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BVB-Gegner Inter Mailand : Wie eine sich häutende Schlange

  • -Aktualisiert am

Ambitioniert: Antonio Conte will Erfolge mit Inter Mailand. Bild: AFP

Viel Geld, hohe Ansprüche und neue Stars: Trainer Antonio Conte soll Inter Mailand zu alter Größe zurückführen. Und aus gleich mehreren Gründen könnte der italienische Fußballklub Borussia Dortmund gefährlich werden.

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          Man muss sich das einmal vorstellen. Der Schiedsrichter pfeift ein Foul, es gibt Elfmeter. Man nimmt sich den Ball, will anlaufen, sucht sich im Geiste schon die Ecke aus, in die man den Ball am Torwart vorbeibefördern möchte. Und dann? Landet ein Mann mit dem Gleitschirm auf dem Platz. Romelu Lukaku, der belgische Stürmer von Inter Mailand, hatte dieses Erlebnis am Sonntag während des Auswärtsspiels bei Sassuolo Calcio in der Emilia Romagna. Es liefen die letzten Minuten der ersten Halbzeit. Lukaku blieb trotz der Aufregung locker. Der Gleitschirmflieger wurde vom Platz geführt. Lukaku traf, und es stand 3:1 für Inter. Man kann das mentale Stärke nennen. Wenn man trotz widriger Bedingungen die Ruhe behält und seine Aufgabe als Stürmer erfüllt.

          Champions League

          Die Fußballmannschaft von Inter Mailand gleicht in diesen Tagen einer sich häutenden Schlange, schrieb die Zeitung „La Repubblica“. Dreimal belegte das Team in den vergangenen vier Jahren am Ende Platz vier in der Tabelle der Serie A. Seit 2016 ist der Verein in der Hand des chinesischen Unternehmers Zhang Jindong und seiner Suning Holdings Group. Wenn die Schlange Inter ihre alte Haut ganz abgestreift hat, dann sollen nach langer Durststrecke nicht mehr nur vierte Plätze, sondern endlich wieder Trophäen nach Mailand kommen. Dazu wurde vor Saisonbeginn Antonio Conte als Trainer verpflichtet, der sich nicht nur wegen seiner zahlreichen Erfolge mit Juventus Turin und dem FC Chelsea einen Namen gemacht hat, sondern auch, weil er bei jedem Spiel wie ein Rumpelstilzchen an der Seitenlinie Einfluss auf seine Spieler zu nehmen versucht. An diesem Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky), wenn Borussia Dortmund zum Gruppenspiel der Champions League in San Siro zu Gast ist, wird das wieder so sein.

          Conte wollte schon als Spieler immer gewinnen, seine Tochter hat er deshalb den Namen Vittoria gegeben. Manche empfinden das als rastlos, Fußballvereine reißen sich hingegen um den Coach. Conte wiederum riss sich im Sommer förmlich um einen Stürmer namens Lukaku, weil auch der immer gewinnen will. „Leute im Fußball lieben es, über mentale Stärke zu sprechen. Gut, ich bin der stärkste Typ, den du jemals treffen wirst“, sagte Lukaku, als er einmal über die Entbehrungen seiner Kindheit berichtete. Armut und Verzweiflung, dazu ein tiefverwurzelter Glauben seien der Antrieb für seinen Erfolgshunger. Insgesamt 75 Millionen Euro war dem Management um Sportdirektor Beppe Marotta die Verpflichtung wert, es war die teuerste der Vereinsgeschichte. Und langsam macht sie sich bezahlt. Fünf Treffer hat der Belgier in dieser Spielzeit bereits für Inter erzielt, beim 4:3-Sieg bei Sassuolo traf er zweimal.

          Für die Mannschaft kommt der Leistungsschub zum rechten Zeitpunkt. Der chilenische Flügelstürmer Alexis Sánchez, wie Lukaku von Manchester United gekommen, fällt wegen einer Knöchelverletzung lange aus. Auch auf den verletzten Spielmacher Stefano Sensi musste Conte verzichten. Sechs Siege in Serie fuhr Inter in der Serie A ein. In der Champions League hinkt das Team mit nur einem Punkt nach zwei Spielen hinterher. Erst musste sich Contes Team dem FC Barcelona und anschließend auch Juventus Turin geschlagen geben. Der Erzfeind übernahm die Tabellenführung in der Serie A. Man hatte schwer den Eindruck, dass die Mailänder trotz der offenbar schon anschlagenden mentalen Rosskur durch Conte noch einen weiten Weg zu gehen haben. Conte und Sportdirektor Marotta hatten zwischen 2011 und 2014 gemeinsam die Renaissance von Juventus Turin bewerkstelligt. Bei Inter haben sie gerade erst angefangen.

          Zu sehen war das auch im Liga-Spiel gegen Sassuolo. Beim Stand von 4:1 wechselte der frühere italienische Nationalcoach Stürmer Lautaro Martínez und Antonio Candreva nach knapp 70 Minuten aus. Martínez ist der andere Mann der Stunde bei Inter. Die Mannschaft hatte die Partie offenbar schon abgehakt, bekam zwei weitere Gegentore und riskierte sogar den Ausgleich. Beobachter führten das auf die eben noch nicht genügend ausgereifte mentale Stärke der Mannschaft zurück, die die „Conte-Gene“ nicht ausreichend verinnerlicht habe. „Wir brauchen noch etwas Geduld, bis die Mannschaft das Abbild ihres Trainers ist“, sagte Contes Stellvertreter Cristian Stellini.

          Dass der Coach selbst mit seinen Auswechslungen die falschen Signale gegeben haben könnte, gilt als ausgeschlossen. In dieser Hinsicht hatte auch Dortmund seinen Anteil am Beinahe-Zusammenbruch Inters. Conte wollte die Spieler im Hinblick auf die Champions League schonen. Seit der rebellische Stürmerstar Mauro Icardi nach Paris abgewandert ist, blüht Lautaro Martínez förmlich auf. Fünf Treffer gelangen ihm in zehn Partien, die Tifosi lieben den Argentinier. Wie Lukaku erzielte auch der 22-Jährige zwei Treffer gegen Sassuolo. „Ein Paar ist geboren“, schrieb die „Gazzetta dello Sport“ und taufte das Duo „LuLa“. Die Conte-Maschine läuft zwar noch nicht wie geschmiert. An einem schlagkräftigen Stürmer-Duett fehlt es Inter aber nicht.

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