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Pleite in Champions League : Enttäuschende Vorstellung des BVB

  • -Aktualisiert am

Das war nichts: Axel Witsel (Zweiter von links) und Borussia Dortmund verlieren in Mailand. Bild: EPA

Beim 0:2 gegen Inter Mailand bleiben die Dortmunder vieles schuldig: Es fehlt weiter an Tempo und Überraschungsmomenten. Besonders eine Situation dürfte die Borussia deshalb besonders ärgern.

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          Auf dem Weg ins zumindest angestrebte Achtelfinale der Champions League hätte Borussia Dortmund am Mittwochabend in Mailand einen großen Schritt nach vorn machen können. Doch der BVB scheiterte in einem unterdurchschnittlichen Spiel an Inter Mailand, das durch den Treffer von Martinez (22. Minute) in Führung ging. Der Torschütze hätte kurz vor Schluss bei einem Foulelfmeter auf 2:0 erhöhen können, scheiterte aber an Torhüter Bürki. Das 2:0 für Inter folgte dann doch noch durch den von Candreva abgeschlossenen Konter (89.). Der Bundesliga-Vierte enttäuschte wieder einmal und rutschte in der Tabelle der Gruppe F auf Platz drei ab. In zwei Wochen beim Rückspiel gegen Inter ist ein deutlicher Sieg Pflicht, soll die Champions-League-Tour im Frühjahr weitergehen.

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          „Einige Punkte haben gefehlt. Es war trotzdem nicht so, dass wir mit 0:2 hätten verlieren müssen. Wir waren am Ende nicht torgefährlich genug, haben es zu einfach gemacht“, sagte Sebastian Kehl, Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung. „Beim Tor pennen wir ein bisschen. Ansonsten haben wir wenig zugelassen. Wir waren heute sicherlich nicht zwei Tore schlechter und das macht mich zuversichtlich für das Rückspiel.“ Trainer Lucien Favre meinte nach dem Schlusspfiff: „Wir haben gut gespielt. Man kann nicht erwarten, gegen eine solche Mannschaft zehn Torchancen zu bekommen.“

          Ohne den erkrankten Kapitän Marco Reus und ohne den verletzten besten Angreifer, Paco Alcácer, dafür mit dem von einer Kapselzerrung im linken Knie nicht weiter behinderten Torhüter Bürki sowie dem nach einer Spielsperre plus hoher Geldbuße wegen zu späten Zurückkommens von einer Nationalmannschaftsreise in die Startelf berufenen Engländer Jadon Sancho ging die Borussia das Duell mit dem Zweiten der Serie A an. Es war der zweite Härtetest in den Wochen schwerer Prüfungen nach dem 1:0-Erfolg über Bundesliga-Tabellenführer Borussia Mönchengladbach und vor dem Revierderby beim FC Schalke 04 am Samstag.

          Gefragt war eine Bestätigung des zarten Aufwärtstrends nach drei unbefriedigenden 2:2-Spielen in Frankfurt, gegen Bremen und in Freiburg. Andernfalls würden aufs Neue die Diskussionen um den introvertierten Trainer Favre aufflammen. Zumal da am Mittwoch der Name José Mourinho als ein denkbarer Nachfolger des leisen Schweizers die Runde machte, jenes portugiesischen Startrainers, der schon länger einen engen Draht zum mächtigen Dortmunder Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke unterhält.

          Für Mannschaft und Spieler aber ging es am Mittwoch allein um den handfesten Nachweis, unter starkem Druck wunschgemäß liefern zu können. „Wir wissen, dass die beiden Spiele gegen Inter enorm wichtig sind“, hatte BVB-Sportdirektor Michael Zorc vor dem ersten dieser Duelle gesagt, „da geht es um die Entscheidung, wer weiterkommt.“ Davon aber war in den ersten 45 Minuten nichts zu spüren, soweit es die Dortmunder anging. Die Borussia, von Favre ausnahmsweise auf eine 3-4-3-Grundformation umgestellt, verbreitete mit dem Bübchenfußball ihrer drei angeblichen Stürmer Sancho, Brandt und Hazard von einer Ausnahme abgesehen keinerlei Gefahr.

          Versuchte alles gegen Inter, am Ende jedoch erfolglos: BVB-Profi Jadon Sancho (rechts)

          Sancho vergab jedoch spät in der ersten Halbzeit die erste wirklich gute BVB-Chance. Der junge Engländer scheiterte denkbar knapp an Inter-Keeper Handanovic (45.+1). Der Ausgleich hätte womöglich eine ganz andere zweite Hälfte bedeutet, weshalb sich die Dortmunder über diese Situation wohl besonders ärgern dürften. Aber auch die Spieler von Inter gerierten sich wie ihre deutschen Gegner als Kontrollfreaks ohne Interesse an stürmischen Momenten.

          Einmal jedoch brandete Jubel durch das Giuseppe-Meazza-Stadion, als Innenverteidiger de Vrij den argentinischen Angreifer Martinez mit einem langen Ball in einem Moment der Unbewachtheit erreichte, der die Kugel von der Brust abtropfen ließ und Bürki durch die Beine schob. Der Treffer zum 1:0 hätte trotzdem nicht gezählt, hätte nicht Schulz die Abseitsstellung des Stürmers aufgehoben. Der BVB besaß erst in der letzten Szene der ersten Hälfte eine veritable Torgelegenheit, als Sancho nach Brandts Vorlage mit einem Flachschuss an Torhüter Handanovic scheiterte.

          Es musste also vieles besser werden in Durchgang zwei, wollten die Westfalen ihr Tagesziel erreichen. Zunächst einmal in derselben Besetzung wie in den ersten 45 Minuten. Anders war nun die taktische Grundformation. Dortmund versuchte sein Glück nun in einem 4-3-3-System und blieb auch in diesem gruppentaktischen Konstrukt immer wieder hängen. Es fehlte weiter an Tempo und Überraschungsmomenten in den Kombinationsketten, bei denen nur Freunde von Geduldsspielen auf ihre Kosten kamen. Die Borussia scheint im Herbst 2019 nicht mehr so recht voranzukommen.

          Ein kleiner Aufheller war Brandts Flachschuss, den Handanovic parierte (64.). Es war die Phase, in der Dortmund den Druck verstärkte, ohne bedrohlich anzumuten. Doch statt einen offensiven Personaltausch vorzunehmen, wechselte Favre erst einmal den defensiven Mittelfeldspieler Delaney gegen den defensiven Mittelfeldspieler Dahoud aus (67.). Nun endlich wurde auch der BVB etwas gefährlicher. Sancho hatte den Ausgleich auf dem Fuß, bekam aber nicht genug Druck hinter seinen Schuss, den die Mailänder mit vereinten Kräften kurz vor der Torlinie abblocken konnten (75.).

          Das war aber nichts gegen die Gelegenheit, die der im Laufduell zu langsame Hummels seinem Gegenspieler Martinez bei seinem Festhalteversuch verschaffte. Der Argentinier scheiterte beim anschließenden Strafstoß an Bürki, der wenig später bei Candrevas Treffer zum 2:0 machtlos war.

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