https://www.faz.net/-gtm-8yscz

Champions League im Pay-TV : Eine Regelung von gestern für den Fußball von morgen

Champions League in Bern: Die Öffentlichen dürfen diese Bilder bald nicht mehr live zeigen. Bild: dpa

Bei großem Sport schaltet das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer häufiger ab. Dass Europas wichtigstes Fußballfinale dann nur noch bei deutscher Beteiligung frei empfangbar sein wird, ist schwach. Ein Kommentar.

          2 Min.

          Großer Sport – und das öffentlich-rechtliche Fernsehen schaltet ab. Von der Saison 2018 an verschwindet nun auch die Champions League für deutsche Fans und Gebührenzahler, sie wandert komplett ins Pay-TV und zu einem Streaming-Anbieter. Das ZDF wird nur noch ein letztes Mal dabei sein, wenn der FC Bayern München, RB Leipzig, Borussia Dortmund und vielleicht auch Hoffenheim nach der Sommerpause in der europäischen Königsklasse antreten werden. Zuletzt hatten ARD und ZDF schon die Rechte an der Nationalmannschaft auf dem Weg zur Europameisterschaft und auch zur Weltmeisterschaft an den Privatsender RTL verloren – und selbst die Olympischen Spiele sehen deutsche Sportfreunde künftig auch nur noch teilweise ohne zusätzliche Kosten bei Discovery und Eurosport.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Ein Grund zum Klagen, dass mit Fußball (und manchmal Olympia) nun eines der letzten deutschen Lagerfeuer vor dem Fernseher ausgetreten wird? Wohl kaum, angesichts der enormen Summe an Gebührengeldern, die mittlerweile nötig sind, um die Champions League wenigstens mit einer Partie pro Spieltag den Zuschauern wie bisher anbieten zu können. Zumal die ganz große Spannung und Klasse in den vergangenen Jahren, wenn sich die Bayern als Zuschauermagnet und Gruppenfavorit in der Vorrunde zuverlässig durchsetzten, immer wieder mal gefehlt hat.

          Ein Verlust an Gemeinsamkeit und Gemeinschaftlichkeit ist es natürlich trotzdem, wenn das Beste, was der Fußball zwischen Welt- und Europameisterschaften zu bieten hat, in kostenpflichtigen Nischen verschwindet. Denn ein Massenpublikum wie die Öffentlich-Rechtlichen werden Sky und die Streaming-Plattform DAZN auch als Monopolisten kaum vor die festen und mobilen Bildschirme locken. Für das dreijährige Rechtepaket bis 2021 werden Kosten, über die offiziell keine Angaben gemacht werden, von mehreren hundert Millionen Euro veranschlagt. In England hatte die Fußball-Medien-Auktion für diesen Zeitraum angeblich knapp 1,4 Milliarden gebracht.

          Finanzkraft Fußball: Höher, weiter, teurer

          Wer künftig Topfußball sehen will, muss zahlen. Das liegt ganz in der Logik der Kommerzialisierung und Internationalisierung des Sports, vor allem des Fußballs – und ihrem unstillbaren Hunger nach immer mehr und frischem Geld. Der Streaming-Dienst, der bisher für unter zehn Euro im Monat zu haben ist, zeigt andererseits auch, wie sich das Nutzerverhalten im Volkssport Fußball in den kommenden Jahren verändern dürfte: Ein individualisiertes und immer mobileres Publikum schaut Fußball, wo es ihm gerade passt.

          Unser Angebot für Erstwähler
          Unser Angebot für Erstwähler

          Lesen Sie 6 Monate die digitalen Ausgaben von F.A.Z. PLUS und F.A.Z. Woche für nur 5 Euro im Monat

          Zum Angebot

          Ein Trost bleibt auch in den neuen Fußballzeiten: Das Endspiel der Champions League muss für alle sichtbar bleiben. Das hat der Rundfunk-Staatsvertrag festgelegt. Das gilt aber nur dann, wenn eine deutsche Mannschaft im Finale steht. Diese Einschränkung ist allerdings ein großes Ärgernis: Dass ein europäisches Topereignis nur dann für Deutschland wichtig ist, wenn ein deutsches Team mitspielt, ist die große Schwäche dieses Staatsvertrags. Er kennt nur eine deutsche, aber immer noch keine europäische Öffentlichkeit. Das ist eine Regelung von gestern, die zu den neuen Zeiten im Fußball und in Europa längst nicht mehr passt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Christian Lindner hat bei der Grundrente bewiesen: Die FDP lebt. Hier spricht er bei einer Veranstaltung im Dezember 2017.

          Einigung auf Grundsteuer : Die FDP lebt

          Die FDP hat ihre Vetomacht im Bundesrat klug genutzt. Die neue Grundsteuer ist ungewohnt freiheitlich für Deutschland. Ein großes Manko des Steuer-Monstrums bleibt dennoch.
          Das Brexit-Abkommen sei nur ein erster Schritt, dem die Regelung des Verhältnisses zwischen der EU und dem Nichtmitglied Großbritannien folgen müsse, sagt Brexit-Chefunterhändler Michel Barnier.

          Ringen um den Brexit : Gibt es doch noch einen neuen Deal?

          Noch ist in den Brexit-Verhandlungen alles offen. Doch in Brüssel wird bereits mit Argusaugen verfolgt, wie sich jene Unterhaus-Abgeordneten positionieren, auf deren Unterstützung Johnson für ein Abkommen angewiesen ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.