https://www.faz.net/-gtm-9910e

Ein 0:0 gegen Sevilla reicht : Bayern erkennen die Zeichen

  • -Aktualisiert am

Ziel erreicht, auch ohne Glanz und Gloria: Bayern München steht im Halbfinale der Champions League Bild: dpa

Im Gegensatz zu anderen Topklubs erreichen die Bayern das Halbfinale der Champions League. Das Scheitern der anderen nehmen sie als Warnung, noch nicht an das Endspiel zu denken.

          2 Min.

          Der letzte, der an diesem Champions-League-Abend beim FC Bayern leiden musste, war Javier Martinez. Den Mittelfeldspieler hatte es an der Seitenauslinie erwischt, direkt vor der Bank des Gegners. Die Aktion hat Spuren hinterlassen, ein stark geprelltes Knie auf jeden Fall. Zuvor war ein paar Mal Robert Lewandowski an der Reihe gewesen. Auch er nahm ein schmerzhaftes Andenken mit in die Nacht. Schon während des Spiels hatte er das lädierte Jochbein mit Eis gekühlt, später verließ er die Münchner Arena mit einem großen Wundpflaster im Gesicht. „In der Champions League“, stellte Kapitän Thomas Müller fest, „wird mit harten Bandagen gekämpft.“

          Champions League

          Die Bayern lagen in diesem Viertelfinalrückspiel gegen den FC Sevilla gelegentlich am Boden, aber nie im übertragenen Sinne. Im Gegensatz zu anderen europäischen Topklubs haben sie eine gute Ausgangsposition trotz ein paar Nachlässigkeiten in der Abwehr souverän verteidigt, stehen nun zum siebten Mal in neun Jahren im Halbfinale der Champions League und haben sich zum ersten Mal seit 2013 wieder in der K.o.-Runde gegen eine spanische Mannschaft durchgesetzt.

          Sogar der sonst eher kritische Trainer Jupp Heynckes hatte nichts daran auszusetzen, dass es am Ende nur zu einem glanzlosen 0:0 reichte. „Meine Mannschaft hat eine überragende kämpferische Leistung gezeigt und sich nie aus der Ruhe bringen lassen“, fand er. Auch Präsident Uli Hoeneß konnte mit Blick auf das Geschehen bei den anderen Viertelfinalbegegnungen gut auf ein Fußballspektakel verzichten. „Wenn man gesehen hat, was in Rom und Madrid passiert ist, war es richtig, nicht ins offene Messer zu laufen“, sagte er in Anspielung auf das Ausscheiden von Barcelona am Tag zuvor und die Beinahe-Blamage von Real Madrid im gleichzeitig stattfindenden Duell mit Juventus Turin.

          Vielleicht war es tatsächlich die richtige Mischung  nach dem 2:1-Sieg vor gut einer Woche. Zumindest in der zweiten Hälfte, vor der Pause, gab Joshua Kimmich zu, seien sie „viel zu passiv und bei weitem nicht konzentriert genug“ gewesen. Die Münchner haben die Partie kontrolliert, den Gegner in der eigenen Hälfte und gelegentlich vor allem mit den agilen Franck Ribéry und Arjen Robben auch vor dem Tor beschäftigt, wenngleich sie die Angriffe, wie Jerome Boateng zugab, „nicht zielstrebig zu Ende gespielt haben“ oder die Präzision im Abschluss gefehlt hat. „Wir wussten, worum es geht und waren gut vorbereitet“, fand Müller. „Vielleicht ist so ein 0:0 kein richtiger Leckerbissen, aber es mehr wert, als man glaubt.“

          Die Spielweise der Spanier kam ihnen allerdings entgegen. Statt wie im Achtelfinale bei Manchester United druckvoll zu agieren, fiel Sevilla dieses Mal nicht sehr viel mehr ein, als hart in die Zweikämpfe zu gehen, die mit drei Gelben Karten und einem Platzverweis für Joaquim Correa für das rüde Foul an Martinez kurz vor Schluss bestraft wurden. „Er ist normalerweise ein fairer Spieler. Ihm sind alle Sicherungen durchgebrannt“, sagte Heynckes.

          Gezeichnet, aber nicht geschlagen: Robert Lewandowski und die Bayern.

          Nach dem Hinspiel war nicht zu erwarten gewesen, dass der FC Sevilla dem deutschen Rekordmeister im eigenen Stadion die Grenzen aufzeigen würde. Dass die Bayern seit der Rückkehr von Heynckes noch auf keinen Gegner auf Augenhöhe begegnet sind in dieser Champions-League-Saison, spielt für Müller keine Rolle. „Wir hatten sicher noch keinen Vergleich mit den ganz großen Top-Mannschaften“, gibt er zu. „Aber wir wissen, was wir können. Wir kennen unsere Stärken und Schwachen. Aber wir wissen auch, was die anderen können.“  

          Von den Favoriten auf den Gewinn des Henkelpotts ist in Real Madrid nur noch einer übrig geblieben, aber Müller sieht die beiden anderen möglichen Halbfinal-Gegner AS Rom und FC Liverpool  nicht als angenehmere Aufgaben. „Man hat ja gesehen, dass große Namen keine Rolle spielen. Keiner spielt perfekt. Alles ist möglich. Aber wir sind gierig.“ Für Heynckes sind die Ergebnisse im Viertelfinale eine Warnung, nicht jetzt schon an das Endspiel in Kiew zu denken. Das Scheitern von Manchester City und Barcelona zeige, sagt der Bayern-Trainer, „dass man das Fell des Bären nicht zu früh verteilen sollte“. Nicht vor dem 26. Mai, dem Tag des Finales.   

          Der Schiedsrichter hatte alle Hände voll zu tun.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Für jene, die nichts erben, wird das Eigenheim wohl oft ein unerfüllter Traum bleiben.

          Finanzierung : Eigenheime und Aktien sind Granaten

          Sollte man Hauskredite so langsam abbezahlen wie möglich und das Geld lieber in Aktien stecken? Wer so handelt, braucht starke Nerven. Wer die nicht hat, sollte anders vorgehen.
          Unser Autor: Johannes Pennekamp

          F.A.Z.-Newsletter : Französische Tristesse am Nationalfeiertag

          Am wichtigsten Feiertag des Landes will Emmanuel Macron das französische Volk nach dem Corona-Chaos wieder hinter sich bringen. Wie er das schaffen will und was sonst wichtig wird, steht im Newsletter für Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.