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Aus in der Champions League : Das ewige Drama des Gianluigi Buffon

Ein teurer Fehler: Gianluigi Buffon kann den Ball nicht festhalten. Bild: AFP

Seit 1997 spielt er in der Champions League. Drei Endspiele verlor er. Auch mit 41 Jahren hat Gianluigi Buffon den Traum vom Titel in der Königsklasse nicht aufgegeben. Doch wieder scheitert er tragisch.

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          Immerhin gab es diesmal keine Tränen. Zumindest nicht vor laufender Kamera. Als im November 2017 Italien in den Playoffs die Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 verpasste, konnte Gianluigi Buffon seine Emotionen nicht mehr zurückhalten. Das Aus nach dem 0:0 gegen Schweden war ein Tiefpunkt für den italienischen Fußball – und für Buffon. So sehr hatte er von einer fünften WM-Teilnahme geträumt. Und nun lag alles in Trümmern. Eine weitere Chance wird es nicht geben. Im vergangenen Jahr trat er endgültig aus der Nationalmannschaft zurück.

          Champions League
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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Dass die WM in Qatar 2022 kurz vor Buffons 45. Geburtstag ausgespielt wird, wäre an sich noch kein Ausschlusskriterium. Denn der Torwart fliegt weiter auf hohem Niveau über den Rasen. Dabei jagt er, wenn schon nicht der WM-Teilnahme, vor allem einem Traum hinterher: dem Champions-League-Titel. In drei Endspielen stand er, drei Mal gingen sie verloren: 2003 unterlag er im italienischen Finale mit Juventus Turin dem AC Mailand, 2015 war der FC Barcelona zu stark, 2017 Real Madrid. Da sind auch neun italienische Meistertitel und vier nationale Pokalerfolge nur ein schwacher Trost.

          Sicher, Buffon ist 2006 in Berlin Weltmeister geworden, mit der Nationalmannschaft hat er also den größten aller Titel im Fußball gewonnen. Auch sonst würde niemand ernsthaft behaupten, er sei nicht erfolgreich gewesen. Aber Buffon sagt selbst, dass er diesen silbernen Henkelpott, den der Sieger der Champions League bekommt, so unbedingt begehrt, dass er einfach nicht aufhören will. Nach drei verlorenen Finals mit Juve wechselte er im vergangenen Sommer zu Paris St. Germain. Nicht nur, weil die Stadt so schön ist, sondern weil er dort Chancen sah zur Erfüllung seines Traums.

          Seit Mittwochabend ist klar: Auch in diesem Jahr wird Buffon die Trophäe der Königsklasse nicht gewinnen. Das Fußball-Drama für PSG war auch die Fortsetzung des ewigen von Buffon. Nach dem 2:0-Sieg im Hinspiel im Achtelfinale bei Manchester United sahen die Franzosen bereits wie der Sieger im Duell aus. Was sollte da schon schief gehen? Eine ganze Menge – und Buffon stand nicht zuletzt im Mittelpunkt. Beim 0:1 durch Romelu Lukaku schoss der deutsche Nationalspieler Thilo Kehrer mit einem grotesken Fehlpass noch den größten Bock. Buffon kam aus seinem Tor, legte sich quer, kam aber, wohl auch aus Angst vor einem Elfmeter und einer Roten Karte, nicht an den Ball.

          Nach dem Ausgleich durch den früheren Münchner Juan Bernat sah es aus, als sei Paris auf Kurs – bis Buffon böse patzte. Einen Fernschuss als Aufsetzer von Marcus Rashford konnte der Italiener nicht festhalten. Der Ball prallte nach vorne in den Fünfmeterraum, wo Lukaku nur darauf gelauert hatte, den Abstauber einzuschießen. Und so saß Buffon danach konsterniert auf dem Rasen. Einem Mann in seinem Alter, mit dieser Erfahrung, braucht niemand zu sagen, dass das sein Fehler war. Doch noch war der Vorsprung von Paris nicht aufgebraucht, noch waren sie auf Kurs Viertelfinale.

          Der Videobeweis aber machte in der Nachspielzeit die Hoffnungen der Franzosen zunichte. Ein verzweifelter Fernschuss von Diogo Dalot wurde vom französischen Weltmeister Presnel Kimpembe mit dem Unterarm abgefälscht. Schiedsrichter Damir Skomina sah das zunächst nicht, doch der Video-Assistent lieferte einen entsprechenden Hinweis. Rashford verwandelte den Strafstoß. Buffon hatte gegen den hoch und plaziert geschossenen Elfmeter keine Chance. 1:3 – und Paris war auf den letzten Metern mal wieder gescheitert. Und mit den Kollegen auch Oldie Buffon, der 1997 sein erstes Spiel in der Champions League machte. Da war Kylian Mbappé nicht mal geboren.

          Das tragische Scheitern aufgrund einer umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidung setzt die Serie fort für Buffon. Den Beginn der Saison in der Königsklasse im Team von Thomas Tuchel verpasste er noch aufgrund einer Sperre. Die hatte er sich beim Aus mit Juventus Turin im Frühjahr 2018 eingehandelt. Mit den Italienern stand Buffon bei Real Madrid dicht vor einer Sensation im Rückspiel. Dann aber pfiff Schiedsrichter Michael Oliver einen zweifelhaften Elfmeter. Buffon schimpfte und sah die Rote Karte. Später monierte er, dass der Unparteiische bei solch einer Entscheidung „einen Mülleimer statt eines Herzens“ habe. Es half nicht. Juventus schied aus, Buffons Traum blieb ein Traum.

          Es bleibt spannend, wie die Geschichte des Gianluigi Buffon in der Champions League weitergeht. In Paris hatte er zunächst einen Vertrag nur für diese Saison unterschrieben – allerdings mit der Option auf ein weiteres Jahr. An der Leistungsfähigkeit mangelt es dem 41 Jahre alten Torwart nicht, mit Alphonse Aréola wechselte er sich im Kasten ab. Tuchel schätzt Buffon, auch wegen seiner Aura in der Kabine als Ratgeber für die anderen Spieler. Es wäre also kein Wunder, wenn er einen neuen Anlauf nimmt, seinen Traum zu erfüllen. Ein Wunder wäre es wohl eher, wenn er ihn sich tatsächlich noch erfüllt. Dann darf es auch wieder ein paar Tränen geben. Vor laufender Kamera.

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