https://www.faz.net/-gtm-9f339

Champions League : Dortmunder Spektakel ohne Ende

  • -Aktualisiert am

Schwarz-gelbe Glückseligkeit: Marco Reus (links) und Manuel Akanji. Bild: EPA

Beim 3:0-Sieg über Monaco in der Champions League zeigt der BVB den nächsten sehenswerten Erfolg. Dabei beeindruckt vor allem die Fraktion der Hochtalentierten. Doch nun folgen zwei wegweisende Hits.

          3 Min.

          Als die Arbeit getan war und der dritte spektakuläre Erfolg binnen einer Woche gefeiert werden durfte, tanzten die Spieler von Borussia Dortmund bei ihrer Zugabe fröhlich und befreit von allen Zwängen vor ihren Fans auf der Südtribüne. Das 3:0 über AS Monaco beim zweiten Champions-League-Auftritt dieser Saison reihte sich in das bunte Bild der BVB-Coups und -Geniestreiche aus den vergangenen sieben Tagen ein.

          Champions League

          Dem 7:0-Torfestival gegen den 1. FC Nürnberg und dem spektakulär von einem 0:2 zum 4:2 gewendeten Bundesligaspiel bei Bayer Leverkusen folgte nun ein Ausrufezeichen in der Champions League. Nach einer verhaltenen ersten Hälfte, in der der Tabellenführer der Bundesliga wie der Tabellenachtzehnte der Ligue 1 geduldig darauf warteten, dass sich eine der beiden Mannschaften eine Blöße gebe, spielten die Westfalen in der zweiten Halbzeit die ganze Palette ihrer Möglichkeiten aus.

          Das 1:0 durch den frisch eingewechselten 20 Jahre alten Jacob Bruun Larsen (51. Minute) bei seinem ersten Europapokal-Einsatz spiegelte die neue Leichtigkeit dieser Borussia. Der dänische Linksaußen schlich sich an den monegassischen Abwehrspielern vorbei und vollendete einen genial angeschnittenen Pass des 18 Jahre alten englischen Kollegen Jadon Sancho, der momentan Europas bester Torlieferant ist mit fünf Torvorlagen in der Bundesliga binnen 124 Spielminuten. Am Mittwoch zelebrierte Sancho mit Bruun Larsen, den der Dortmunder Kapitän Marco Reus wie den Briten als „Straßenfußballer“ adelt, den zauberhaften Augenblick dieses Abends. „Das war der Spielerinstinkt“, beschrieb Bruun Larsen diesen Augenblick der perfekten Choreographie in Schwarz-Gelb.

          Damit war die Tür zu weiteren Toren geöffnet. Der neue spanische Mittelstürmer Paco Alcácer vergab zwar zunächst einen Elfmeter nach einem Foul an ihm (68.), als er den Ball gegen die Latte donnerte. Einmal Versäumtes holte der vom FC Barcelona mit einer einseitigen Dortmunder Kaufoption ausgeliehene Angreifer vier Minuten später nach, als er das 2:0 mit unverkennbarer Schlitzohrigkeit gegenüber seinen ohnmächtigen Widersachern erzielte.


          Ganz zum Schluss ließ auch Reus seinen inzwischen fast obligatorischen Treffer folgen (90.+2) und rundete damit eine Europapokalnacht ab, nach der Tabellenführer der Bundesliga auch Platz eins in der Tabelle der Champions-League-Gruppe A übernahm. Vor Atlético Madrid, das am Mittwoch auch zum zweiten Mal nacheinander gewann (3:1 gegen Brügge) und sich in den nächsten beiden Runden der „Königsklasse“ mit den Dortmundern messen wird. Zwei wegweisende Hits, die zeigen werden, wie weit der in diesem Sommer nach Deutschland zurückgekehrte Trainer Lucien Favre seine Mannschaft schon in Richtung internationale Klasse entwickelt hat.

