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2:1 gewonnen und doch verloren : Bayern München grandios gescheitert

Es hat nicht gereicht: Thomas Müller und Mitspieler trauern nach dem Schusspfiff. Bild: AP

Die Bayern zeigen gegen Atlético Madrid eine mitreißende Partie, scheiden aber trotz des 2:1-Sieges aus der Champions League aus. Die Ära Guardiola endet ungekrönt – dem Trainer aber ist kein Vorwurf zu machen.

          3 Min.

          Pep Guardiola hat sich diesmal nichts vorwerfen können. Und doch endet, wie seit Dienstagabend feststeht, seine Zeit beim FC Bayern ohne den großen Glanz, den er bringen sollte. Die Darbietung, zu der sein taktischer Plan die Mannschaft beim 2:1-Sieg im Rückspiel des Champions-League-Halbfinales gegen Atlético Madrid führte, war überlegen, überzeugend, temporeich und druckvoll. Doch das Team scheiterte an zwei winzigen Fehlentscheidungen im falschen Moment.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Zuerst war das der verschossene Foulelfmeter, mit dem Thomas Müller nach 34 Minuten, kurz nach der Führung durch einen Freistoß von Xabi Alonso (30.), den zweiten Treffer verpasste. Und dann der um Zentimeter missratene Versuch von David Alaba, beim ersten Konter von Atlético Madrid den durchbrechenden Antoine Griezmann Abseits zu stellen (54.). Es führte zum Gegentor, das nach der 0:1-Niederlage vor einer Woche in Madrid trotz des 2:1 durch Robert Lewandowski (74.) und eines von Manuel Neuer gehaltenen Elfmeters von Fernando Torres (83.) das abermalige Aus im Halbfinale bedeutete – das dritte im dritten und letzten Bayern-Jahr Guardiolas, gegen den dritten Klub aus seiner spanischen Heimat.

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          Diesmal hatte Guardiola personell keine kontroversen Experimente gewagt. Die beiden von ihm im Hinspiel erst spät eingewechselten Publikumslieblinge hatten vor dem Spiel laut und deutlich genug auf eine Rolle in der Startelf gedrängt. Franck Ribéry sagte: „Ich habe große Lust zu spielen und ich muss auch spielen.“ Und Thomas Müller: „Ich bin heiß auf Dienstag, ich werde alles geben. Ich bin keiner, der sich in großen Spielen versteckt“. So standen beide diesmal schon bei Anstoß auf dem Platz – und sorgten mächtig für Wirbel in einer einseitigen ersten Halbzeit.

          Die Bayern machten von Beginn an Druck, legten ein hohes Tempo vor, wirkten dennoch geduldig und gut abgesichert. Es dauerte eine Viertelstunde, bis sich das auch in Gefahr im Atlético-Strafraum äußerte. Eine abgefälschte Flanke, von Müller halb erwischt und verlängert, wurde von Robert Lewandowski knapp verpasst (16.). Einen strammen Weitschuss des vorn wie hinten omnipräsenten Arturo Vidal fing Torwart Oblak sicher (17.). Dann eröffnete ein herrliches Zuspiel von Innenverteidiger Jerome Boateng, am Samstag nach 99-tägiger Verletzungspause aufs Spielfeld zurückgekehrt und von Guardiola auch gegen Atlético gebracht, die erste große Torchance. Der Ball erreichte Müller, der sich in den Rücken der Viererkette geschlichen hatte, er leitete, statt es aus guter Position vielleicht selbst zu versuchen, direkt weiter auf den mitgelaufenen Lewandowski, doch der scheiterte aus spitzem Winkel am aufmerksamen Torhüter.

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          Vor einer Woche hatten die Bayern sich über das von Atlético vorsätzlich trocken und stumpf gehaltene Geläuf in Madrid beschwert. Auf dem heimischen Rasen aber, trotz des regnerischen Wetters vor dem Spiel zusätzlich gewässert, lief der Ball nun wie am Schnürchen. Das Hochtempo-Pass- und Positionsspiel der Bayern drängte Atlético immer tiefer in den eigenen Strafraum. Einen krummen Schuss von Ribéry bekam Oblak erst im Nachfassen in den Griff, hauchdünn vor Lewandowski, dann scheiterte Lahm mit einem Volleyschuss.

          Doch nach einer halben Stunde fiel das Bollwerk. Xabi Alonsos Freistoß aus zentraler Position, knapp vor dem Strafraum, passierte die Mauer, Oblak tauchte in Richtung des Schusses, doch die Wade von Verteidiger José Maria Gimenez lenkte den Ball unhaltbar in die Mitte des Tores ab. Die Arena kochte, das Duell war damit ausgeglichen. Und die Bayern ließen nicht locker, holten gleich danach einen Eckball heraus – bei dem abermals Giménez unfreiwillig zur Hauptfigur wurde. Weil er den sprungbereiten Javi Martinez festhielt, pfiff der türkische Schiedsrichter Cüneyt Cakir Elfmeter.

          Müller lief an, ohne auf den Ball zu schauen, versuchte den Torwart in seiner typischen Art vor der Ausführung zu studieren, seine Richtung zu erkennen, um dann die andere Ecke zu wählen – doch der starke Oblak war darauf vorbereitet, wartete, bis sich Müller seinerseits entscheiden musste, und war dann trotzdem schnell genug in der linken Torecke, um den nicht sehr platzierten, halbhohen Ball abzuwehren. Auch den Nachschuss von Alonso blockte der Slowene ab.

          15:2 Torschüsse und 75 Prozent Ballbesitz dokumentierten zur Pause die Überlegenheit der Bayern. Trainer Diego Simeone, der sich in der hitzigen Partie einmal lautstark des Zorns von Bayern-Assistenztrainer Hermann Gerland über die Härte von Atlético erwehren musste, versuchte mit der Einwechslung des jungen Belgiers Yannick Ferreira-Carrasco mehr Struktur in sein Team zu bringen. Und nur neun Minuten später stand es wie aus dem Nichts plötzlich 1:1.

          Ein Pass von Boateng in den Strafraum wurde abgewehrt und erwischte die Konter-Absicherung der Bayern auf dem falschen Fuß. Fernando Torres spielte Sturmpartner Griezmann mit einem präzisen Zuspiel frei, der Franzose lief allein auf Torwart Manuel Neuer zu und traf.

          Die Bayern wirkten lange geschockt, doch dann wurden sie wieder deutlich zwingender. Eine Alaba-Flanke an den hinteren Pfosten köpfte Vidal zurück vors Tor, wo Lewandowski per Kopf das 2:1 erzielte – als Signal für eine stürmische letzte Viertelstunde. Nach 83 Minuten rettete Neuer die Chance, als er einen Elfmeter von Torres hielt, der am Strafraumrand von Martinez gefoult worden war. Doch Lewandowski vergab, Oblak hielt Alabas abgefälschten Schuss, und die Spanier brachten das Ergebnis über die Zeit.

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