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0:0 gegen Barcelona : Der BVB scheitert nur an ter Stegen

  • -Aktualisiert am

Die Szene des Spiels: Ter Stegen hält den Strafstoß von Reus. Bild: AP

Der deutsche Nationaltorhüter im Wartestand wird zum überragenden Spieler des FC Barcelona und verhindert die Niederlage. Reus vergibt beim 0:0 einen Foulelfmeter.

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          Zumindest ein Deutscher durfte sich am Ende dieser Partie ein wenig wie ein Sieger fühlen. Mit 0:0 trennten sich Borussia Dortmund und der FC Barcelona zum Auftakt der neuen Champions-League-Saison, und der BVB hatte genug Möglichkeiten gehabt, um vier oder fünf Tore zu erzielen, ohne die eigene Defensive zu entblößen. Doch zum Helden des Abends wurde Marc-André ter Stegen im Tor der Katalanen, der immer wieder glänzend reagierte und sogar einen Elfmeter von Marco Reus gehalten hatte. Am Ende waren die starken Dortmunder natürlich enttäuscht, aber sie hatten ihrem Publikum einen hoch unterhaltsamen Fußballabend geboten.

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          Die beiden Teams spielten strategisch anspruchsvoll, das Tempo war hoch, die Räume waren eng, allerdings fehlte unter diesen Bedingungen zunächst ein wenig die Präzision. Die erste Möglichkeit hatte der BVB nach einem Ballverlust von Antione Griezmann im eigenen Strafraum, doch Paco Alcácers etwas überhasteter Abschluss ging weit am Tor vorbei (9.). Auf der anderen Seite fehlten mehrfach ein paar Zentimeter bis zur Entstehung einer Chance, auch weil immer wieder Mats Hummels dort auftauchte, wo es hätte gefährlich werden können. Der Weltmeister fühlte sich offenkundig wohl in diesem Wettbewerb und gegen diesen Gegner. Er sortierte, dirigierte, gewann nahezu alle Zweikämpfe, es hätte gepasst, wenn Hummels nach 28 Minuten eine Kopfballchance in Folge eines Freistoßes von Marco Reus genutzt hätte, aber Hummels verfehlte das Tor.

          Der BVB war nun aber eindeutig gefährlicher. Schon vor Hummels’ Kopfball war Reus nach einem formidablen Pass von Thorgan Hazard vor ter Stegen aufgetaucht, schoss den Torhüter aber an (25.). Das sollte die beste Möglichkeit der ersten Hälfe bleiben. Wobei auch Jadon Sancho zu einem viel versprechenden Abschluss gekommen war, als er nach einer klugen Vorlage Alcácers aus 18 Metern zentral schießen konnte, das Tor aber weit verfehlte (39.).

          Es war nun mehr und mehr das Spiel, das Trainer Lucien Favre erwartet hatte Der Ballbesitzanteil der Mannschaft von Trainer Ernesto Valverde stieg über 60 Prozent, der BVB lauerte auf schnelle Gegenangriffe. Eigentlich war der Spielverlauf günstig für die Dortmunder, die am vorigen Wochenende aus genau dieser Ausgangslage 4:0 gegen Bayern Leverkusen gewonnen hatten. Aber auch ohne Tore in der ersten Halbzeit war es ein Spiel, angefüllt mit Geschichten, Anekdoten und Besonderheiten.

          Nicht zu fassen: Marco Reus trifft nicht.

          Torhüter ter Stegen absolvierte zum vorläufigen Ende seiner verbissen geführten Auseinandersetzung mit Manuel Neuer um den Platz im Tor der Nationalelf einen Gastauftritt in einem Bundesligastadion und spielte glänzend. Dann saßen die in Deutschland bestens bekannten Arturo Vidal und Ivan Raktic auf der Bank der Gäste, an der Seite von Lionel Messi, der sich zwar gesund gemeldet hatte, nach seiner Wadenverletzung aber erst nach einer Stunde eingewechselt wurde.

          Und die Historie dieses Aufeinandertreffens ist ebenfalls bemerkenswert. Der BVB und der FC Barcelona spielen ja seit Jahrzehnten regelmäßig im Europapokal, ein direktes Duell der beiden Klubs hatte es vor diesem Abend aber nur einmal gegeben, im europäischen Supercup. 1998 traf der BVB als Champions League-Gewinner auf den Europapokalsieger der Pokalsieger, den es damals noch gab. Nach Hin- und Rückspiel feierte der FC Barcelona, aber beide Teams hatten mit einer besseren Ersatzelf gespielt.

          Und dann war da natürlich noch der erst 16 Jahre alte Ansu Fati, der tatsächlich in der Startelf stand. Der Teenager hatte am vorigen Wochenende bei seinem ersten Einsatz vom Anpfiff weg nach zwei Minuten getroffen, nach zehn Minuten einen weiteren Treffer aufgelegt und viele Menschen im Umfeld des katalanischen Großklubs zu wilden Träumen vom nächsten Weltstar in rot-blau verführt. Noch nie hat ein jüngerer Spieler im Camp Nou ein Tor für den FC Barcelona geschossen. Nun war förmlich spürbar, wie die Dortmunder Defensive dem Talent aus Guinea-Bissau demonstrieren wollte, dass es hier in der Champions Leauge vor allem physisch nicht so einfach werden würde. An diesem Abend blieb Fati wirkungslos und musste seinen Platz schließlich für Messi räumen.

          Aber auch auf der anderen Seite gab es mit Manuel Akanji einen Spieler, der immer wieder zu leiden hatte unter der Qualität seiner Gegenspieler. Der Schweizer Innenverteidiger geriet mehrfach in brisante Situationen, zum Beispiel als er sich kurz nach der Pause von Luis Suárez ausspielen ließ, der Stürmer aber aus spitzem Winkel am stark haltenden Roman Bürki (47.) scheiterte. Allerdings blieben die Dortmunder gefährlicher, Alcácer setzte einen Freistoß aus bester Lage in die Mauer (50.), Hummels hatte eine brillante Kopfballmöglichkeit nach einem weiteren Freistoß (54.), und nach 57. gab es nach einem Foul von Nelson Semedo an Sancho einen Elfmeter für den BVB. Geschickt zog ter Stegen die Phase bis zur Ausführung in die Länge, und tatsächlich hielt er den keinesfalls schwachen Schuss von Marco Reus.

          Aber der BVB griff auch danach weiter an, Reus (64., 66, 75.) und Alcácer (71.) hatten weitere Möglichkeiten, und der für Hazard eingewechselte Julian Brandt traf mit einem fulminanten Fernschuss die Latte (77.). Diese zweite Halbzeit wurde mehr zu einer Orgie der Chancenverschwendung, ein Tor gelang dem BVB nicht mehr. Und hatte Glück, dass Messi Sekunden vor dem Ende seine Chancen vergab.

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