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1:3 in Porto : Bayerns Tag der Gastgeschenke

Nicht zu fassen: Pep Guardiola versteht die individuellen Fehler seiner Bayern in Porto nicht Bild: Reuters

Die Bayern sind im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals in Porto in Geberlaune: Der deutsche Meister leistet freundlich Hilfe bei allen drei Gegentreffern. Immerhin muss Manuel Neuer nicht vom Platz.

          3 Min.

          Pep Guardiola ist in fünf Spielzeiten als Trainer in Barcelona und  München noch nie vor dem Halbfinale der Champions League ausgeschieden. Doch  der sechste Versuch könnte der kritischste werden. Am Mittwochabend verlor er  mit dem FC Bayern das packende Viertelfinal-Hinspiel beim FC Porto 1:3 und muss im Rückspiel am kommenden Dienstag gegen die giftigen Portugiesen, die als einziges Team  im Wettbewerb noch ungeschlagen sind, eine Zitterpartie befürchten.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Nach krassen Fehlern im Spielaufbau war der Favorit rasch durch zwei Tore von  Ricardo Quaresma (3. und 10. Minute) 0:2 in Rückstand geraten, ehe Thiago  Alcantara der Anschlusstreffer gelang (28.). Nach der Pause, als die bis dahin  spielerisch stärkeren Bayern erschreckend passiv agierten, stellte Jackson Martinez unter dem frenetischen Jubel der 50.000 im „Drachenstadion“ von Porto den alten Abstand wieder her (65.). Es war im zwölften Auswärtsspiel das erste  Mal, dass die Münchner ein Europapokalspiel in Portugal verloren - und  vermutlich der denkbar schlechteste Zeitpunkt dafür.

          „Mit einem 2:1 hätte wir leben können, das 3:1 war ein bitteres Gegentor. So ist es schwierig, aber wir haben noch die Hoffnung. Es hilft nicht zu lamentieren, wir müssen nach vorne schauen. Es ist möglich, 2:0 zu gewinnen“, sagte Kapitän Philipp Lahm bei Sky. Kollege Thomas Müller sagte im ZDF: „Das Ergebnis sagt oft etwas über die Leistung aus.“

          Schnelle Gegentore

          Das Spiel hätte gar nicht schlechter beginnen können für den Favoriten. Schon  nach zehn Minuten, so schnell wie noch nie in 23 Jahren Champions League, lagen die Bayern 0:2 hinten. Und beide Male durch haarsträubende Ballverluste des  jeweils am weitesten hinten platzierten Aufbauspielers - Fehler, wie man sie  bei den gewöhnlich extrem ballsicheren Bayern unter Trainer Pep Guardiola in  dieser Häufung noch nicht gesehen hat.

          Klarer Fall: Manuel Neuer erwischt Jackson Martinez im Strafraum Bilderstrecke
          Klarer Fall: Manuel Neuer erwischt Jackson Martinez im Strafraum :

          Zuerst verlor Xabi Alonso nach technischem Fehler in der Annahme den Ball an den auf ihn zustürmenden Jackson,  den Kapitän von Porto, der nach nach sechswöchiger Pause wegen einer  Leistenverletzung überraschend in die Startelf zurückgekehrt war. Der  Kolumbianer lief allein auf Manuel Neuer zu, verlud ihn mit einem Haken nach  rechts und wurde dann vom Nationaltorwart zu Fall gebracht. Der spanische  Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo pfiff Elfmeter, beließ es jedoch bei der Gelben Karte für Neuer, zur Erleichterung der Bayern und zur Empörung der  Portugiesen.

          Quaresma schickte Neuer beim Elfmeter in die falsche Ecke - und  verlud ihn auch acht Minuten später mit einem schnellen Abschluss per  Außenrist, nachdem er dem schläfrigen Dante den Ball abgeluchst hatte.  Die Bayern, ohne die verletzten Ribéry, Robben, Alaba, Benatia und den  erkrankten Schweinsteiger angetreten, wirkten nach diesem Horror-Start  verunsichert, hatten wie gewohnt viel Ballbesitz, aber auch ungewöhnlich viele  Ballverluste. Dante, Lahm, Thiago, Alonso, keiner schien vor krassen Fehlpässen  gefeit. Allerdings sah das Münchner Angriffspressing vor der Pause gut aus, es  ließ Porto kaum zum Aufbau von Kontern kommen.

          Keine Wende

          Außer einem Kopfball von Robert  Lewandowski knapp über das Tor sprang dabei in der Offensive zunächst nicht  viel heraus, bis sich Innenverteidiger Jerome Boateng in Abwesenheit des  verletzten Robben plötzlich als Rechtsaußen betätigte und eine scharfe, flache  Flanke schlug, die Thiago aus kurzer Entfernung zum Anschlusstreffer nutzte. Der kleine Spanier, nach einjähriger Verletzungspause ins Team  zurückgekehrt, feierte das erste Champions-League-Tor seiner Karriere, indem er  mit dem Ball zum Anstoßkreis lief und die Bayern-Fans mit erhobener Faust  anfeuerte.

          Doch die erhoffte Wende war das nicht, die allgemeine Verunsicherung ergriff  bald auch den sonst unerschütterlichen Neuer. Erst rutschte dem Torwart eine verunglückte Flanke von Alex Sandro über die Finger an die Torlatte  (34. Minute), dann kam er bei einer Freistoßflanke heraus, ohne den Ball zu  erreichen, und hatte Glück, dass Casemiro knapp über das Tor köpfte (44.). Und  selbst Kapitän Philipp Lahm verließ die gewohnte Handlungssicherheit, er bekam  Gelb für ein taktisches Foul. Guardiola, Hände in den Taschen, wandte sich ab und schüttelte den Kopf.

          Porto ohne Ehrfurcht

          Porto-Trainer Julen Lopetegui, der mit Guardiola von 1994 bis 1997 gemeinsam  beim FC Barcelona gespielt hatte, hatte vor Anpfiff erklärt, nicht in Ehrfurcht vor den großen Bayern erstarren zu wollen: „Wir haben die Ambition,  Hauptdarsteller zu sein.“ Das war ihnen zu Beginn der Partie gelungen, und  darauf besannen sie sich noch mehr in der zweiten Halbzeit, als sie die Bayern  extrem früh und aggressiv im Spielaufbau attackierten und zu Fehlern zwangen. Wie vor dem 1:0 verlor Alonso gegen Jackson den Ball, hatte aber Glück, dass dieser ins Toraus sprang.

          Neuer musste nach dem besten Angriff der Portugiesen  gegen Hector Herrera eine Weltklasseparade zeigen, um einen dritten  Gegentreffer noch zu verhindern (57.). Acht Minuten später war der weltbeste  Torwart dann aber machtlos, als sich Boateng bei einem langen Ball verschätzte,  Jackson allein auf Neuer zulief, ihn umspielte und aus spitzem Winkel den Ball  ins leere Tor schob. Nur ein winziger Lichtblick ergab sich für die Bayern aus  einer ernüchternden zweiten Halbzeit im Hinblick auf das Rückspiel in fünf  Tagen - mit Danilo und Sandro werden dann beide bärenstarken Außenverteidiger  von Porto gesperrt sein.

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