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Champions League : An der Grenze zur Perfektion

  • -Aktualisiert am

Strahlemänner: Immobile und Aubameyang genießen den Abend. Bild: AP

Nach der 0:2-Niederlage in der Gruppenphase der Champions League staunt der FC Arsenal über die Dortmunder Pressingkünstler. Vor allem die Offensivkräfte des BVB präsentierten den Zuschauern ein Fußballfest auf hohem Niveau.

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          Kommunikation ist alles, sagen manche Leute, vor allem solche, die in der Kommunikationsbranche arbeiten. Grundsätzlich mag dieser Befund zutreffen. Aber es gibt Ausnahmen, etwa bei Borussia Dortmund. Zwischen Jürgen Klopp, dem wortgewandten BVB-Trainer, und Ciro Immobile, dem Italienisch sprechenden Profi, lässt sich aufgrund der Sprachbarriere (noch) nicht viel bereden. Mit Ciro könne er nicht viel sprechen, „außer avanti“, sagt Klopp. Avanti aber ist schon ein gutes Stichwort, wenn es darum geht, die furiose Leistung beim 2:0 gegen Arsenal London zu würdigen. Die Borussen waren schnell unterwegs. Gemeinsam mit seinem Sturmpartner Pierre-Emerick Aubameyang schlug Immobile ein Tempo an, das den englischen Klub in Erstaunen versetzte. Es passte zum Gesamteindruck einer außergewöhnlichen Mannschaftsleistung, dass die beiden Stürmer als Torschützen und auch sonst die Hauptrollen besetzt hatten.

          Die Art und Weise, wie Immobile das erste Tor erzielte, illustrierte die Überlegenheit des BVB. Der Angreifer sprintete über den halben Platz, ließ mit den Füßen eine Rechts-Links-Rechts-Kombination folgen und vollendete zum 1:0. Wie er mit dem rechten Fuß den eigenen linken anschoss, von wo der Ball wieder auf den rechten prallte, gehörte zu Höhepunkten des Fußballfestes zum Auftakt der Gruppenphase in der Champions League. War es ein Versehen oder einfach nur genial? Klopp beeilte sich festzustellen, diese Einlage sei nicht etwa vom Zufall gelenkt, sondern Ausdruck planvollen Handelns gewesen. „Das war ein Trick, das war eindeutig gewollt“, sagte er. Und es war das erste Pflichtspieltor für Immobile, ein besonders wertvoller Treffer also, gerade für einen Stürmer, dem schon Zweifel begegneten, ob die Ablöse von mehr als achtzehn Millionen Euro gerechtfertigt sei, um den Schützenkönig der Serie A aus Turin abzuwerben.

          Immobile konnte jedes Tempo mitgehen

          Neuen Angreifern fällt es, unabhängig von der Person, nicht leicht, sich in Dortmund zurechtzufinden. Das Pressing und das schnelle Umschaltspiel ist nicht jeder gewohnt. Diese Erfahrung musste in seinem ersten Dortmunder Jahr auch Robert Lewandowski machen, der inzwischen als einer der besten Stürmer der Welt gilt und nun für die Bayern kickt. Auch Immobile musste sich von Experten schon fragen lassen, ob er mit seiner vermeintlich auf den Strafraum fixierten Spielweise als Nachfolger Lewandowskis geeignet sei. Bei der Gala gegen Arsenal gab er die Antwort, nicht nur beim Torschuss. Er war mittendrin im Offensivspiel und konnte jedes Tempo mitgehen. Klopp bescheinigt ihm, „einen richtigen Sprung“ gemacht zu haben.

          Der Grund dafür könnte in der Teilnahme an den Länderspielen der italienischen Nationalmannschaft liegen. Immobile, in Dortmund anfangs ein Fremdkörper, kehrte als Torschütze von der Squadra Azzurra zurück. „Das Tor gegen Holland tat gut. Außerdem war es wichtig zu merken, dass in Dortmund weiter fest an mich geglaubt wird“, sagte er. Dieses Gefühl hatte Klopp ihm in den beschwerlichen Anfangswochen stets gegeben. Gegen Freiburg hatte der Trainer ihn erst spät eingewechselt, mit der Aufstellung gegen Arsenal aber klargemacht, dass er auf den Mann setzt, den er länger als jeden anderen hatte beobachten lassen, ehe der BVB sich zu einer so hohen Ausgabe hat durchringen können.

          Ein erstarkter Immobile allein hätte jedoch nicht gereicht, ein solches Fußballfest auszurichten, von dem Klopp behauptete, es habe sich „nah an der Grenze zur Perfektion“ bewegt. In einem ausgeglichenen Team bedurfte es weiterer Kräfte, die Außergewöhnliches leisteten. Aubameyang etwa, der zweite Stürmer, gefiel nicht nur durch seine Schnelligkeit, sondern auch mit der Körperbeherrschung eines Turners, die ihm nach Großkreutz’ genialem Pass zum zweiten Tor verhalf. „Was Ciro und Auba vorne im Verbund abgezogen haben, hat zu vielen Fehlpässen des Gegners geführt, das war der Schlüssel zum Sieg“, sagte Klopp. Es war die erste Welle der Pressingmaschine, die Arsenal ins Visier nahm. So hatte der Dolmetscher es zunächst ins Englische übersetzt. Doch Klopp insistierte, es gehe auch um „Konterpressing“, das sei „very important“.

          Der Dritte im Dortmunder Bunde herausragende Spieler war Henrich Mchitarjan. Neben den anderen Offensivkräften stand der Armenier für das hohe Niveau auf dem Rasen, zeigte jedoch abermals Schwächen im Abschluss Doch darauf kam es gar nicht mehr an. Klopp nahm Mchitarjan in den Arm, drückte ihn an seine Brust und ließ ihn wissen, dass es in Zukunft noch häufig auf seine Treffsicherheit ankomme: „Ich habe ihm gesagt, er solle die Tore gefälligst machen, wenn wir sie dringend brauchen. Diesmal haben wir sie nicht gebraucht.“

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