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BVB verliert 1:3 : Real Madrid ist eine Nummer zu groß

Schon wieder zweifacher Torschütze: Ronaldo Bild: Reuters

Auch in der Champions League deutet Borussia Dortmund seine Klasse an. Doch zu einem Erfolg gegen die „Königlichen“ reicht das nicht. Bale und Ronaldo machen den Unterschied.

          3 Min.

          Längst nicht immer hält die Champions League, was der Name verspricht – vor allem in der zuweilen ermüdenden Vorrunde. In der Gruppe mit Londoner, Madrider und Dortmunder Beteiligung aber, so viel lässt sich schon nach zwei Spieltagen sagen, gibt es in dieser Saison einen ziemlich heißen Ball zu sehen. Mit dem Schönheitsfehler allerdings aus deutscher Sicht, dass die Borussia auf dem Weg in die K.-o.-Runde auf der Strecke zu bleiben droht. Niemand unter den knapp 66.000 Zuschauern im Dortmunder Stadion musste es am Dienstagabend bereuen, nicht nebenan, in der Westfalenhalle, zum Konzert von Helene Fischer gegangen zu sein.

          Der Tabellenführer der Bundesliga und der Titelverteidiger der Königsklasse boten allerbeste Fußball-Unterhaltung. Doch wie schon bei Tottenham Hotspur stand die Mannschaft von Peter Bosz am Ende mit einem 1:3 und mit leeren Händen da: Resultat eines optimistischen Fußballs, der toll anzusehen ist, aber auch Anfälligkeiten mit sich bringt, die eine Mannschaft wie Madrid zu nutzen versteht – diesmal in Person von Gareth Bale (18. Minute) und Cristiano Ronaldo, der in seinem 400. Spiel für Real seine Tormarke mit zwei Treffern auf sage und schreibe 411 schraubte (50. und 79.). Pierre-Emerick Aubameyang hatte zwischenzeitlich auf 1:2 verkürzt (54.), und eine Weile schien die Borussia das Momentum auf ihre Seite bringen zu können. Zum Schluss durften aber doch die Madrilenen den Sieg bejubeln, den ersten in Dortmund in der Champions League überhaupt, im siebten Anlauf.

          Applaus in eigener Sache: Bale traf formidabel ins Dortmunder Tor Bilderstrecke

          In der vergangenen Saison hatte es zwei Mal ein 2:2 gegeben, Dortmund gewann daraufhin die Gruppe, Real aber am Ende den Großen Preis, im Finale gegen Juventus. Auf ein 0:0 zu setzen, wäre auch in dieser Saison eine verwegene Wette gewesen – die ominöse Abschlussschwäche der Madrilenen in der Primera Divsion, wo sie sieben Punkte hinter Barcelona liegen, hin oder her. Nein, hier war Offensive Trumpf. Zinedine Zidane konnte auf Toni Kroos als Stratege im Mittelfeld bauen. Marcelo und Benzema hingegen fehlten. Damit schrumpfte der „BBC“-Sturm nominell auf Bale und Ronaldo. Doch das, so zeigte sich bald, musste für die Praxis nichts bedeuten, zumal Real auch noch über Anbahnungskünstler verfügt, die ihresgleichen suchen – wobei Kroos, zuletzt von Rippenbeschwerden geplagt, einen eher unspektakulären Tag erwischte, von Modric gingen deutlich mehr Impulse aus.

          Zidane hatte sein Team offenbar ermuntert, gegen das Dortmunder Pressing kühle Klasse zu setzen. Es war fast aufreizend, wie selbst Torwart Navas das Eins-gegen-Eins mit Aubameyang wagte. Der erhoffte Gewinn für die Madrilenen aber lag angesichts der phänomenalen Passqualitäten auf der Hand: hatten sie sich dem ersten Zugriffsversuch entzogen, brauchte es nur noch einen klugen Pass in die Tiefe, und schon wurde es brandgefährlich. Zwei Mal kamen die Borussen noch glimpflich davon. Nach zehn Minuten scheiterte Carvajal frei vor Bürki, nur wenig später brachte Piszczek bei Ronaldos Abspiel zu Bale gerade noch den Fuß dazwischen.

          Bosz hatte aus dem Reichtum seiner Möglichkeiten Sahin, Castro und Jarmolenko gewählt, die im Vergleich zum 6:1 gegen Mönchengladbach für Weigl, Dahoud und Pulisic begannen. Was die Dortmunder mit dem Ball können, hatten sie nicht nur in der Bundesliga, sondern auch schon in der Champions League gegen Tottenham gezeigt. Aber wie schon in London, als ihnen ein Tor von Aubameyang nach einem falschen Abseitspfiff verwehrt blieb, hatten sie wieder Pech. Als Sergio Ramos den Ball nach Philipps Schuss an die Hand bekam, hätte es gut und gerne Elfmeter geben können.

          Champions League
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          Statt Strafstoß setzte es für den BVB eine Strafe – in Form der Führung für Real. Diesmal war Carvajal der Initiator. Sein Zuspiel auf Bale wurde von dessen formvollendetem Finish noch übertroffen: per Direktabnahmen mit links fast in den Winkel. Dass die Führung bis zur Pause hielt, war in Ordnung. Die Dortmunder rappelten sich nach dem Tiefschlag zwar allmählich wieder auf und zeigten Anflüge von Gefährlichkeit. Zwingender aber sah es aus, wenn Real ins Rollen kam.

          Beruhigung brachte der Wechsel nicht – vielmehr Beschleunigung. 45 Minuten, in denen es mit offenem Visier zur Sache ging, mit einem Füllhorn an Möglichkeiten hüben wie drüben. Die Dortmunder verließ auch nach dem 0:2 durch Ronaldo nicht der Mut, und weil Aubameyang nach nur vier Minuten eine Antwort gelang – auf Vorarbeit von Castro –, lief es auf eine packende Schlussphase hinaus. Nach einer Stunde gab Bosz ein weiteres Signal zur Attacke: Er brachte Weigl und Dahoud für Sahin und Toljan, was eine Umstellung auf eine Dreierkette und noch mehr Offensivpower bedeutete. Später kam noch Pulisic für Götze. Doch den Punch setzte ein anderer, den sie auch in Dortmund zur Genüge kennen: Ronaldo mit dem 1:3.

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