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Juventus Turin : Ein letztes Hurra der großen Gladiatoren

  • -Aktualisiert am

Die Weltmeister Buffon, Barzagli und Pirlo wollen mit Juventus auch die Königsklasse gewinnen Bild: pixathlon / action images

Das Finale der Champions League am Samstag in Berlin gegen Barca ist für drei Spieler von Juventus Turin etwas ganz Besonderes. Sie wollen eine Durststrecke beenden – und kehren dafür zurück an den Ort ihres größten Triumphs.

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          Man kann wahrlich nicht behaupten, dass der begnadete Fußballer Andrea Pirlo ein typisch italienischer Ausbund an Ausgelassenheit sei. Selbst bei der Siegerehrung nach dem Gewinn des WM-Titels 2006 auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions wirkte der Mittelfeldspieler teilnahmslos wie eine Figur aus dem Wachsfigurenkabinett. Andrea Barzagli, der bei dem Turnier immerhin zweimal in der Abwehr eingesetzt wurde, hatte sich in Berlin eine Italien-Fahne um den Hals gebunden und hüpfte wie ein Rumpelstilzchen herum.

          Torwart Gianluigi Buffon genoss den Moment seines größten Erfolges, indem er seinen Stellvertreter Angelo Peruzzi abküsste. Szenen aus einer anderen Zeit. Eines der kuriosesten Bilder ist das, auf dem sich Weltmeister-Trainer Marcello Lippi kurz nach dem Schlusspfiff seine kurze toskanische Zigarre ansteckt.

          Diese Berliner Ikonographie spielt in Italien derzeit wieder eine Rolle, da die beschriebenen Helden allesamt ihre Bedeutung für Juventus Turin haben. Das Triumvirat Pirlo, Barzagli und Buffon steht mit „Juve“ an diesem Samstag im Finale der Champions League gegen den FC Barcelona (20.45 Uhr / Live im ZDF, bei Sky und im Ticker bei FAZ.NET). Zufälligerweise wird auch dieses Spiel auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions ausgetragen, dem Schauplatz ihres größten Erfolges. „Das wirkt wie die Ironie des Schicksals“, sagte Buffon.

          Der italienische Fußball und Juventus Turin haben eine Durststrecke hinter sich, die nun ausgerechnet in Berlin enden soll. Neun Jahre nach dem WM-Erfolg am selben Ort. Fünf Jahre nach dem letzten europäischen Triumph einer italienischen Mannschaft (Inter Mailand 2010). Und 19 Jahre nach dem letzten Champions-League-Titel für Juventus Turin, als ein gewisser Marcello Lippi die Mannschaft betreute. Der 67-jährige Lippi, der die letzten großen Erfolge von Juventus verkörpert, ist am Samstag nur Zuschauer.

          Mit sicherer Verteidigung gegen Barcelona

          Buffon (37 Jahre alt), Pirlo (36) und Barzagli (34) sind auch nicht mehr die Jüngsten, sie könnten im Finale aber alle auf dem Platz stehen. Während Kapitän Buffon und Spielmacher Pirlo gesetzt sind, war der Einsatz von Barzagli wegen eines Muskelfaserrisses gefährdet. Trainer Massimiliano Allegri geht aber von einem Einsatz des Routiniers aus, was wichtig ist, zumal Kollege Giorgio Chiellini in der Verteidigung schon passen muss.

          Barzagli, der mit dem VfL Wolfsburg 2009 die deutsche Meisterschaft gewann, wird oft während der Partie eingesetzt, sobald Allegri auf ein defensiveres 3-5-2-System umstellen lässt. Immer wenn Barzagli mit „Juve“ in der Champions League in der Dreier-Abwehrkette zum Einsatz kam, blieb die Mannschaft ohne Gegentor. Eine sichere Verteidigung dürfte gegen den FC Barcelona die Grundlage für einen Erfolg sein.

          Da kommt was auf Berlin zu: Die „Alte Dame“ aus Turin zeigt es nochmal allen

          Pirlos scheinbare Lethargie hat Juventus Turin in den vergangenen vier Spielzeiten zur alles bestimmenden Mannschaft in Italien werden lassen und den Klub letztlich auch an die europäische Spitze zurückgeführt. Der ehemalige Spieler des AC Mailand gehört in die Kategorie Fußballer, die wegen ihres Alters bereits abgeschrieben werden und dann doch noch einmal zu ungeahnter Größe finden.

          Beim Halbfinal-Rückspiel gegen Real Madrid im Bernabeu-Stadion applaudierte das Publikum bei seiner Auswechslung, eine Ehrerweisung für ein Gesamtkunstwerk. Pirlos letzte Auftritte in der Champions League steckten jedoch voller Abspielfehler, als sei er dem Niveau der Königsklasse nicht mehr ganz gewachsen. Der Italiener wird Juventus wohl nach dem Finale gegen Barcelona verlassen, vielleicht in Richtung Vereinigte Staaten, wo sich mit weniger Aufwand am Ende einer großen Karriere noch eine Handvoll Dollar verdienen lassen.

          Es gibt bereits einen Buffon-Nachfolger

          Angesichts des Umbruchs im Team versuchen die Verantwortlichen um Sportdirektor Beppe Marotta das Schicksal zu vermeiden, das Inter Mailand nach dem Triple 2010 ereilte. Das Team fiel auseinander und dümpelt bis heute im Liga-Mittelfeld herum. Der Abgang von Arturo Vidal ist wahrscheinlich, auch Paul Pogba wird heftig umworben. Die Mittelfeld-Lücke soll womöglich von Weltmeister Sami Khedira geschlossen werden, dessen Vertrag bei Real Madrid ausläuft. Für 32 Millionen Euro verpflichtete Juventus bereits den erst 21 Jahre alten Paolo Dybala von US Palermo.

          Auch für Buffon gibt es bereits einen Nachfolger. Juventus sicherte sich die Dienste des brasilianischen Torwarts Norberto Neto vom ACF Florenz. Aber Buffon, der bald 38 Jahre alte Kapitän, der „Juve“ bereits seit 2001 die Treue hält und noch einen Vertrag bis 2017 hat, tritt gelegentlich so auf, als erlebe er gerade nicht den Herbst, sondern vielmehr den Frühling seiner Karriere.

          Als sie noch jung waren: Die Weltmeister von 2006 vor dem Finale gegen Frankreich

          „Manchmal wirkt das alles irreal“, sagte Buffon über die Erfolge des aktuellen Teams. Dem ehemaligen Welttorhüter fehlt in seiner Titelsammlung neben dem Europameistertitel nur noch der Gewinn der Champions League. Beim Elfmeterschießen im Finale 2003, übrigens gegen Pirlo und den AC Mailand, hielt Buffon zwei Strafstöße, aber das reichte nicht. Milan-Keeper Dida parierte damals drei. Ironie des Schicksals?

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