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Champions-League-Analyse : Warum Dortmund auch ohne Aubameyang gewann

Die Gesichter des Erfolgs: Dortmund gewinnt auch ohne Aubameyang. Bild: AP

Aus „internen Gründen“ findet sich Stürmerstar Aubameyang beim 1:0 gegen Sporting auf der Tribüne wieder. Dem Dortmunder Spiel schadet das zunächst nicht. Doch am Ende wird der Stürmer vermisst.

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          Fast zehn Minuten vor dem Schlusspfiff hatte Pierre-Emerick Aubameyang genug gesehen. Während sich seine BVB-Teamkollegen noch mühten, das hart erkämpfte 1:0 gegen Sporting aus Lissabon über die Zeit zu retten, und er selbst in Sozialen Netzwerken wegen seines Outfits mit Hollywood-Schauspieler Humphrey Bogart oder dem Zeichentrick-Agenten Inspector Gadget verglichen wurde, flüchtete der pfeilschnelle Stürmer aus Gabun von der Tribüne der Dortmunder Arena. Dass sich die Borussia mit dem knappen Sieg vorzeitig für das Achtelfinale der Champions League qualifizierte und aufgrund des 3:3-Remis von Real Madrid bei Legia Warschau zudem mit besten Aussichten auf den ersten Tabellenrang in die letzten beiden Gruppenspiele geht, erfuhr Aubameyang wohl irgendwo zwischen Stadion und Parkplatz.

          Warum sich der Angreifer – dessen in der Kabine hängendes Trikot vor dem Anpfiff noch im TV gezeigt wurde – gegen die Portugiesen auf der Tribüne statt auf dem Spielfeld wiederfand, darüber schwiegen sich die BVB-Verantwortlichen aus. „Aus internen Gründen“ sei die Entscheidung getroffen worden, hieß es vor dem Spiel sowohl von Klubchef Hans-Joachim Watzke als auch von Trainer Thomas Tuchel. Dieser fügte nach Schlusspfiff noch an, dass er „keine andere Wahl“ gehabt hätte. Ob sich Aubameyang tatsächlich undiszipliniert gegenüber seinem Coach verhalten haben soll, wie zur Halbzeit beim Pay-TV-Sender Sky vermutet, ist nicht bekannt.

          Auf dem Rasen wurden die Künste des 27-Jährigen zumindest in der ersten Halbzeit jedoch nicht vermisst. Und das lag vor allem am frühen Treffer von Aubameyangs Ersatzmann: Zum ersten Mal in seiner Karriere erlebte Adrian Ramos den Anpfiff einer Champions-League-Partie auf dem Spielfeld – und nutzte seine erste Gelegenheit direkt zum 1:0 (11. Minute). Eine mustergültige Flanke von Matthias Ginter köpfte der Kolumbianer aus sieben Metern unhaltbar ins Tor.

          Der Torjäger als Beobachter: Pierre-Emerick Aubameyang sieht Schwarz-Gelb siegen Bilderstrecke

          Generell versprühte der BVB im ersten Durchgang zeitweise eine gewisse Spielfreude und hätte – nachdem Schiedsrichter Danny Makkelie schon in der dritten Minute nach einem Foul an Christian Pulisic den Elfmeterpfiff für die Borussia verweigerte – zur Pause deutlich höher führen können. Doch sowohl Pulisic, der die mit Abstand schönste Kombination der Partie mit einem Lattenschuss beendete (34.), als auch Raphael Guerreiro (45.), der nur das Außennetz traf, nutzten ihre hochkarätigen Gelegenheiten nicht.

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          Nachdem den Dortmundern in den vergangenen drei Heimspielen gegen Hertha, Union Berlin und Schalke insgesamt nur zwei Treffer gelangen, weil sie sich immer wieder in der Mitte festrannten,  wurde gegen Sporting schnell das Bestreben deutlich, das Offensivspiel auf die Außenpositionen zu verlagern. Wie in der folgenden Grafik zu sehen, vollführte der BVB über das gesamte Spiel hinweg weniger als ein Viertel aller Angriffe durch die Mitte und war somit besonders in den ersten 45 Minuten nur schwer auszurechnen. So wurden die sieben Torschüsse in der ersten Halbzeit von sieben unterschiedlichen Spielern abgegeben. Dass bei den Dortmundern am Ende die meisten offensiven Impulse dann doch von der rechten Seite ausgingen, lag daran, dass auch das Angriffsspiel von Sporting deutlich rechtslastig war und somit die linken Flügelspieler des BVB (Dembelé in der ersten, Schürrle in der zweiten Hälfte), mehr Defensivaufgaben zu verrichten hatten.

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