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Borussia Mönchengladbach : Nur die Kirsche muss noch auf die Torte

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Auch im Rückspiel setzen die Gladbacher wieder auf die Künste von Raffael (rechts). Bild: Picture-Alliance

Das Hinspiel in den Playoffs in Bern gewann Mönchengladbach mit 3:1. Was soll da noch schiefgehen beim Einzug in die Champions League. Trainer André Schubert fällt da einiges ein.

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          Wenn die Verantwortlichen von Borussia Mönchengladbach auf die Play-offs in der Qualifikation zur Champions League angesprochen werden, neigen sie mitunter dazu, sich bildlich auszudrücken. Sportdirektor Max Eberl gibt für das Rückspiel gegen Young Boys Bern an diesem Mittwoch (20.45 Uhr / Live im ZDF, bei Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) das Ziel aus, zu „vergolden, was wir uns erarbeitet haben“. Und Cheftrainer André Schubert sieht die Gelegenheit, im Borussia-Park „die Kirsche auf die Torte zu setzen“. Nach dem Auswärtssieg im Hinspiel könnten die Chancen der Gladbacher kaum besser stehen.

          Das 3:1 im Stade de Suisse Wankdorf bildet eine stabile Grundlage für den Einzug in die Gruppenphase. Was kann also noch schiefgehen? Mit dieser Frage sah Schubert sich auf der Pressekonferenz am Tag vor der Partie konfrontiert. Er beantwortete sie, ohne zu zögern. „Alles“, sagte der Fußball-Lehrer und fügte hinzu: „Wie immer im Fußball.“ Manchmal könne schon eine unglückliche Konstellation zu Spielbeginn ausreichen, um eine scheinbar leichte zu einer schwierigen Aufgabe zu machen. Zum Beispiel, wenn es in der ersten Minute einen Elfmeter, dazu eine Rote Karte gebe und die eigene Mannschaft in Unterzahl einem Rückstand hinterherlaufen müsse.

          Besonders wahrscheinlich klingt so ein Szenario nicht, das wird auch Schubert wissen. Aber die Gladbacher sind sehr darauf bedacht, die Qualifikation nicht zu früh als erledigt zu betrachten. Das liegt vermutlich weniger an dem 7:2 gegen Lausanne Sports, mit dem die Young Boys in der heimischen Liga den Frust über die Heimniederlage im Europapokal verarbeitet haben. Die Gladbacher wirken noch nicht so selbstgewiss wie in der Phase der vergangenen Saison, in der sie das Feld von hinten aufgerollt hatten und vom letzten Platz der Bundesligatabelle wieder in die Spitzengruppe gestürmt waren.

          In Bern etwa hatte sich vorübergehend eine gewisse Unsicherheit breitgemacht, als die Partie nach dem Ausgleichstor der Schweizer eine Weile auf der Kippe stand. Auch beim dürren 1:0 jüngst im DFB-Pokal gegen den norddeutschen Amateurverein SV Drochtersen/Assel boten die Borussen keinen Auftritt der souveränen Art.

          Die Startschwierigkeiten könnten damit zusammenhängen, dass sich die Struktur der Mannschaft verändert hat. Den Klub haben drei Spielerpersönlichkeiten verlassen, die nicht nur ihrer sportlichen Klasse wegen besonders wertvoll waren, sondern auch aufgrund ihrer Persönlichkeit. Martin Stranzl hat seine Karriere beendet; sein Nachfolger als Kapitän, Granit Xhaka, ist für die Gladbacher Rekord-Ablöse von etwa 45 Millionen Euro zu Arsenal London gewechselt, und auch den norwegischen Mittelfeldspieler Harvard Nordtveit zog es in die Premier League; er kickt inzwischen für West Ham United.

          Drei Männer dieser Statur zu ersetzen fällt schwer, erscheint aber auch nicht unmöglich. „Man wird nicht einfach so eine Persönlichkeit, das muss sich entwickeln. Aber wir haben viele Typen im Team, die Leader sein können, jeder auf seine Weise“, sagt Schubert. Zu dieser Gruppe gehören sicher der neue Mannschaftskapitän Lars Stindl, der Mittelfeldstratege Christoph Kramer, der aus Leverkusen zurückgekehrt ist, und die erfahrenen Abwehrkräfte Oscar Wendt und Tony Jantschke. Die Hierarchie innerhalb der Mannschaft dürfte ein wenig flacher werden als zu Zeiten eines Xhaka, der in der Rolle des „aggressive leaders“ geradezu aufging und es als eine Art natürlichen Anspruch betrachtete, die Mannschaft zu führen.

          Ein Borussia im Borussia-Park: Der frühere Dortmunder Stephane Chapuisat ist jetzt technischer Leiter bei Young Boys Bern.
          Ein Borussia im Borussia-Park: Der frühere Dortmunder Stephane Chapuisat ist jetzt technischer Leiter bei Young Boys Bern. : Bild: dpa

          Aber nicht nur die Führungsebene muss sich bei den Borussen auf dem Rasen erst neu herausbilden. Die ganze Mannschaft scheint noch in der Findungsphase zu stecken. Wer zu wem passt, wer mit wem am effektivsten zusammenspielt, das herauszufinden könnte noch ein wenig dauern. Eine Stammelf hat sich fünf Tage vor dem Bundesligastart gegen Bayer 04 Leverkusen noch nicht herauskristallisiert. Das hängt auch damit zusammen, dass gerade im Mittelfeld und im Angriff auf manchen Positionen eine große Leistungsdichte herrscht. „Für mich wird es komplizierter. Es geht darum, die Formkurven zu erkennen, immer zu gucken, wie sind die Jungs drauf, wie passt es taktisch am besten“, sagt Schubert. Er wolle je nach Situation, je nach System und je nach Gegner entscheiden, welches die beste Elf ist.

          Das geringe Leistungsgefälle dürfte irgendwann zu Härtefällen führen, aber der Trainer betrachtet es als Vorteil, „in dieser Saison unseren Jungs auch einmal eine Pause geben zu können“. Schubert redet nicht nur von Rotation, er wendet sie auch an. Wie es scheint, schwört er sogar darauf. Vor dem jüngsten Pokalspiel änderte er die Startelf im Vergleich zum Hinspiel gegen Bern auf sieben Positionen. Dass den umformierten Gladbachern in der norddeutschen Provinz eine Blamage erspart blieb, verdanken sie dem Tor von Verteidiger Julian Korb. Ein paar Tage zuvor in Bern hatte es für diesen Spieler nicht einmal zu einem Platz auf der Ersatzbank gereicht.

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