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„Wahnsinn, Wahnsinn!“ : Blutige Nase für schwaches Mönchengladbach

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Deutlich unterlegen: Borussia Mönchengladbach um Matthias Ginter (unten) beim Spiel in Madrid Bild: Reuters

Gegen Real Madrid kommt die Borussia in der Champions League kräftig unter die Räder – und das große Ziel Achtelfinale ist in höchster Gefahr. Doch Minuten nach dem Schlusspfiff jubelt Mönchengladbach trotzdem über einen bislang historischen Erfolg.

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          Die Leistung der zuvor so spektakulär spielenden Gladbacher war an diesem Abend nicht besonders überzeugend, 0:2 verloren sie bei Real Madrid. Sie waren chancenlos gewesen, und eigentlich waren die meisten Beobachter davon ausgegangen, dass der Bundesligaklub bei einer Niederlage wohl ausscheiden würde. Weil jedoch Inter Mailand nur 0:0 gegen Schachtar Donezk spielte, verpassten sowohl die Italiener als auch die Ukrainer die Chance, Mönchengladbach in der Tabelle zu überholen (und Inter sogar die Teilnahme an der Europa League). Ein enttäuschendes Fußballspiel des Teams von Trainer Marco Rose mündete deshalb doch noch in den Jubel über den erstmaligen Einzug ins Achtelfinale der Champions League.

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          „Wahnsinn, Wahnsinn!“, jubelte Kapitän Lars Stindl anschließend bei DAZN. „Es war eigentlich unser schwächstes Spiel in der Vorrunde und wir kommen trotzdem weiter. Das haben wir uns verdient mit unseren starken Leistungen zuvor. Herausragend.“ Zuvor hatten sie jedoch 90 Minuten lang gelitten.

          Schnell war zu sehen, dass Real an diesem Abend mit maximaler Ernsthaftigkeit spielen würde. Trainer Zinedine Zidane hatte von einem „Finale“ gesprochen, woraufhin Mittelfeldspieler Casemiro ergänzt hatte: „Endspiele sind nicht dazu da, gespielt zu werden, sondern um gewonnen zu werden.“ Und genauso spielte Real auch. Das Pressing wirkte erdrückend, das Passspiel war präzise, früh stand es 1:0. Nach einem Fehlpass von Lars Stindl hatte Lucas Vasquez viel Platz für eine Flanke, im Zentrum traf Karim Benzema aus sieben Metern zu einfach per Kopf.

          Madrids Überlegenheit wurde danach zweitweise erdrückend. Entlastung bekamen die Gladbacher nur selten hin, nur einmal wurden sie vor der Pause richtig gefährlich. Nach einem schönen Pass von Florian Neuhaus tauchte Alassane Pléa fast unbedrängt vor Real-Torhüter Thibout Courtois auf, schoss jedoch knapp neben den Pfosten (25.). Das war ein Moment, in dem die Partie eine neue Richtig hätte bekommen können, aber es war nicht der Abend der Borussia, zumindest nicht in Madrid.

          Die Gladbacher spielten seltsam gehemmt und eingeschüchtert, als sei so ein entscheidendes Spiel gegen einen Giganten der Königsklasse doch eine Nummer zu groß für diese Mannschaft.„Wichtig wird, die Flügel zu verteidigen, da kommen sie immer zu zweit“, hatte Trainer Rose noch unmittelbar vor dem Anpfiff im TV-Interview gesagt. Als das Spiel dann lief, konnte der spanische Meister immer wieder beinahe ungestört flanken, vor allen Dingen auf der linken Gladbacher Abwehrseite. Von dort bereitete Vasquez das 1:0 vor, von hier lieferte Rodrygo die Vorarbeit zum 2:0: Wieder traf Benzema aus kurzer Distanz per Kopf (32.).

          Es war nun das eindeutig schwächste Spiel der Gladbacher im laufenden Wettbewerb. Torhüter Yann Sommer bugsierte noch einen Schuss von Luca Modric an den Pfosten (39.), ein Treffer für Real wurde aufgrund einer Abseitsstellung annulliert (43.). Die völlig unterlegenen Gladbacher hatten noch Glück, zur Halbzeit nicht noch deutlicher zurück zu legen.

          Wie ausgewechselt: Real Madrid
          Wie ausgewechselt: Real Madrid : Bild: dpa

          So langsam mussten sie beginnen, auf das passende Ergebnis in der anderen Begegnung der Gruppe zu hoffen, in dem es auch nach einer Stunde noch 0:0 zwischen Inter Mailand und Schachtar Donezk stand. Und bei einem Unentschieden zwischen diesen beiden Klubs, wäre die Borussia auch bei einer Niederlage weiter gewesen.

          Nach der Pause wurden die Gladbacher dann etwas stabiler, aber Real blieb gefährlicher. Benzema traf noch die Unterkante der Latte (73.), Vasquez schoss an den Pfosten (79.). Es war zwischenzeitlich eine Demonstration der Macht, aber in Mailand blieb es tatsächlich beim rettenden 0:0.

          Die Reise der Borussia in dieser speziellen Champions League-Saison geht also weiter, was jenseits dieses schwachen Spiels vom Mittwochabend eine großartige Leistung ist in dieser schwierigen Gruppe mit Mailand, Madrid und Donezk. Es war ja viel spekuliert worden über den Mangel an Reife und Erfahrung im Vergleich zu den Dauergästen in der Königsklasse, mit denen sie sich messen mussten. Aber der Mut, mit dem die Mannschaft in den ersten vier Partien Spielen aufgetreten ist, wurde am Ende doch noch belohnt.

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