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Champions League : Die Meisterleistung des Thomas Tuchel

So hatte sich Thomas Tuchel das vorgestellt: Paris gewinnt in Manchester mit 2:0. Bild: dpa

Paris St. Germain gewinnt in der Champions League bei Manchester United auch ohne die großen Stars Neymar und Cavani. Dabei beeindrucken gleich drei Deutsche – und „Plan D“.

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          Alles klappte dann doch nicht an diesem Abend bei Paris St. Germain. In der Schlussphase wollte Thomas Tuchel noch Eric Maxim Choupo-Moting einwechseln. Doch es gab keine Unterbrechung mehr, um den früheren Bundesligaspieler in die Partie zu bringen. So verstrichen die letzten Sekunden im Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League ohne den Einsatz des in Hamburg geborenen Kameruners. Doch in den gut 90 Minuten zuvor war bei Paris jede Menge gut gelaufen. Nach dem 2:0-Sieg beim englischen Rekordmeister sind die Franzosen schon so gut wie im Viertelfinale. Und die Partie war eine Meisterleistung ihres deutschen Trainers.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Denn die Ausgangslage war alles andere als einfach für Tuchel. Die Erwartungen sind riesig in Paris. Der Meistertitel, der durch deutlichen Vorsprung in der heimischen Liga nur noch Formsache ist, wird als Selbstverständlichkeit angesehen. Die Geldgeber aus Qatar erwarten vielmehr internationalen Ruhm. Und den gibt es alleine in der Champions League. Nicht weniger als der Titel soll es sein, dafür scheuen Millionäre vom Persischen Golf keine Kosten. Doch was helfen all die Millionen, wenn die Stars, in die sie investiert werden, in den entscheidenden Spielen fehlen?

          Tuchel musste nicht nur auf Neymar verzichten. Der brasilianische Überflieger hat sich abermals am Mittelfuß verletzt und fehlt noch einige Wochen. Zu allem Überfluss zog sich auch Stürmerstar Edinson Cavani am Wochenende bei einem Elfmeter eine Blessur an der Hüfte zu. Auch der Belgier Thomas Meunier verletzte sich beim Ligasieg über Bordeaux und fiel in Manchester aus. Jede Menge schlechte Nachrichten also für Tuchel. Plan A war schon mit Neymars Verletzung passé. Nun kamen auch Plan B und C nicht mehr in Betracht. „Dann eben Plan D“, sagte Tuchel, ohne Details zu verraten.

          Das Ergebnis jedenfalls war sehenswert. Alleine in der Anfangsphase beeindruckte Manchester unter Interimstrainer Ole Gunnar Solskjaer, der zuvor noch keine Niederlage einstecken musste, mit hohem Tempo. Danach aber ging Tuchels Matchplan auf. Der Lohn waren die Tore von Presnel Kimpembe (53. Minute) und Kylian Mbappé (60.). Dass dieses United im Rückspiel am 6. März im Pariser Prinzenpark noch einmal zurückkommt, ist äußerst unwahrscheinlich, zumal ihr Anführer fehlt. Der frustrierte französische Weltmeister Paul Pogba sah nach einem Revanchefoul an Dani Alves die Gelb-Rote Karte (89.).

          Tuchel hatte ohne Neymar und Cavani in der Spitze auf Mbappé gesetzt. Ihm assistierte eben jener „Plan D“ – D wie Draxler und di Maria. Der deutsche Nationalspieler zeigte als Spielmacher eine starke Partie. Die Technik und Ballsicherheit, aber auch seine Arbeit in der Defensive erwiesen sich als wertvoll. Di Maria, einst bei United und von den Fans im Old Trafford ausgebuht, bereitete beide Tore vor. Erst bediente er Kimpembe mit einer Ecke, dann bekam Mbappé einen so präzisen Pass, dass er nur noch einschieben musste. Da konnte di Maria verschmerzen, dass er von Ashley Young robust über die Seitenlinie in den Graben neben dem Spielfeld in den Metallzaun gestoßen und später mit einer Bierflasche beworfen wurde.

          Die Kür zeigte die Offensive, die Basis für den Erfolg in Manchester lieferte aber Tuchels Defensive, die die unter Solskjaer wieder wuchtig und flink auftretenden „Red Devils“, so in Schach hielt, dass der 41 Jahre alte Torwart-Oldie Gianluigi Buffon einen Abend in Altersteilzeit verbringen konnte; er musste nur zwei Mal eingreifen in der Anfangsphase. Da turnte Tuchel noch wie wild durch die Coachingzone an der Seitenlinie. Denn sein Herzstück im defensiven Mittelfeld ließ noch zu viel zu und vermochte nicht durch Ballsicherheit für Beruhigung zu sorgen.

          Immer wieder gestikulierte Tuchel mit vollem Körpereinsatz, dass die Seinen keine riskanten Pässe spielen, sondern das Spielgerät in den eigenen Reihen zirkulieren lassen sollten. Als sie auf ihren Trainer hörten, übernahmen die Franzosen die Kontrolle. Besonders Marquinhos und Marco Verratti beherrschten das Spiel im Mittelfeld und waren der Schlüssel zum Sieg. United versuchte letztlich vergeblich, nicht nur bei Youngs heftigem Einsatz gegen di Maria, Härte dagegen zu setzen. Insgesamt gab es neun Gelbe Karten für beide Teams, dazu kam der Platzverweis von Pogba.

          Nachdem Paris nun auch im 23. Champions-League-Spiel in Serie traf und nach einem Auswärtssieg in einer K.o.-Runde in der Königsklasse bislang immer eine Runde weiterkam, sind die Aussichten für Tuchel und Co. blendend. „Wir haben als Team gespielt, das war der Schlüssel zum Sieg. Wir haben sehr gut verteidigt“, sagte Tuchel. Und der deutsche Nationalspieler Thilo Kehrer, der wie der frühere Münchner Juan Bernat auf den Positionen des Außenverteidigers ein gutes Spiel machte, sagte bei Sky: „Wenn die Spieler, die jetzt noch verletzt sind, zurückkommen, ist vieles möglich.“ Dann kann Tuchel möglicherweise auch wieder zu Plan A greifen. Und der sollte nicht viel schlechter sein als Plan D, der am Dienstagabend in Manchester vollends aufging.

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