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0:4-Debakel in Champions League : Der BVB wird regelrecht zerlegt

  • -Aktualisiert am

Den Auftritt in Amsterdam hatten sich Erling Haaland (Zweiter von rechts) und der BVB sicher anders vorgestellt. Bild: dpa

Das Duell mit Ajax Amsterdam gerät für Borussia Dortmund zur Lehrstunde in Sachen Offensivfußball. Torhüter Gregor Kobel verhindert ein noch deutlicheres Ergebnis. Trainer und Spieler des BVB sind bedient.

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          Schon der Dortmunder Bundesligaalltag war zuletzt wieder recht nah dran an dem Zustand, der einmal Normalität gewesen ist, die erste Partie ganz ohne pandemische Einschränkungen hat der Klub aber erst am Dienstag rund um die 0:4 (0:2)-Niederlage in Amsterdam erlebt. Die Johan-Cruijff-Arena war komplett gefüllt, und zum ersten Mal seit mehr als eineinhalb Jahren ist das Dortmunder Team vom organisierten Support der Ultras unterstützt worden, die jedoch schwer geschlagen wieder nach Hause fahren mussten.

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          Freude hatten die Fans allenfalls vor der Partie, als sie gemeinsam mit vielen Amsterdamern ein krachendes Feuerwerk veranstalteten. Dichter Rauch lag in den ersten Minuten über dem Spielfeld, der dann schnell von einem entfesselten Amsterdamer Sturmlauf aus der Arena geblasen wurde. Beinahe über die gesamte Spielzeit wirkten die Dortmunder geradezu hilflos, auch ein 0:7 oder ein 0:8 hätte hervorragend zum Spielverlauf gepasst.

          „So stand das nicht auf unserem Plan, dass wir hier so untergehen“, sagte Kapitän Marco Reus nach der Partie enttäuscht bei Amazon Prime: „Wir haben das Spiel zu offen gestaltet. Wir waren auch nicht aggressiv und sind nicht energisch in die Zweikämpfe gegangen.“ Trainer Marco Rose meinte: „Ich habe den Spielern gesagt, die Quintessenz aus der Nummer ist, dass wir sehr, sehr viel arbeiten müssen, um uns zu verbessern und um unsere Ziele zu erreichen. Wir haben heute zu viele einfache Fehler gemacht.“

          Gut war nur Dortmunds Torhüter Gregor Kobel, der etliche starke Aktionen hatte. Seine Mitspieler waren hingegen in keiner Phase ebenbürtig. Schon nach neun Minuten lagen die Dortmunder zurück, nachdem Reus einen Freistoß per Kopf ins eigene Tor verlängert hatte. Wieder einmal hatte der BVB einen Gegentreffer nach einer Standardsituation zugelassen. Aber diese Dauerschwäche war an diesem Abend wahrlich nicht das Hauptproblem des Bundesligazweiten.

          Riesige Lücken in der Defensive

          Ajax hatte die Räume in der Dortmunder Hälfte besser besetzt, immer wieder fanden die Holländer riesige Lücken im Defensivkonstrukt der Mannschaft von Trainer Marco Rose. Axel Witsel war überfordert als einziger defensiver Mittelfeldspieler, das Rautensystem mit Bellingham, Brandt und Reus vor Witsel funktionierte nicht.

          „Das ist eine andere Nummer hier, wir werden mehr Räume bekommen als gegen Mainz“, hatte Trainer Marco Rose vor der Partie gesagt, nachdem seine Mannschaft am Wochenende Mühe gehabt hatte, Lücken in der Defensive der Rheinhessen zu finden. Womöglich waren diese Räume tatsächlich vorhanden, nur wurde der BVB derart zerlegt, dass kaum eigene Ballaktionen möglich waren. Während Ajax eine nicht enden wollende Serie immer neuer Großchancen produzierte.

          Zeigten ihr ganzes Können: die Spieler von Ajax Amsterdam um Dusan Tadic
          Zeigten ihr ganzes Können: die Spieler von Ajax Amsterdam um Dusan Tadic : Bild: Reuters

          Antony, Daley Blind (beide 9.), Steven Berghuis (29.), Sébastien Haller, Noussair Mazraoui (beide 32.) sowie Ryan Gravenberch (38.) kamen vor der Pause zu gefährlichen Abschlüssen. Kobel lenkte einen Freistoß von Gravenberch an den Pfosten (43.), und auch einen Elfmeter hätte Ajax noch bekommen können, nachdem Manuel Akanji im Strafraum Hallers Bein getroffen hatte (44.). Ein zweites Tor war in diesem Gewitter der Torabschlüsse aber nur Dailey Blind gelungen, der nach einem schwach geklärten Ball aus 17 Metern traf (25.). Dem Offensivspektakel der Amsterdamer stand nur eine gute Möglichkeit von Erling Haaland gegenüber (45.), der kaum Bälle bekam.

          Erschreckender als das Ergebnis war daher die Hilflosigkeit der Dortmunder, die bis zur Pause auch keine Unterstützung von ihrem Trainer bekam. Rose nahm dann Nico Schulz aus der Partie, der durch Emre Can ersetzt wurde, und tatsächlich kam Haaland anschließend zu einer Möglichkeit, die der Partie eine neue Richtung hätte geben können. Der Norweger traf aber nur die Latte (48.), während die Defensive weiter wankte: Immer wieder musste Kobel Bälle abwehren, bei Antonys 3:0 war er chancenlos (57.). Mit einem ganz simplen Haken hatte der Brasilianer Can ausgespielt und den Ball aus zehn Metern in die lange Ecke geschossen. Haller vollendete den Reigen mit einem Kopfballtreffer zum 4:0 (72.).

          Für die Dortmunder ist dieses Ergebnis dennoch keine Katastrophe, zwei der drei noch ausstehenden Partien finden im heimischen Stadion statt. Dort haben sie alle Chancen, das Achtelfinale zu erreichen, womöglich sogar als Gruppenerster. Aber der gute Lauf der vergangenen Wochen ist erst einmal beendet, und die Unfähigkeit, irgendein Mittel gegen die Dauer-Überlegenheit der Holländer zu finden, muss die ­Verantwortlichen nachdenklich stimmen. Das Spiel erinnerte sehr an die Demütigungen, die die Mannschaft in den vergangenen Jahren immer wieder beim FC Bayern erlitten hatte. Solche Erlebnisse wollte der Klub in der laufenden Saison eigentlich unbedingt vermeiden.

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