https://www.faz.net/-gtm-a25yo

Champions-League-Finalturnier : Die Not macht attraktiv

Im Estadio Da Luz in Lissabon wird der Titel der Champions League in diesem Jahr vergeben. Bild: dpa

Mickrige drei deutsche Titel gab es in 27 Jahren Champions League. Nun wird der Pokal wegen Corona erstmals bei einem Turnier vergeben. Der Alles-oder-nichts-Modus muss für Bayern und Leipzig nicht von Nachteil sein.

          2 Min.

          Die Champions League ist seit ihrer Neuerfindung vor bald dreißig Jahren alles andere als eine deutsche Erfolgsgeschichte. Nur für einen kurzen Moment war das einmal anders. Im Jahr 2013, als mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund zwei Bundesligaklubs im Finale standen, ein einsamer Höhepunkt für den Klubfußball made in Germany. Ansonsten sprechen die Fakten im Land des viermaligen Weltmeisters eine andere Sprache – und sie sprechen gegen die internationale Leistungsfähigkeit seiner Liga: In 27 Jahren sind bisher nur mickrige drei Titel für deutsche Klubs in der Champions League herausgesprungen, zwei für die Bayern, einer für die Borussia.

          Champions League

          Die spanische Primera Division spielt in dieser Wertung mit 11 Triumphen in einer ganz anderen Liga. Dahinter folgen die ebenfalls weit erfolgreichere englische Premier League (7) und die italienische Serie A (5). In der Königsklasse ist die Bundesliga kaum mehr als ein Habenichts. Der Einzug des FC Bayern in Corona-Zeiten mit einem Anlauf von 165 Tagen zwischen Hin- und Rückspiel ins Viertelfinale, als zweiter deutscher Klub nach RB Leipzig, ist daher schon ein Erfolg für die Liga.

          Auch wenn die Münchner sich nach einem 7:1-Erfolg gegen Chelsea in diesen zwei Spielen, die nicht weniger als eine Zeitenwende trennt, so stark wie lange nicht fühlen: als Favorit kann sich ein deutsches Team in dieser Phase des Wettbewerbs eigentlich nie sehen. Viertel- und Halbfinals sind so etwas wie die gläserne Decke, an der sich die Bundesliga regelmäßig stößt.

          Auch die Spanier haben es neben der Bundesliga und der französischen Ligue 1 in dieser Ausnahmespielzeit geschafft, mit zwei Teams unter den besten acht in Europa vertreten zu sein, bevor es nun im Viertelfinale zu zwei deutsch-spanischen Duellen unter besonderen Umständen kommt: Zum Topduell zwischen Bayern und Barcelona sowie dem Duell der Königsklassen-Außenseiter RB Leipzig und Atletico Madrid.

          Der von der Pandemie erzwungene Modus, die Viertel- und Halbfinals erstmals in einem einzigen Spiel zu entscheiden, macht die Champions League für die Fans, auch wenn sie nicht in den Stadien sein können, zu einem Gewinn. Die Spannung steigt unweigerlich, wie bei einer Welt- oder Europameisterschaft, wenn es in einem einzigen K.-o.-Spiel schon auf dem Weg ins Endspiel um alles geht. Die Not macht attraktiv. Und für einen Außenseiter wie Leipzig, der zum ersten Mal in seiner blutjungen Klubgeschichte im Viertelfinale steht, dürfte der neue und schnelle Weg gegen erfahrene und individuell besser besetzte Teams nur von Vorteil sein.

          In einem Spiel ist es auch Leipzig immer möglich, den Turbo einzuschalten. Zumal die Corona-Saison ihnen mit dem an Chelsea verkauften Timo Werner schon vor dem Höhepunkt einer verlängerten Saison den wichtigsten Spieler genommen hat. Eine Schwächung, für die es im Fußballgeschäft bisher kein Vorbild gibt.

          Auch für die Bayern dürfte der Alles-oder-nichts-Modus von Lissabon nicht von Nachteil sein. Der Spielplan hält beim Einzug in die nächste Runde nach dem FC Barcelona womöglich mit Manchester City gleich das nächste europäische Topteam bereit – und es sind nicht zuletzt Konzentrationsfähigkeit und Nervenstärke, die der FC Bayern unter Trainer Flick nun schon seit Monaten auf beeindruckende Weise bei entscheidenden Spielen an den Tag legt. Eine Qualität, die Champions ausmacht.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Foto Alexej Nawalnyjs mit seiner Frau Julia, das der russische Oppositionspolitiker am 25. September auf Instagram postete.

          Fall Nawalnyj : Der Kreml verstrickt sich in Widersprüche

          Die russische Regierung macht unterschiedliche Angaben zum Fall Nawalnyj. Dabei hat Präsident Wladimir Putin die Vergiftung mit Nowitschok nun bestätigt – indirekt.

          Klimastreik in Frankfurt : „Die Normalität ist pervers“

          Fridays for Future will sich breiter aufstellen: Mit anderen Gruppen demonstrieren die Klimaschützer nun als „intersektionales Bündnis“ gegen Kapitalismus, Kolonialismus, Rassismus und Sexismus.
          Luis Suárez feiert 2019 sein Tor beim Spiel Barcelona gegen Dortmund.

          Sprachtests für Fußballer : Italienisches Eigentor

          Muss ein Fußballspieler Verben konjugieren können? Der Skandal um den uruguayischen Stürmer Luis Suárez zeigt: in Italien unter Umständen schon.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.