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Nächste Pleite des BVB : Dortmund wird zeitweise vorgeführt

  • -Aktualisiert am

Ratlos in Barcelona: BVB-Kapitän Marco Reus (Mitte) und Julian Weigl Bild: dpa

Nach zuletzt zwei Rückschlägen in der Bundesliga folgt in der Champions League eine Niederlage für die Borussia: Gegen Barcelona hat der BVB keine Chance. Was bedeutet dies für Trainer Lucien Favre?

          3 Min.

          Marco Reus und einige seiner älteren Kollegen mussten viele Jahre auf so einen Abend im Camp Nou warten, der eigentlich nicht fehlen darf in der Karriere eines großen Fußballspielers. Am Mittwochabend war es dann endlich so weit gewesen. Nach einer Begegnung im europäischen Supercup 1998 trat der BVB erst zum zweiten Mal in diesem vielleicht legendärsten Stadion Europas an. „Das ist ein sehr geiles Spiel in einer geilen Stadt, bei einem geilen Verein“, hatte Marco Reus am Tag zuvor erklärt.

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          Als das Spiel dann lief, wurde jedoch schnell klar, dass dieser Besuch bei den Katalanen doch nicht so toll werden würde, wie erhofft. Nach ordentlichem Beginn wurde Borussia Dortmund vom entfesselten Lionel Messi schwindelig gespielt und konnte heilfroh sein, nicht noch höher als nur 3:1 (2:0) verloren zu haben. Weil Mailand in Prag gewann, müssen die Dortmunder hoffen, dass Barcelona auch bei den Italienern punktet, nur dann können sie mit einem Sieg gegen Prag immer noch das Achtelfinale erreichen.

          Trainer Lucien Favre hatte seine Startelf gegenüber dem schaurigen Spiel gegen SC Paderborn vom vorigen Freitag auf drei Positionen umgestellt. Manuel Akanji kehrte in die Innenverteidigung zurück, Achraf Hakimi stand für Jadon Sancho in der Startelf und Julian Brandt ersetzte den an einem Infekt erkrankten Paco Alcácer. Die größte Überraschung in Favres Formation war aber die Ordnung auf der linken Außenbahn: Der offensivstarke Raphael Guerreiro spielte in der Viererkette hinter dem gelernten Linksverteidiger Nico Schulz, der über die linke Seite Druck nach vorne machen sollte.

          Das war wohl auch für die Spanier eine Überraschung. Der deutsche Nationalspieler hatte gleich zu Beginn die für lange Zeit beste Torchance für den Gast; am Ende eines Konters über die rechte Seite legte Hakimi den Ball vors Tor, wo Schulz aus sechs Metern Torhüter Marc-André Ter Stegen anschoss (2.). Das war ein Moment, der die Vermutung bestärkte, dass der FC Barcelona defensiv verwundbar ist. Die Viererkette von Trainer Ernesto Valverde war ziemlich ausgedünnt, Gerard Piqué fehlte gesperrt, Jordi Alba und Nelson Semedo sind verletzt.

          Gerade auf der rechten Dortmunder Angriffsseite wurde der junge Außenverteidiger Junior Firpo in der Anfangsphase von Ousmane Dembélé alleine gelassen. Im Gegensatz zum Hinspiel war der frühere Dortmunder, der immer wieder zwischen Genie und Wahnsinn pendelt, gesund und rund um den Dortmunder Strafraum 25 Minuten lang der auffälligste Spieler der Katalanen. Immer wieder öffnete Dembélé Räume mit seinen Dribblings, aber die Dortmunder Abwehr stand zunächst ordentlich. Nach einem eher unscheinbaren Zweikampf im Strafraum des BVB setzte Dembélé sich dann plötzlich auf den Boden, zog seine Schuhe aus und signalisierte, ausgewechselt werden zu müssen. Antione Griezmann kam in die Partie, was zu einem Wendepunkt wurde.

          Wieder ohne Erfolg: Lucien Favre erlebt den nächsten Rückschlag mit dem BVB.

          Im ersten Viertel des Duells hatten die Dortmunder ordentlich gespielt, sie hielten den gefährlichen Sturm um Lionel Messi und Luis Suarez weit weg vom eigenen Tor und hatten vielversprechende Ansätze für eigene Angriffe. Kurz nach der Auswechslung brachten dann Messi und Suarez einen ihrer genialen Angriffe auf den Rasen, der Argentinier schob den Ball in die Tiefe zu seinem Kumpel aus Uruguay, der aus elf Metern zum 1:0 traf (29.). Reus hatte vor der Partie gefordert „über das ganz Spiel hinweg mutig zu sein, Vertrauen zu haben“, doch dieser eine Treffer reichte, um allen Mut und das ganze Selbstvertrauen wegzublasen.

          Sogar Mats Hummels produzierte einen schlimmen Fehler („das wurmt mich heute extrem“, sagte er anschließend) und spielte nach 33 Minuten einen fatalen Fehlpass in den Fuß von Frenkie de Jong. Über Suarez landete der Ball bei Messi, der Bürki keine Chance ließ. Das Stadion bebte, denn für den FC Barcelona war dieser Abend ebenfalls von immenser Bedeutung. Ohne drei Punkte an diesem fünften Spieltag der Gruppenphase drohte dem Champions-League-Giganten mit eine Niederlage am letzten Spieltag bei Inter Mailand das Aus. 20 Minuten lang war nun die Brillanz des alten Barca sichtbar, das ja ein wenig in die Jahre gekommen ist, Messi dribbelte, passte und schoss, die Massen bejubelten ihren alternden Star.

          Torschützen unter sich: Barcelonas Lionel Messi (rechts) und Luis Suarez (Mitte) beim Spiel gegen Dortmund

          Nach der Pause war der Schwung aber wieder verflogen. Der BVB wirkte stabiler, hatte Ballbesitzphasen und hätte Brandt seine wunderbare Möglichkeit zum 2:1 genutzt, wäre es womöglich noch einmal sehr spannend geworden (61.). Doch der Dortmunder traf ter Stegen, kurz darauf entschied Griezmann die Partie mit seinem 3:0. Wieder hatte Messi eine prachtvolle Vorlage geliefert (67.). Immerhin ließen sich die Dortmunder nicht hängen. Der eingewechselte Sancho traf mit einem wunderbaren Schuss aus 16 Metern zum 3:1 (77.) bevor ter Stegen einen weiteren Abschluss des Engländers mit einer virtuosen Parade an die Latte lenkte (87.).

          Die Dortmunder treten nun am kommenden Samstag bei Hertha BSC Berlin an, manche Beobachter spekulieren, dass Favre nach den zuletzt enttäuschenden Auftritten gegen den FC Bayern (0:4) und SC Paderborn (3:3) dort gewinnen müsse, um seinen Job nicht zu verlieren. Wie konkret dieses Szenario wirklich droht, wissen in Wahrheit aber nur die Verantwortlichen um Klubchef Hans-Joachim Watzke.

          „Es ist eine sehr schwierige Phase. Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen werden. Ich habe Vertrauen“, sagte Favre mit Blick auf seine Situation. Die Niederlage musste der Schweizer jedoch anerkennen: „Wenn Lionel Messi den Ball hat, ist es brandgefährlich. Es ist schwer, hier zu spielen. Es ist eine sehr große Mannschaft.“

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