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Dortmunder Debakel bei Ajax : „Das war eine Lehrstunde, die extrem weh tut“

Das war nichts, bitte verzeiht uns! Erling Haaland vor den Dortmunder Fans Bild: Reuters

Dortmund erlebt ein Debakel in Amsterdam. Nach dem 0:4 mangelt es nicht an Selbstkritik. Noch ist in der Champions League nichts verloren. Doch eine alte Debatte kommt wieder auf.

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          Erling Haaland brauchte gar nichts sagen. Seine Gesten waren auch ohne Worte eindeutig. Er schritt kurz nach dem Abpfiff in Richtung der Dortmunder Fans, hob beide Arme und legte daraufhin seine Handflächen aufeinander. Seine Aussage an den mitgereisten schwarz-gelben Tross in der oberen Ecke der Amsterdamer Fußball-Arena war klar: Das war nichts, bitte verzeiht uns! Mit 0:4 Toren war Borussia Dortmund das Gruppenspiel der Champions League beim niederländischen Rekordmeister unterlegen. Noch ist nichts verloren, das Achtelfinale erreichbar, doch die Partie wirft Fragen auf.

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          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Wie so oft in den vergangenen zwanzig Monaten hatte Stürmer Haaland entscheidenden Anteil am Ergebnis. Diesmal allerdings nicht in Form von Toren. Dortmund war nicht chancenlos in Amsterdam. Kurz vor der Pause, da stand es durch das Eigentor von Marco Reus (11. Minute) und den Treffer von Daley Blind (25.) schon 2:0 für Ajax, setzte sich Haaland mit wuchtigem Körpereinsatz durch, seinen Schuss wehrte Torwart Remko Pasveer ab. Das galt auch für den Volleyschuss, den der Schlussmann noch erwischte und an die Latte lenkte (47.), wie für den Versuch aus kürzerer Distanz (67.). Haaland verzweifelte.

          Weil es der überragenden Antony (57.) und Sébastien Haller (72.) auf der anderen Seite erfolgreicher machten, stand am Ende die höchste Niederlage des Ballspielverein Borussia 09 (BVB) in der Königsklasse. „Es war für uns eine Lehrstunde. Wir haben unsere Grenzen aufgezeigt bekommen. Diese Niederlage tut extrem weh“, sagte Julian Brandt, der im Mittelfeld dem Angriffswirbel von Ajax ausgesetzt war. Auch Abwehrchef Mats Hummels fand selbstkritische Worte: „Wir waren in allen Belangen die klar schlechtere Mannschaft. Man kann davon sprechen, dass wir mit dem 0:4 noch gut bedient waren.“

          „Das Tor geht auf meine Kappe“

          Das war in der Tat so in der bis auf den letzten Platz besetzten Johan-Cruijff-Arena, in der die Fans von Ajax ihre entfesselte Mannschaft lautstark anfeuerten und bejubelten. Nach einem guten Start waren die meisten Zutaten, die es für ein erfolgreiches Fußballspiel braucht, nicht mehr vorhanden beim BVB. Der erste Gegentreffer zeigte verheerende Wirkung. Eine Freistoßflanke verlängerte Reus mit dem Kopf ins eigene Tor. „Das erste Tor geht auf meine Kappe, den Ball habe ich falsch eingeschätzt“, sagte der Kapitän bei Prime Video. „So stand das nicht auf dem Plan, dass wir so untergehen!“ Natürlich nicht.

          Und es passierte dennoch. Weil Dortmund dem Wirbel des Gegners immer machtloser ausgesetzt war. Vor allem über die linke BVB-Abwehrseite setzte sich Ajax häufig durch. Der 21 Jahre alte Antony, seit kurzem Nationalspieler Brasiliens, ließ mit seiner Spielfreude und seiner Technik die Defensive des BVB alt aussehen. Außenverteidiger Nico Schulz wurde zur Pause ausgewechselt, Vordermann Donyell Malen wenig später. Doch Emre Can und Thorgan Hazard, die ihre Positionen einnahmen, machten es kaum besser. Im Mannschaftssport Fußball fehlte auch die Unterstützung der Kollegen.

          Und so keimte eine alte Dortmunder Debatte nach dem Debakel wieder auf. Oft war, wenn es nicht klappte wie erhofft, die Mentalität der Mannschaft in Frage gestellt worden. Es war eine Diskussion, die an den Nerven zerrte. Unter Edin Terzic mit dem DFB-Pokalsieg und dem neuen Trainer Rose war das Thema kaum mehr präsent; es lief ja auch ganz gut. Nun sprach es Rose selbst an: „In dem Moment, wo es schwierig wird, muss man Lösungen finden. Da müssen wir trotzdem weiter Borussia Dortmund ausstrahlen. Man muss in jedem Moment zeigen, dass man dran glaubt, das Spiel noch gewinnen zu können.“

          Abwinken nach misslungenen Aktionen und leichter Laufschritt, während Ajax den Turbo zündete, waren nicht dazu angetan, Rose, den Fans und auch den Mitspielern das Signal zu geben, dass es einen Glauben an ein besseres Ergebnis gäbe. „Gefühlt stand es beim dritten, vierten Schuss dann schon 2:0, und unsere Körpersprache war, als ob es schon 4:0 steht“, klagte Rose bei Prime Video. „Wir haben ein paar junge Spieler und wenn du 2:0 zurückliegst, bist du nie zufrieden. Aber ein Joshua Kimmich winkt nicht nur ab, sondern der wird richtig sauer. Und das ist vielleicht auch ein bisschen der Unterschied. Die Frage ist, wie nimmt man solche Situationen an, wie reagiert man.“

          Falls die Reaktion so ausfällt, wie Rose sich das vorstellt, muss der Niederschlag von Amsterdam keine schlimmen Folgen haben. Die Konstellation in der Gruppe lässt alle Chancen aufs Achtelfinale. Ajax steht mit neun Punkten vorne, der BVB hat sechs nach den Auftaktsiegen über Besiktas Istanbul (0) und Sporting Lissabon (3). Am 3. November kommt Ajax nach Dortmund. „Bei allem Lob für Ajax haben wir die Qualität, auch solch eine Mannschaft zu schlagen. Man sollte es nicht höher hängen, als es am Ende ist. Schon in zwei Wochen haben wir die Chance, alles besser zu machen.“ Das wird nötig sein.

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