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Niederlage in Champions League : Aus der Traum für den BVB

  • -Aktualisiert am

Im Mittelpunkt: Emre Can verursachte einen Handelfmeter, mit dem auf dem Rasen nicht alle einverstanden waren. Bild: AFP

Keine „Weltsensation“: Dortmund gelingt im Viertelfinal-Rückspiel gegen Manchester City ein fulminanter Auftakt, am Ende aber muss sich der BVB geschlagen geben. Eine Szene sorgt für Diskussionen.

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          Wirklich groß war der Niveauunterschied nicht während der beiden hoch intensiven Viertelfinalduelle zwischen Manchester City und Borussia Dortmund. Doch nach zwei wunderbaren Fußballspielen ist mit dem BVB auch der letzte deutsche Europapokalvertreter aus den Wettbewerben ausgeschieden. Das 1:2 gegen die Engländer war nach dem 1:2 im Hinspiel zu wenig. Aber die Dortmunder waren gar nicht so weit weg gewesen von der „Weltsensation“. Diesen Begriff hatte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke für das Szenario eines Halbfinaleinzuges verwendet.

          Champions League

          Begonnen hatte der BVB nämlich hervorragend. Das 1:0 war in seiner Entstehung zwar etwas glücklich, als ein abgeblockter Schuss von Mahmoud Dahoud vor den Füßen von Jude Bellingham landete, der aus 14 Metern in den Winkel traf (15.). Doch der derzeit so formstarke Teenager krönte mit dieser großartigen Aktion eine beinahe perfekte Anfangsviertelstunde.

          Die Dortmunder bauten das Spiel mit viel Mut aus der eigenen Hälfte auf, Manchester bekam keinen Zugriff mit seinem Pressing. Der Respekt der Engländer war deutlich zu spüren. Weil sie merkten, wie gut der BVB spielte. Aber sicher auch, weil ihre Köpfe arbeiteten. Denn der Klub leidet unter einer Art Champions-League-Fluch, seit Pep Guardiola in Manchester unter Vertrag steht.

          2016 übernahm der legendäre Trainer den englischen Topklub, dem mehr Geld zur Verfügung steht als fast jedem anderen Verein. Mit dem klaren Ziel, die Champions League zu gewinnen. Einmal schied er seither im Achtelfinale aus, drei Mal im Viertelfinale. Diese lange Serie des Scheiterns wollten die Dortmunder zu einem eigenen psychologischen Vorteil machen.

          Der Druck wurde größer

          Aber das zuletzt immer wieder als beste Mannschaft der Welt etikettierte Ensemble von der Insel begann nach dem Rückstand, sich energisch zu wehren. Der Druck wurde immer größer, und nun unterliefen den Dortmundern auch Fehler. Mateu Morey vertendelte einen Ball am eigenen Strafraum, woraufhin Kevin De Bruyne aus 15 Metern an die Latte schoss. Nach einem Moment des Chaos im Strafraum des BVB kam Riyad Mahrez aus kurzer Distanz zum Abschluss, scheiterte aber an Torhüter Marvin Hitz (32.). Und Erling Haaland ganz vorne wartete immer vergeblicher auf Bälle.

          Der Norweger, über den intensive Transfermarktdebatten geführt werden, befindet sich gerade in einem Torjägertief. Seit sieben Partien hat er nicht mehr getroffen, vier Mal mit dem BVB, drei Mal mit der Nationalmannschaft. Die beiden Spiele gegen Manchester waren die beiden einzigen Partien der laufenden Champions-League-Saison, in denen ihm kein Tor gelang. Steckt er also in der Krise? Eher nicht, denn seine Leistungen waren gut, und Terzic misst den Angreifer ohnehin nicht nur an Toren.

          Gerade gegen Manchester City benötigte der BVB Haaland als Anspielstation bei Befreiungsaktionen aus der eigenen Hälfte. Er sollte den Kollegen Zeit zum Nachrücken verschaffen. Exakt so eine Aktion war dem Tor zum 1:0 vorausgegangen. „Wir brauchen heute wieder den Ball, da ist Erling sehr wichtig, dass er diese Arbeit leistet, damit die anderen auch glänzen können“, hatte Terzic vor dem Anpfiff gesagt, doch je länger die Partie dauerte, desto weniger funktionierte dieser Plan.

          Stürmte dem BVB davon: Kevin De Bruyne und Manchester City ziehen ins Halbfinale ein.
          Stürmte dem BVB davon: Kevin De Bruyne und Manchester City ziehen ins Halbfinale ein. : Bild: EPA

          Und wie schon im Hinspiel, als ein Tor von Bellingham keine Anerkennung fand, hatten sie Pech mit einer Entscheidung der Schiedsrichter. Emre Can hatte sich den Ball in einer dynamischen Bewegung selbst an den Oberarm geköpft, woraufhin ein Elfmeter verhängt wurde, den Mahrez verwandelte (55.). Eine streitbare Entscheidung.

          Nun brauchten die Dortmunder ein Tor, um zumindest in die Verlängerung zu kommen, doch der BVB fand keine Wege mehr vor das Tor des Gegners. Mats Hummels köpfte nach einer Ecke noch knapp übers Tor (69.), Haaland schoss aus der Ferne darüber (80.), doch als Phil Foden mit einem Fernschuss, den Hitz nur noch an den Innenpfosten lenken konnte, zum 1:2 getroffen hatte, war der Dortmunder Widerstand gebrochen (75.).

          „Das Spiel hat sich nach dem 1:1 geändert. Ich habe den Ball erst mit dem Kopf berührt, dann mit der Hand. Ich glaube, in den Regeln steht es so, dass es dann kein Elfmeter ist. Das ist bitter. Schon im Hinspiel wurde uns ein Tor weggenommen“, sagte Emre Can, der den Elfmeter verursachte, und fügte hinzu: „Wir können stolz auf uns sein. Wir haben gegen die beste Mannschaft der Welt mitgehalten.“ Kapitän Marco Reus betonte: „Es ist klar, dass wir mehr laufen mussten. Bis zum Elfmeter haben wir das gut gemacht. Danach hatten wir kein richtiges Konzept mehr und waren zu wild.“

          Mit diesem Spiel ist nun die schöne Reise durch die Königsklasse für dieses Jahr zu Ende gegangen und kein deutscher Klub mehr in den Europapokalwettbewerben vertreten. Die Dortmunder haben im DFB-Pokal zwar weiterhin die Chance auf einen Titel, doch das Halbfinale gegen Holstein Kiel Anfang Mai wird weit weniger Glanz verstrahlen, als diese Duelle mit Manchester City.

          Die kleine Chance, sich durch den Gewinn des Königsklassen-Titels auch die Teilnahme an der kommenden Champions League-Saison zu erspielen, ist ebenfalls dahin, und die Argumente in den Gesprächen mit dem offenbar wechselwilligen Haaland werden auch weniger. Dennoch können sie stolz sein auf eine wahrlich starke Champions-League-Saison.

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