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BVB-Spieler Manuel Akanji : Von der Hilfskraft zum High Potential

  • -Aktualisiert am

Manuel Akanji (links) kämpft um den Ball im Hinspiel gegen Ilkay Gündogan. Bild: dpa

Manche Kritiker glaubten nach einem Kreuzbandriss nicht mehr an die Karriere von Manuel Akanji. Heute gehört er zu den stabilsten Säulen des BVB – und steht gegen Manchester City im Blickpunkt.

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          Das Publikum im Dortmunder Westfalenstadion fehlt nicht nur, weil Fußball in diesem faszinierenden Bauwerk grundsätzlich viel schöner ist, wenn die Menschenmassen hier eine emotionale Intensität erzeugen, die jeden Anwesenden berühren muss. Die Leute fehlen auch wegen der leiseren atmosphärischen Strömungen, die in einem vollen Stadion spürbar sind. Als Resonanzboden für die Stimmung rund um die Mannschaft, die an diesem Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) gegen Manchester City um den Einzug ins Halbfinale der Champions League spielt.

          Champions League

          Dass Erling Haaland oder Marco Reus bewunderte Helden sind, ist klar, aber was halten die Anhänger derzeit wohl von Manuel Akanji? Betrachten sie den zuletzt starken Verteidiger weiterhin mit der alten Skepsis, die ihn lange begleitete? Oder wird wahrgenommen, dass der 25 Jahre alte Schweizer zwar immer noch kein grätschender Malochertyp, dafür aber eine der stabilsten Säulen im Dortmunder Mannschaftskonstrukt ist?

          Vielleicht ist Akanji gelungen, was er sich vor fünf Jahren auf den Unterarm tätowieren ließ. „Prove them wrong“ steht dort. „Beweise ihnen, dass sie falschliegen.“ Damals fühlte Akanji sich von Kritikern angegriffen, die seinen Wechsel von seinem Jugendklub FC Winterthur zum FC Basel für verfrüht hielten und die nach einem Kreuzbandriss nicht mehr an eine erfolgreiche Karriere des Sohnes einer Schweizerin und eines Nigerianers glaubten.

          Nun ist er auf einem vorläufigen Gipfel angelangt. Gegen Manchester wird Akanji womöglich gegen Sergio Agüero spielen müssen, „einen der besten Stürmer der letzten zehn, zwanzig Jahre“, wie er am Tag vor der Partie erklärte. Nervös macht ihn die Aussicht auf eine Begegnung nicht mehr, im Gegenteil. Die Freude auf den Showdown ist Akanji deutlich anzumerken. „Das ist das erste Mal für mich“, sagte er zu den Partien im Kreis der acht besten Teams des Kontinents. Im Viertelfinale zu stehen sei „ein unglaubliches Gefühl“.

          Womöglich wird Akanji sogar die Rolle des Abwehrchefs einnehmen, weil zuletzt noch unklar war, ob Mats Hummels nach seinen Kreislaufproblemen vom Wochenende bereit für einen Wettkampf sein würde. Auch der Einsatz von Marco Reus stand am Tag vor dem Spiel auf der Kippe. Definitiv noch keine Option für diesen Abend ist der zuletzt am Oberschenkel verletzte Jadon Sancho, der gerade wieder ins Training einsteigt. Edin Terzic ist dennoch zuversichtlich. „Wir haben gezeigt, dass wir gegen eine Topmannschaft wie Manchester bestehen können, dass wir sie ärgern können“, sagte der Trainer.

          Damit spielte er auf das starke Hinspiel an, das knapp 1:2 verlorenging und in dem der BVB nur wenige gegnerische Chancen zugelassen hat. Auch dank der starken Leistung Akanjis, dem in seinen ersten beiden Jahren in Dortmund immer wieder folgenschwere Fehler unterliefen. In besonders schmerzlicher Erinnerung ist vielen Anhängern eine Szene aus dem Mai 2019, als Akanji sich beim Versuch verschätzte, einen Ball ins Aus laufen zu lassen, wodurch nicht nur zwei Punkte in Bremen, sondern auch die guten Chancen auf den Meistertitel verspielt waren. Nun sagte Akanji in einem Gespräch mit dem Klubmagazin: „Die entscheidenden Fortschritte macht man im Kopf.“

          Fußballerische Lösungen

          Mit 25 ist er kein junger Profi mehr, seinem Spiel eine neue Reife anzusehen. Seine mitunter etwas riskanten Aktionen wirken nicht mehr überheblich, sondern kontrolliert und vor allem: Sie funktionieren. „Ziemlich komplett“ sei Akanji als Spieler, hat Sportdirektor Michael Zorc vor einiger Zeit gesagt, „er kann eine Abwehr dirigieren und die Höhe der letzten Linie situativ anpassen. Das macht ihn so wertvoll.“

          In Manchester fand er immer wieder fußballerische Lösungen gegen das gefürchtete Pressing der Engländer, das war beeindruckend. Dennoch halten sich Gerüchte über einen möglichen Verkauf des Schweizer Nationalspielers, der fasziniert ist von der englischen Premier League.

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          Als Ersatz werden Maxence Lacroix vom VfL Wolfsburg und Felix Uduokhai vom FC Augsburg gehandelt, wobei es derzeit wenige Gründe für den BVB gibt, Akanji gehen zu lassen, dessen Vertrag noch bis Mitte 2023 läuft. Diesen Spieler genau in dem Moment zu verkaufen, in dem er zur unumstrittenen Größe herangewachsen ist, würde dem künftigen Trainer Marco Rose sicher nicht gefallen.

          Gegen Emre Can, der nach eigener Aussage ebenfalls gerne neben Hummels in der Innenverteidigung spielen würde, setzt sich Akanji jedenfalls immer wieder durch, obwohl er nicht so ein spektakulärer Kämpfer ist wie der Kollege. Aber als Fußballer hat Akanji ein Niveau erreicht, das hervorragend zu so einem Viertelfinale in der Königsklasse passt.

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