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3:0 beim FC Chelsea : Die Bayern wie in ganz alten Zeiten

Beflügelt: die Bayern-Stürmer Gnabry und Lewandowski glänzen in London. Bild: EPA

Die Bayern geben beim FC Chelsea eine beeindruckende Vorstellung – und machen mit dem 3:0 das Rückspiel im Achtelfinale der Champions League zur Formsache.

          3 Min.

          Beim Abschlusstraining vor dem Abflug am Montag in München sangen die Spieler des FC Bayern ihrem Trainer ein Ständchen. Das noch bessere Geschenk hatten sie sich für den Tag darauf, für die Dienstreise nach London, aufgehoben. Dort hat sich der deutsche Meister am Dienstagabend mit einem überlegen herausgespielten 3:0-Sieg beim FC Chelsea eine überragende Position für das Erreichen des Viertelfinals der Champions League im Rückspiel in München in drei Wochen gesichert und zugleich die makellose Bilanz der Bundesliga komplettiert, deren sechs Vertreter zu Beginn der K.o.-Runde in Champions und Europa League allesamt ihre Hinspiele gewonnen haben.

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          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Die beiden ersten Tore für die Bayern schoss Serge Gnabry (51./54. Minute), der damit seine unglaubliche Trefferserie bei Spielen in London fortsetzte – im Oktober hatte er beim 7:2 gegen Tottenham vier Tore erzielt, ebenfalls alle in der zweiten Halbzeit. Den Endstand vervollständigte Robert Lewandowski (76.).

          „Wir müssen mutig und selbstbewusst auftreten“ und „ein Zeichen setzen“, hatte Flick verlangt. Auch Mittelfeldspieler Joshua Kimmich forderte einen forscheren Auftritt als im Achtelfinal-Hinspiel vor einem Jahr beim FC Liverpool. „Wir waren damals mit dem 0:0 zufrieden“, erinnerte Kimmich an die Partie, der das Aus durch ein 1:3 im Rückspiel daheim gefolgt war. „Diesmal wollen wir anders auftreten, das Spiel mehr in die Hand nehmen. Wir wollen hier mutig auftreten.“

          Der erste Beweis brauchte nur vierzig Sekunden. Dann stellte Thomas Müller den 38-jährigen Willy Caballero erstmals auf die Probe, doch der argentinische Veteran, der den 80-Millionen-Euro-Einkauf Kepa aus dem Chelsea-Tor verdrängt hat, hielt sicher. An Sturm und Drang mangelte es auch danach nicht, doch fehlte den Bayern noch die Durchschlagskraft und Präzision gegen die dicht gestaffelte, physisch starke Abwehr der Londoner. Trainer Frank Lampard, beim Champions-League-Finaltriumph gegen die Bayern in deren Stadion in München 2012 noch Kapitän von Chelsea, sah sich zuletzt mit seinem von Verletzungen wie der des französischen Weltmeisters Kanté oder des früheren Dortmunder Pulisic gebeutelt, verteidigte aber mit seiner Elf am Samstag Platz vier der Premier League mit einem 2:1 gegen Tottenham. Er setzte wieder auf das dabei erfolgreiche Defensivrezept, eine Fünferkette, gegen die die Bayern sich jedoch nach und nach immer bessere Chancen erarbeiteten.

          Kingsley Coman traf aus der Distanz das Außennetz (10. Minute), Robert Lewandowski den Kopf von Caballero (15.), der dann gleich zwei Mal knapp vor dem polnischen Torjäger retten konnte (26./28.). Am knappsten aber verfehlte dann Müller gleich zwei Mal das gesteckte Ziel, ein Auswärtstor von der Reise mitzubringen. Einen feinen Diagonalschuss schraubte er hauchzart am Pfosten vorbei (29.), und nach Flanke von Serge Gnabry scheiterte er mit einem Uwe-Seeler-Gedächtniskopfball, der von seinem Hinterkopf an die Latte prallte (35.). Die größte Gefahr auf der anderen Seite des Spielfeldes ging von einem fehlerhaften Abspiel des Bayern-Torwarts Manuel Neuer aus, der damit nach 34 Minuten Alarm im eigenen Strafraum auslöste – am Ende segelte die folgende Hereingabe von Mason Mount aber an allen vorbei.

          Nach der Pause war es dann vorbei mit bayrischer Großzügigkeit vor dem eigenen und dem gegnerischen Tor. Und Lewandowski und Gnabry begannen ein unwiderstehliches Duett aufzuführen. Gnabry stürmte zentral Richtung Strafraum, spielte Lewandowski an, der sich links hinter die Abwehr geschlichen hatte, und statt selbst den Abschluss gegen den herauskommenden Torwart zu suchen, spielte der Torjäger den Ball quer in den Lauf des Sturmkollegen, der ihn zum 0:1 ins leere Tor drückte. Nur drei Minuten später fast dasselbe Spiel, ein Präzisionsangriff im Höchsttempo – Lewandowski schob den Ball perfekt in den diagonalen Laufweg Gnabrys, und der traf präzise zum 0:2 flach ins lange Eck.

          Neuer hatte es schon am Freitag geahnt. Nachdem Gnabry beim 3:2 gegen Paderborn in seinem 100. Bundesligaspiel seinen 41. Treffer erzielt und zudem beide Tore von Lewandowski vorbereitet hatte, stellte der Torwart fest: „Er macht sich langsam warm für die Champions League.“

          Auch Lewandowski durfte noch sein Tor erzielen und endlich seine zwei Jahre und siebeneinhalb Partien andauernde Torlos-Serie in K.o.-Spielen der Champions League beenden – in deren beiden letzten Vorrunden er dagegen 18 Tore in zwölf Spielen erzielt hatte. Außenverteidiger Alphonso Davies, die Entdeckung der Saison in München, ließ auf der linken Seite drei Gegenspieler stehen, spurtete bis zur Torlinie und legte den Ball quer auf Lewandowski, der ihn ins leere Tor drückte. Für einen Ellbogenschlag ins Gesicht des Polen erhielt der frustrierte Marcos Alonso wenig später die Rote Karte – Schlusspunkt einer immer einseitigeren Partie, die das Rückspiel zur Pflichtübung degradieren dürfte. Die Reaktion der beiden Gegner ließ daran kaum Zweifel: Die roten Bayern feierten Fußball-Fasching, für die blauen Engländer begann dagegen ein trister Aschermittwoch.

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