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Champions League in Monaco : Zwei Männer für ein Dortmunder Märchen

  • -Aktualisiert am

Zurück bei Borussia Dortmund: Auf Marco Reus ruhen in Monaco die Hoffnungen. Bild: Picture-Alliance

In Monaco will der BVB das 2:3 aus dem Hinspiel noch drehen. Dabei setzen die Borussen vor allem auf Marco Reus – und einen anderen Spieler, der selbst seinen eigenen Trainer verblüfft.

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          Er kehrt zurück, als wäre er nie weg gewesen. Marco Reus fängt bei seinen zahlreichen Comebacks nicht etwa langsam an, sondern legt sogleich wieder im Eiltempo los. Am Samstag, knapp sechs Wochen nach dem Muskelfaserriss, den er beim 6:2-Sieg im Bundesligaspiel gegen Bayer 04 Leverkusen erlitt, startete der Borusse und gebürtige Dortmunder derart flott durch, dass er schon nach zwei Minuten das 1:0 beim 3:1-Ligaerfolg über Eintracht Frankfurt kunstvoll mit der Hacke erzielte. Ein Wow-Effekt, der eine Mannschaft erkennbar beflügelte, die vier Tage vorher durch ein Bombenattentat auf Spieler und Trainer traumatisiert worden war.

          Reus saß, weil noch nicht wieder vollständig genesen, nicht in dem Bus, der sich im Stadtteil Höchsten auf den Weg zum Dortmunder Stadion gemacht hatte, wo am vorigen Dienstagabend das Viertelfinalhinspiel der Champions League gegen AS Monaco zu einem Fußballfeiertag werden sollte. Drei Detonationen zerstörten die Vorfreude und trafen die Spieler ins Mark.

          Der Anschlag auf das Mannschaftsgefährt und damit auf die in ihm sitzenden Menschen löste eine Kettenreaktion aus: geschockte Sportler, ein verletzter Spieler, Marc Bartra, der später am rechten Arm operiert wurde, Spielabsage, Neuansetzung für den Tag darauf – und unterschiedlichste Reaktionen auf das, was an diesem schwarzen Abend geschehen und beschlossen worden war.

          Der Schütze des Führungstreffers für die Borussia erinnerte die rund 80.000 Zuschauer im Dortmunder Stadion daran, wie schön und leichtfüßig der Fußball auch in den Momenten, in denen Ablenkung gut tut, daherkommen kann. Zumindest, wenn einer wie Reus im Spiel ist, der einmal nach einem seiner vielen Rückschläge gesagt hat: „Es bringt nichts, sich im Leben auf Negatives zu fixieren..“ Am Abend vor der Partie in Monaco an diesem Mittwoch (20.45 Uhr / Live im ZDF, bei Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) sagte er: „Es gibt keine Angst, dieses Spiel zu bestreiten. Es ist gut, mal weg von zu Hause zu sein und ein anderes Umfeld zu haben. Das kann Energie freisetzen.“

          Nach dem Anschlag : „Ablenkung tut gut“: BVB geht optimistisch ins Rückspiel gegen Monaco

          Diesen Fußballliebhaber braucht der BVB auch an diesem Mittwoch, eine Woche nach der im Ausnahmezustand erlebten 2:3-Niederlage aus dem Hinspiel. „Die Chancen stehen immer noch 50:50“, sagte Reus am Dienstag. „Marco braucht keine Anlaufzeit und setzt viel Energie frei“, hatte sein Klubtrainer Thomas Tuchel schon vor dem Spiel gegen die Eintracht gesagt, als er nach einem seiner Lieblingsspieler gefragt worden war. Als der Außenangreifer mit dem Turboantritt und der exquisiten Fähigkeit zum Schnittstellenpass im passenden Augenblick endlich wieder auf seiner Bühne eine Hauptrolle spielen konnte, nahm ihn Tuchel verabredungsgemäß zur Halbzeit nach einem Treffer, 34 Ballkontakten und 25 Pässen aus dem Spiel, um Reus eine letzte Schonung vor dem Duell im Stade Louis II zu gönnen.

          Dort könnte er unter günstigen Umständen maßgeblich daran teilhaben, nach albtraumhaften Tagen und schlaflosen Nächten vielleicht doch noch ein Dortmunder Fußballmärchen wahr werden zu lassen. Das wäre dann nach Lage der Dinge ein Sieg mit zwei Toren Unterschied. Kaum zu glauben, aber nicht völlig ausgeschlossen. Es wäre erst sein 17. Pflichtspiel in dieser Spielzeit, die für ihn nach einer Schambeinentzündung am 26. November 2016 begann, als er beim 8:4-Sieg über Legia Warschau im Champions-League-Gruppenspiel wie gewohnt einen Raketenstart hinlegte – mit zwei Toren und drei Torvorlagen.

          Auch Nuri Sahin (links) ist bei den Dortmundern plötzlich wieder gefragt. Bilderstrecke
          Auch Nuri Sahin (links) ist bei den Dortmundern plötzlich wieder gefragt. :

          „Wir vermissen seine Ausstrahlung, seine Intensität“, hatte Tuchel kurz vor der Rückkehr seines Juwels gesagt, „er macht alle Spieler um sich herum besser.“ In Monte Carlo vielleicht sogar im Verbund mit Nuri Sahin, einer anderen Dortmunder Fußballinstitution, die zur zweiten Halbzeit in dem bis dahin fast irreal anmutenden Hinspiel gegen Monaco eingewechselt wurde und der Mannschaft die Impulse gab, um aus einem aussichtslos anmutenden 0:2-Rückstand nach 45 Minuten noch ein ermutigendes 2:3 mit der Hoffnung auf ein Happy-End im Rückspiel zu machen.

          Sahin hat sich wie Reus in den vergangenen Jahren mit langwierigen Verletzungen herumplagen müssen, die den defensiven Mittelfeldspieler fast ein wenig in Vergessenheit geraten ließen. Was dieser Sahin der Mannschaft aber immer noch geben kann, wenn er sich wohl und gesund fühlt, bewies er gegen die Monegassen so wie am Samstag gegen die Frankfurter bei seinem ersten 90-Minuten-Einsatz in dieser Saison.

          Der Deutsch-Türke war seinen vielen jungen Mitstreitern sowohl nach dem schwer zu verarbeitenden Attentat wie auch in den beiden Spielen danach ein fester Halt. „Er hat ein großes Standing in der Mannschaft und einen einfühlsamen, empathischen Charakter“, pries Tuchel zuletzt einen Profi, der in seinen Überlegungen keine richtungweisende Rolle mehr zu spielen schien. „Ich dachte nicht“, gibt Tuchel im Licht seiner jüngsten Erkenntnisse zu, „dass es möglich ist, nach so einer langen Pause so gut zu spielen. Nuri hat das widerlegt und mich eines Besseren belehrt.“

          Einen wie Sahin kann der Trainer von Borussia Dortmund in diesen schweren Tagen gut gebrauchen. „Es war schon so, dass ihn die Ereignisse am Dienstag schwer getroffen haben“, sagt Tuchel, „aber gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass er es schaffen kann, darauf eine Reaktion zu zeigen.“ Sahin tat es mit Bravour und hat damit seiner Mannschaft und sich selbst erkennbar geholfen.

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