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2:3 im Viertelfinale : Dortmunds große Moral nicht belohnt

  • -Aktualisiert am

Aubameyang und Dortmund hatten nicht das nötige Glück. Bild: EPA

Unter schwersten Umständen nach dem Anschlag auf den Bus verliert Dortmund das Hinspiel im Viertelfinale der Champions League gegen AS Monaco. Dabei hat der BVB auch viel Pech.

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          Am Morgen hatten die Fußballprofis von Borussia Dortmund mit ihren Vorgesetzten lange über das gesprochen, was am Abend auf sie zukommen würde beim Champions-League-Spiel gegen AS Monaco, nicht einmal 24 Stunden nach dem Attentat auf den Dortmunder Mannschaftsbus. „Wir haben das ganze Für und Wider diskutiert. Im Endeffekt bin ich der Mannschaft unheimlich dankbar, dass sie sich zur Verfügung gestellt hat“, sagte Hans-Joachim Watzke, der Vorsitzende der BVB-Geschäftsführung.

          „Es geht nicht nur darum, ein Fußballspiel zu absolvieren. Heute stehen die Demokratie und unsere freiheitliche Grundordnung auf dem Prüfstand. Die müssen wir stärken. Da leistet die Mannschaft heute einen weltweit beachteten Beitrag. Das ist das Allerwichtigste.“ Den erhofften Beitrag in Form von Toren und Punkten vermochten die Dortmunder aber letztlich nicht zu leisten. Trotz einer starken Leistung in der zweiten Halbzeit unterlag der BVB dem Tabellenführer der Ligue 1 im Viertelfinalhinspiel 2:3. Die Tore von Ousmane Dembélé (57. Minute) und Shinji Kagawa (84.) reichten nicht, den Rückstand noch auszugleichen. Zwei Tore von Kylian Mbappé (19./79.) und ein Eigentor von Sven Bender verschafften Monaco ein stabiles Fundament für das Rückspiel in einer Woche.

          Als alle elf Namen der Dortmunder Mannschaftsaufstellung verlesen waren, nannte Stadionsprecher Norbert Dickel noch den Namen eines Spielers, der gar nicht im Stadion war. Verbunden mit herzlichen Grüßen ins Krankenhaus rief er „Marc“! – und die große Mehrheit der knapp 66.000 Zuschauer schrie „Bartra!“. Der spanische Innenverteidiger war körperlich am schwersten getroffen worden von den drei Sprengsätzen, die tags zuvor bei der Anreise am Bus der Dortmunder Mannschaft explodiert waren. Bartra war noch in der Nacht an der rechten Hand operiert worden. Vor dem Anpfiff hatte sich auch Bartra an die Öffentlichkeit gewandt. Der Profi schickte via Twitter ein Foto, das seine unverletzte Hand mit hoch gestrecktem Daumen zeigte. Dazu schrieb er: „Wie ihr seht, geht es mir schon viel besser.“

          Die Dortmunder Fans beeindruckten mit einer Choreografie. Bilderstrecke
          2:3 im Viertelfinale : 2:3 im Viertelfinale

          Am Abend mussten Bartras kickende Kollegen wieder vor großem Publikum ihren Dienst verrichten. Diesmal hatte ein Ersatzbus, ein Duplikat des am Vorabend beschädigten Fahrzeugs, die Spieler pünktlich und unversehrt an ihren Arbeitsplatz gebracht – in ein Stadion, das von Polizeikräften noch stärker gesichert wurde als sonst, ohne dass dies für die Besucher beim Einlass spürbare Erschwernisse mit sich brachte. Bevor die BVB-Profis ihre offizielle Arbeitskleidung – schwarze Hose, gelbes Trikot – anzogen, hatten sie T-Shirts getragen, die mit einem aufmunternden Spruch für den spanischen Patienten bedruckt waren. „Mucha Fuerza!“ Viel Kraft!

          Viel Kraft brauchten auch die übrigen Profis, die am Mittwochabend zum Nachholspiel im größten deutschen Fußballstadion erschienen waren. Nach einer kurzen, unruhigen Nacht mussten sie, so gut es ging, versuchen, sich wieder auf Fußball zu konzentrieren. Thomas Tuchel hatte schon vor dem Spiel Verständnis für den Fall geäußert, dass dies dem einen oder anderen Spieler nicht gelingen sollte.

          Champions League : BVB dreht gegen Monaco zu spät auf

          „Wir hätten uns gewünscht, dass wir mehr Zeit bekommen hätten, das von gestern zu verarbeiten. Letztendlich wurde in Nyon in der Schweiz entschieden, ob gleich noch oder am nächsten Tag gespielt wird, ohne dass irgendwie das Ausmaß klar war“, sagte der Trainer des BVB in einem Fernsehinterview kurz vor dem Anpfiff. „Es gibt Spieler, die haben es lockerer weggesteckt. Aber es gibt auch Spieler, die hat es sehr mitgenommen. Die sind nachdenklicher. Es ist eine sehr gemischte Gefühlslage für alle.“ Die Fähigkeit, den Anschlag zu verarbeiten, hat in Tuchels Augen nichts mit Professionalität zu tun. „Profi bist du dann, wenn du für alle sportlichen Probleme eine Lösung findest. Gestern ist uns das als Menschen widerfahren, das steckt allen in den Knochen“, sagte der Trainer, deshalb habe er jedem Spieler „freigestellt, gegen Monaco zu spielen“.

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