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2:1 bei Lok Moskau : Bayern meistern das Risikospiel

Ausgebreitete Arme nach seinem Kunstschuss zum Sieg: Bayerns Joshua Kimmich, festgehalten von Javi Martinez. Bild: AP

„Es war nicht unser bestes Spiel“, sagt Siegtorschütze Kimmich, doch es reicht trotzdem: Der Titelverteidiger gewinnt bei Lok Moskau mit 2:1 und meistert das aus mehreren Gründen schwierige Auswärtsspiel.

          2 Min.

          Wo ist Thomas Müller? In einem leeren Stadion lässt sich das leicht herausfinden. Man muss nur hinhören. Wenn Müller über den Rasen rennt, kommandiert und kommentiert er fast pausenlos, was schon zu lustigen Szenen geführt hat. Im Stadion in München ärgerte er sich vor einer Woche über eine Gelbe Karte und als er vor sich hin schimpfte, nannte er seine Gegenspieler von Atlético Madrid „die größten Rabauken im europäischen Fußball“. Im Stadion in Moskau hörte man ihn aber nicht. Es war zu laut.

          Champions League
          Christopher Meltzer

          Sportkorrespondent in München.

          Am Dienstagabend feuerten 8196 Fans in der RZD-Arena Lokomotive Moskau an – und fast hätten sie miterlebt, wie ihre Mannschaft gegen den FC Bayern München, den Titelverteidiger der Champions League, einen Punkt gewonnen hätte. Es stand 1:1, als Joshua Kimmich in der 79. Minute mit einem Kunstschuss das Spiel entschied – 2:1 (1:0). „Es war nicht unser bestes Spiel“, sagte Kimmich hinterher. Da hätte vermutlich auch Müller nicht widersprochen.

          Am zweiten Spieltag der Champions League musste auch die momentan beste Fußballmannschaft der Welt erleben, warum der Wettbewerb in Europa so herausfordernd ist wie noch nie. Es kommt nämlich nicht mehr nur darauf an, gegen wen man spielt, sondern wo. Als Hansi Flick und seine Spieler vor einer Woche im eigenen Stadion gegen Atlético Madrid antraten, fehlten dort die Fans, aber unter dem Einfluss des Virus hatten sie trotzdem einen Heimvorteil: Sie mussten sich nicht mit zwei Risikogebieten beschäftigen, sondern nur mit einem.

          Das änderte sich nun. Am Montag flogen sie von München nach Moskau, von Hotspot zu Hotspot. Vor dem Abflug deutete Müller an, was auf ihn und seine Reisegruppe zukommt: Raus aus dem Flieger, rein in den Bus, ab ins Hotel und am Tag danach ins Stadion. Immer auf der Hut.

          Auf dem Rasen passten Müller und seine Mitspieler nicht immer ganz so gut auf. Schon in der dritten Minute, als Anton Miranchuk den Ball in den Strafraum flankte, rückten die Verteidiger der Münchner zu früh heraus. Auf einmal konnte Fedor Smolov aus fünf Metern aufs Tor köpfen, aber der Ball flog in die Arme von Manuel Neuer. Das war schon die beste Chance der Russen in der ersten Halbzeit. Danach übernahmen die Bayern die Kontrolle. Sie spielten mit der Elf, die am ersten Spieltag die Abwehrspezialisten von Atlético auseinandergenommen hatte (4:0).

          In Moskau überrumpelten sie Lokomotive innerhalb von zwölf Minuten zweimal mit dem demselben Spielzug: Corentin Tolisso flankte den Ball halbhoch von der linken auf die rechte Seite, wo der Außenverteidiger Benjamin Pavard in den Strafraum stürmen konnte, weil Thomas Müller in die Mitte rannte und den Raum hinter sich öffnete. Dort beförderte Pavard den Ball im Springen in die Mitte. In der 13. Minute nutzte Leon Goretzka diese Vorlage für das 1:0. Er köpfte den Ball ins kurze Eck. In der 25. Minute traf Kingsley Coman nur den Pfosten.

          Viele Chancen ließ Lokomotive aber auch nicht zu. „Sie haben das nicht schlecht gemacht“, sagte Kimmich. Neuer stimmte ihm zu: „Sie standen kompakt.“ Und trotzdem gab es in der zweiten Halbzeit gute Gelegenheiten für das 2:0. In der 57. Minute blockte Slobodan Rajković einen Schuss von Kimmich aus fünf Metern. In der 69. Minute schoss Coman nach einem Doppelpass mit Kimmich knapp über das Tor. „Wir müssen das Spiel früher entscheiden“, sagte Kimmich. Die Strafe folgte: Auf der rechten Seite rannte Zé Luis den Bayernverteidigern davon und passte den Ball in die Mitte, wo Miranchuk ihn flach ins Tor schoss (70.). Danach war München „in der Bredouille“, wie Neuer sagte.

          Doch Kimmich änderte das ein. Vor dem Strafraum von Lokomotive stoppte er einen Ball so, dass er einmal aufhüpfte und knallte ihn dann mit perfekter Schusstechnik flach ins linke Eck (79.). So konnte Neuer sagen: „Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis.“

          Champions League

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