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Champions League : Die Angst wird größer in Dortmund

Pierre-Emerick Aubameyang traf zwar mal wieder, zum Sieg reichte es aber doch nicht. Bild: STEINBA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Guter Start, bitteres Ende: Das 1:2 gegen Tottenham ist ein Spiegelbild der Dortmunder Saison. Zu allem Überfluss gibt es noch zwei Verletzte – und eine unmissverständliche Ansage der Fans an die Mannschaft.

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          Die Botschaft prangte riesig auf der Südtribüne des Dortmunder Stadions: „Am Samstag zählt es: Alle für den Derbysieg.“ Die ernüchternde 1:2-Heimniederlage der Borussia in der Champions League gegen Tottenham Hotspur stand seit wenigen Minuten fest, da hüpften die Spieler des Verlierer Arm in Arm vor ihren emotionalen Fans, die wie andere noch nicht vorzeitig gegangen waren, und bekamen in Schwarz und Rot auf gelbem Grund vor Augen geführt, was nun erwartet wird: Ein Heimsieg im brisanten Bundesliga-Duell mit Erzrivale Schalke am Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky). „Wir müssen den Fans, die bisher noch zu uns gestanden haben, etwas zurückgeben“, sagte Kapitän Marcel Schmelzer.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          „Wir müssen das Derby gewinnen“, sagte auch Trainer Peter Bosz unumwunden nach der abermaligen Enttäuschung an seinem 54. Geburtstag. „Ich weiß, es ist wichtig, dass wir gegen Schalke gewinnen – auch für meine Position.“ Der letzte Sieg in der Bundesliga datiert vom 30. September für die Borussia, die nach beeindruckendem Saisonbeginn Tabellenführer war und nun schon deutlich hinter dem FC Bayern liegt. Auch Schalke, RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach sind inzwischen in der Tabelle vorbeigezogen. Eine weitere Niederlage würde die Diskussion um Bosz so stark anschwellen lassen, dass die Zukunft des Coaches wohl ernsthaft zur Debatte stünde.

          „Die Angst war in der Mannschaft“, sagte Bosz, nachdem der BVB gegen Tottenham eine gute erste Halbzeit gezeigt hatte. Die Belohnung erfolgte durch die Führung durch Pierre-Emerick Aubameyang. Der Gabuner war zuletzt suspendiert für die Bundesliga-Partie in Stuttgart und nutzte die Pause für einen Friseurbesuch, dessen Ergebnis er gegen die Spurs präsentierte. Gegen die Engländer stand er wieder in der Startelf. Zunächst vergab er eine große Chance vor Torwart Hugo Lloris kläglich (19. Minute), danach vollendete er nach sehenswertem Hackentrick des starken Andrej Jarmolenko aber zur Führung (31.) nach 507 Minuten Torflaute. Da war die schwarz-gelbe Fußballwelt für einen Moment wieder rosarot, auch wenn der Jubel von Aubameyang auffällig zurückhaltend ausfiel.

          Doch so gut der Saisonstart mit dem Beginn in diese Partie in der Königsklasse korrespondierte, so ging es danach auf Talfahrt. Aubameyang hatte Glück, dass der Schiedsrichter seinen Schlag gegen Davinson Sanchez übersah (35.). Vor der Halbzeit rettete der zuletzt kritisierte Torwart Roman Bürki zweimal klasse. Erst wehrte er einen Schuss von Christian Eriksen ab (40.), dann fischte er einen Kopfball von Eric Dier noch von der Linie (41.). Doch was zunächst noch gut endete, ging in der zweiten Halbzeit schief.

          Die Fans haben eine klare Botschaft für die Dortmunder Spieler parat. Bilderstrecke
          Die Fans haben eine klare Botschaft für die Dortmunder Spieler parat. :

          Zunächst verlor Jeremy Toljan an der Außenlinie den Ball, der über Dele Alli bei Harry Kane landete. Der Torjäger fackelte nicht lange und traf mit rechts ins linke Eck (49.). Auf einmal war die zarte Pflanze an Dortmunder Optimismus dahin. „Nach dem 1:1 hat den Spielern das Vertrauen gefehlt“, sagte Bosz. „Wir haben selbst die Fehler gemacht. Auf unserem Niveau darf das nicht passieren.“ In der ersten Halbzeit sei er aber stolz auf seine Mannschaft gewesen, sagte der Niederländer. „Es kommt nach dem 1:1 alles zusammen“, sagte auch Gonzalo Castro. Als Marc Bartra und Mario Götze an der Seitenlinie Alli nicht stoppen können, passt der Engländer auf Heung-Min Son. Und der frühere Hamburger und Leverkusener vollendet sehenswert zum 1:2 (76.). „Solche Tore dürfen nicht alle drei Tage passieren, das müssen wir souverän runterspielen“, sagte Mario Götze.

          In der Champions League ergibt sich nun eine kuriose Konstellation. Den Einzug ins Achtelfinale kann der BVB durch Real Madrids Sieg endgültig abschreiben. Beim abschließenden Spiel in Spanien ist es sogar möglich, dass Dortmund mit einer Niederlage Dritter bleibt und damit im neuen Jahr in der Europa League weiterspielen darf, sollte parallel auch Nikosia bei Tottenham keinen Punkt holen. Dann wäre der BVB mit zwei Punkten auf Rang drei. Weniger geht mathematisch nicht und würde eindrucksvoll untermauern, welche verkorkste Champions-League-Saison der BVB gespielt hat.

          Zu allem Überfluss verletzte sich auch noch Innenverteidiger Dan-Axel Zagadou beim 1:2. Eine Diagnose beim jungen Franzosen steht noch aus. Kurz vor dem Ende gab es den nächsten Schreck. Fernando Llorente traf Torwart Bürki mit dem Schuh am Kopf. Der Schweizer verhinderte so zwar das 1:3, blieb aber benommen liegen und musste gegen Roman Weidenfeller ausgewechselt werden. Bürki wurde vom Platz getragen. Gegen Schalke soll er aber wieder einsatzfähig sein. Die Beschwerden seien weitgehend abgeklungen, teilte der Verein am Mittwoch mit.

          Es kommt derzeit alles Fußball-Unglück zusammen in Dortmund. Und das sowieso immer schon extrem aufgeladene Revierduell gewann noch einmal ein Mehr an Brisanz. „Das Derby ist das Beste, was uns passieren kann. Alle wissen, wie wichtig es ist – auch für unsere Fans. Ich glaube, dass der Trainer keinen Psychologen braucht, sondern nur das Spiel“, sagte Bosz. Man darf gespannt sein, welche Reaktion die Dortmunder Fans auf der Südtribüne am frühen Samstagabend zeigen.

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