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4:0 gegen Madrid : Der BVB knackt das Atlético-Schloss

  • -Aktualisiert am

Jubel über das zwischenzeitliche 2:0 bei den BVB-Spielern: Torschütze Raphael Guerreiro (Mitte) lässt sich feiern. Bild: Reuters

Dortmund siegt in der Champions League nach einem furiosen Auftritt über Atlético Madrid. Gegen die meist defensiv kompakte Spanier gelingen der Borussia gleich vier Treffer – und das ohne einen wichtigen Angreifer.

          Nur eines unter sechs Champions-League-Gruppenspielen? Von wegen. Marco Reus, der Kapitän von Borussia Dortmund, brachte die Bedeutung der Begegnung mit Atlético Madrid schon Tage vorher auf den Punkt. „Das wird eine Reifeprüfung und ein Gradmesser für uns“, sagte er vor dem Duell um Platz eins in der Gruppe A. Die in dieser Saison bisher noch unbesiegten Tabellenführer der Fußball-Bundesliga aus Westfalen trafen am Mittwochabend auf eine der besonders ausgebufften Spitzenmannschaften des europäischen Fußballs.

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          In der jüngeren Vergangenheit zweimal im Endspiel der Königsklasse, belegen die Rojiblancos aus der spanischen Hauptstadt derzeit nur Rang fünf in La Liga – in einer Spielzeit, in der auch Real Madrid und der FC Barcelona noch nicht zu alter Topqualität gefunden haben. Dortmund dagegen schon, und das bekam Atlético am Mittwochabend vor 66.099 Zuschauern auch zu spüren. 4:0 gewann der BVB diese Kraftprobe mit Galaverzierung und bewies nicht nur bei den Toren von Witsel (38. Minute), Guerreiro (73./89.) und Sancho (83.) die Coolness und Extraklasse, die vonnöten war, um die Spanier an diesem Tag derart deutlich besiegen zu können. Dortmund ist nach drei Zu-Null-Siegen in seiner Gruppe auf dem Königsweg, die K.o.-Phase der Champions League mit Glanz und Gloria zu erreichen. Vor dem Rückspiel in zwei Wochen in Madrid muss dieser Borussia jedenfalls nicht bange sein.

          „Ein 4:0 haben wir sicher nicht erwartet. Wie wir unsere Tore gemacht haben, spricht für die Mannschaft und unseren Lauf. Es zeigt, dass wir auf einem richtig guten Weg sind“, sagte Sebastian Kehl, der Leiter der Lizenzspielerabteilung der Dortmunder. Angreifer Mario Götze meinte: „Wir können alle sehr, sehr zufrieden sein. Wir haben jetzt neun Punkte und besser könnten wir nicht dastehen.“

          Die Westfalen mussten von vornherein auf ihren spanischen Torjäger Paco Alcácer verzichten. Der vom FC Barcelona gekommene spanische Nationalspieler war nicht rechtzeitig fit geworden, nachdem ihn zuletzt Oberschenkelschmerzen geplagt hatten. Trainer Lucien Favre hatte bei seiner Aufstellung trotzdem einen Coup gewagt und Götze für die Startelf nominiert: den deutschen WM-Helden von 2014, der bei seinem Heimatverein zuletzt nur eine Nebenrolle gespielt hatte und nur selten eingesetzt wurde. Diesmal durfte Götze von Beginn an ran – als hängende Spitze, ohne dabei zum X-Faktor für die Borussen zu werden.

          Von blühender Offensive aber war hüben wie drüben zunächst nichts zu sehen. Es entwickelte sich das, was Reus und sein Trainer Favre vorhergesehen hatten: ein Gedulds- und Fehlervermeidungsspiel. Eine Übung, die beide Teams gut beherrschten, auch wenn das Unterhaltungsbedürfnis des Publikums so nicht befriedigt wurde. Nach zwanzig Minuten klappte als Erster der BVB das Visier auf.

          Die neue Zielstrebigkeit bekam Torhüter Oblak bei Witsels Distanzschuss zu spüren, den der Slowene noch zu fassen bekam. Beim zweiten Versuch des besten Dortmunders aber war er machtlos. Der Belgier, bestens in Szene gesetzt vom umtriebigen Hakimi, hielt sieben Minuten vor der Halbzeit noch einmal flach drauf und hatte das Glück, dass der französische Weltmeister Lucas Hernández seinen Schuss unhaltbar für Oblak abfälschte. Das Führungstor beflügelte die Schwarz-Gelben, die durch Reus, der an Oblak scheiterte (42.), und Zagadous Kopfball in derselben Minute weitere Gelegenheiten hatten, ihren Vorsprung noch zu erhöhen. Atlético Madrid, das keine Lücke im Dortmunder Abwehrverbund erspäht hatte und selbst gegenüber den sporadischen Tempoattacken des BVB anfällig wirkte, lag zur Pause verdientermaßen zurück.

          Dortmunds Axel Witsel: der Torschütze zum zwischenzeitlichen 1:0

          Dann aber kam die Mannschaft von Trainer Diego Simeone kurzfristig mächtig ins Rollen. Voran Saul Niguez, der für seine Schusskraft gerühmte Spanier, dessen erster Schuss sein Ziel hauchzart verfehlte (50.) und dessen zweiter Versuch gegen die Latte klatschte (52.). Zweimal Glück für den BVB, der nun schwer unter Druck geriet und kaum noch Zeit fand, selbst initiativ zu werden. Erst nach rund einer Stunde befreiten sich die Dortmunder aus der Umklammerung. Reus schien nah am 2:0, wäre ihm nicht der übereifrige Hakimi in die Parade gefahren.

          Umso besser machte es der Marokkaner wenig später, als er den eingewechselten Guerreiro anspielte. Der portugiesische Europameister nutzte seine Chance zum 2:0 ebenso umstandslos wie der eingewechselte Engländer Sancho Hakimis nächsten Zuckerpass zum 3:0. Guerreiro vollendete die Demonstration der Dortmunder Stärke mit seinem platzierten Schuss zum 4: 0. Die Borussia hatte sich damit ihr Reifezeugnis wie ein Einserabiturient summa cum laude verdient.

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