          Am Mittwoch krittelte der schweizerische Maitre noch an allerlei Defiziten seines Teams herum, konzedierte aber immerhin, „dass die zweite Halbzeit viel besser als die erste war. Wir waren im Pressing und bei Balleroberungen besser, das gibt uns Vertrauen in unser Spiel.“ Dieses Vertrauen ihres Chefs spüren die Spieler bei jeder Übungsstunde unter Favres Anleitung. Der 60 Jahre alte Westschweizer fördert erkennbar auch die Jugend, wie am Mittwoch deutlich zu sehen war. Die tadellosen französischen Abwehrspieler Zagadou und Diallo sind 19 und 22 Jahre alt, so dass sich der 23 Jahre alte schweizerische Innenverteidiger Akanji schon ziemlich erwachsen vorkommt.

          Zusammen mit Sancho und Bruun Larsen vertreten diese drei Jungprofis die Fraktion der Hochtalentierten, die sich in ihrem spielerischen Ehrgeiz gegenseitig antreiben. Bruun Larsen zum Beispiel „will einfach gerne den Unterschied ausmachen, egal ob durch Tore oder Vorlagen. Das bedeutet mir viel.“ Im Vorjahr noch ausgeliehen an den VfB Stuttgart, ist der beim BVB ausgebildete Skandinavier eine der großen Entdeckungen dieser Saison. Ihm bescheinigt Torwart Roman Bürki „von Woche zu Woche begeisternde Leistungen“.

          Diesmal war Bruun Larsen der Edeljoker des Spiels wie sonst Sancho, der noch mehr in der Lage ist, binnen kurzem das Dortmunder Spiel frisch zu befeuern. Dazu kommt die von Favre stabilisierte Abwehr und eine unerschütterliche Mittelfeldachse, die die Fußball-Durchblicker Thomas Delaney und Axel Witsel, der alle seine Zweikämpfe im Spiel gewann, bilden. Und nicht zu vergessen in Alcácer ein Stürmer, der nach hinten mitarbeitet und vorne entschlossen seine Chancen nutzt. Wie mit seinen zwei Toren gegen Bayer Leverkusen am Samstag. „Wir haben auf dem Feld einfach ein gutes Gefühl“, beschreibt Reus, der mit 17 Treffern mit Robert Lewandowski an der Spitze der BVB-Torjägerliste in der Champions League gleichzog, das Dortmunder Frühherbst-Hoch dieser Tage. Das spürte jeder, der diesen Borussen am Mittwoch bei ihrer schöpferischen Arbeit zusah. „Ich weiß, was unser Trainer kann und wofür er steht“, hat Reus über Favre sagt, den er schon zu seiner Mönchengladbacher Zeit als Trainer und Mensch schätzen lernte. So wie es ausschaut dürften Favre und seine Mannschaft noch weitere schöne Überraschungen in petto haben.

          Weitere Themen

          Schlägerei nach Fußballspiel in Peru Video-Seite öffnen

          Fußballfeld oder Schlachtfeld? : Schlägerei nach Fußballspiel in Peru

          Im peruanischen Cusco kippte ein Pokalmatch direkt nach dem Abpfiff in eine Schlägerei um. Spieler und Fans des Verliererteams stürmten nach dem letzten Pfiff auf den Platz und griffen die Schiedsrichter sowie das siegreiche Team an.

          Topmeldungen

          Verteidiger des Präsidenten : Hemdsärmlig für Trump

          Bei den Anhörungen wegen der Ukraine-Affäre tritt der republikanische Abgeordnete Jim Jordan ins Rampenlicht. Der ehemalige Profi-Ringer soll die Verteidigungsstrategie von Donald Trump transportieren – wohl auch stilistisch.
          Gebaut wird immer: Ein neues, jüdisches Siedlungsprojekt entsteht im Westjordanland.

          Amerikas Nahost-Kehrtwende : Vor einem diplomatischen Trümmerhaufen

          Washington verlässt den internationalen Konsens über den Nahostkonflikt und hält israelische Siedlungen außerhalb der Grenzen von 1967 nicht mehr für völkerrechtswidrig. In Jerusalem reibt man sich verwundert die Augen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.