ihrem ersten Ziel, die Gruppenphase in der Königsklasse zu überstehen, schon am zweiten Spieltag ein großes Stück näher gekommen ist – der BVB liegt bereits fünf Punkte vor Galatasaray Istanbul und Anderlecht.

          Der Sieg in Brüssel war trotz des deutlichen Ergebnisses allerdings ein hartes Stück Arbeit, dass sich die Dortmunder gegen die keineswegs überzeugenden Belgier jedoch selbst zuzuschreiben hatten. Aubameyang hätte nach zehn Minuten früh für eindeutige Verhältnisse sorgen können, aber der Gabuner vergab nach einer prächtigen Kombination völlig freistehend vor dem sperrangelweit offen stehenden Tor.

          Allzu sehr gefährden konnte der RSC die zuletzt nicht allzu sicher wirkende BVB-Abwehr allerdings nicht, die aber in zwei Situationen das Glück hatte, das ihr in der Bundesliga zuletzt gefehlt, als so gut wie jeder Fehler prompt zu Gegentoren geführt hatte. Kehls unglückliche Abwehraktion in der ersten Halbzeit, die zur Steilvorlage für Dennis Praet (16.) geworden war, endete so beim reaktionsschnellen Weidenfeller und nicht im Netz.

          Im zweiten Fall war der Dortmunder Torwart machtlos, aber der Schuss von Mitrovic (74.) landete am Pfosten. Es wäre der Anschlusstreffer gewesen, der nach dem 2:0 (69.) des gerade eingewechselten Ramos die angespannten Nerven der Dortmunder in der Schlussviertelstunde noch einmal hätte strapazieren können. So aber wurde es ein rundherum gelungener Abend, bei dem Klopp seine Nationalspieler Hummels und Durm zunächst schonen konnte, und zu dem Ramos schließlich noch seinen zweiten Treffer (79.) zum 3:0 beisteuerte. „Jetzt wird es Zeit, dass wir auch in der Bundesliga wieder besser spielen“, sagte Kehl. Und wenn er dabei helfen könnte, würde er von seinem Trainer auch etwas über seinen großen Anteil am Erfolg gegen Anderlecht hören.

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