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Aus in der Champions League : Was den Dortmunder Verlierern Mut macht

  • -Aktualisiert am

Auch Mario Götze konnte das Dortmunder Aus nicht verhindern. Bild: Reuters

Der BVB verballert ein Feuerwerk bester Chancen und scheidet aus der Champions League aus. Das 0:1 gegen Tottenham macht aber Hoffnung – nicht nur, weil die Fans eine besondere Reaktion zeigen.

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          Die Verlierer wurden wie Sieger gefeiert. Wie eine gelbe Wand standen die Fans von Borussia Dortmund nach dem mit der 0:1-Heimniederlage gegen Tottenham Hotspur besiegelten Ausscheiden aus der Champions League hinter ihrer Mannschaft. Der donnernde Schlussapplaus von der Südtribüne war der verdiente Lohn für eine jederzeit engagierte, in den ersten 45 Minuten sogar exzellente Leistung des Tabellenführers der Fußball-Bundesliga. 

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          Der kann sich nach dem 0:3 in London vor drei Wochen und der zweiten, etwas unglücklichen Niederlage daheim durch einen Treffer des englischen Stürmerstars und WM-Torschützenkönigs Harry Kane (48.) nun ganz auf das Titelduell mit dem deutschen Serienmeister FC Bayern München konzentrieren muss. Ob er das auch kann nach zuletzt nur einem Sieg aus den vergangenen acht Pflichtspielen, daran mag so mancher angesichts des negativen Laufs für die Westfalen zweifeln. Die Fans taten es nicht: „Deutscher Meister wird nur der BVB“, sangen sie zur Verabschiedung der Spieler.

          Man hat schon viel traurigere Verlierer als am Dienstagabend gesehen, als die Borussia zumindest vor der Pause dominant wie seit Wochen nicht mehr aufgetreten war, es aber nicht schaffte, aus einer Reihe verheißungsvoller Augenblicke wenigstens einen Treffer zu machen. „Dann wäre das Spiel vielleicht ganz anders gelaufen“, sagte Torhüter Roman Bürki, der zuletzt oft mit seinen Vorderleuten gehadert hatte. Diesmal war er „sehr stolz darüber, wie aggressiv wir in der ersten Hälfte nach vorne gespielt und dabei keine Ruhe gegeben haben.“ 

          Es war ein Feuerwerk an besten Chancen, das der BVB zwischen der 33. und 37. Minute verballerte, als Spurs-Keeper Hugo Lloris, der Kapitän der französischen Weltmeistermannschaft, den Dortmundern mit fabelhaften Paraden bei einem Kopfball und anschließendem Schuss von Julian Weigl, bei Mario Götzes Diagonalschuss und bei Jadon Sanchos Versuch die Stirn bot. Auch ein abgefälschter Volleykracher von Marco Reus war nicht zielführend genug. 

          Dass dann die Fans, nachdem Mittelstürmer Kane getroffen hatte und den Schwarz-Gelben damit, wie der Dortmunder Sportdirektor Michael Zorc sagte, den „Stecker gezogen hatte“, trotzdem unter Strom blieben und ihrem Team nach dem Abpfiff zujubelten, fand Kapitän Reus im Namen seiner Mannschaft „weltklasse“. Der Dortmunder Anführer wusste aber auch, dass sich mit dem Kredit große Erwartungen für die nächsten Punktspiele verbunden hatten. „Jetzt müssen wir auf jeden Fall liefern und damit schon am Samstag (gegen den VfB Stuttgart) anfangen.“

          Was die Westfalen aus einer vom gewohnten 4-2-3-1-System auf ein 4-1-4-1 veränderten Grundformation mit zwei Achtern (Reus und Götze) und einem Sechser (Witsel) heraus anboten, sah nach mühseligen und ziemlich ertraglosen Wochen ungleich attraktiver als zuletzt aus, wurde aber auch nicht honoriert. Wieder einmal war mit einer Unachtsamkeit, als Abwehrchef Akanji aus der Viererkette ins Mittelfeld vorgerückt war und der zurzeit etwas müde wirkende Sancho eine Abseitsposition der Engländer aufgehoben hatte, die letzte Hoffnung auf das Wunder von Dortmund zunichte gemacht. Tottenham nutzte seine eine Chance eiskalt, während Dortmund aus vielen Gelegenheiten kein Kapital schlug. Mit dieser falschen Generosität kommt man in der Champions League nicht allzu weit.

          Trainer Lucien Favre hat nun die Zeit, seine Mannschaft für das Bundesliga-Finale zu stabilisieren und zu sensibilisieren, auf dass ihr nicht mehr so viele Unachtsamkeiten und Konzentrationsmängel wie zuletzt vorzugsweise in der zweiten Hälfte der Spiele unterlaufen – wie beim 3:3 gegen Hoffenheim nach 3:0-Führung, wie beim Champions-League-Hinspiel im Wembley-Stadion, als aus einem 0:0 zur Halbzeit ein 0:3 wurde oder wie bei der 1:2-Niederlage in Augsburg, als Hakimis schlimmer Fehlpass Ji einlud.

          Der Auftritt gegen die Spurs war da eher ermutigend. „Es bringt nichts, jetzt zu jammern“, sagte Marco Reus gewohnt unsentimental. „Wir haben das Momentum nicht auf unserer Seite“, versuchte er vergeblich, sich einen Reim auf den zuletzt gegen den BVB laufenden Trend zu machen, „in der Hinrunde war fast jeder Schuss drin, jetzt nicht.“

          Was nicht ist, könnte bald wieder werden. Und deshalb sah der Belgier Axel Witsel am Ende nur das Positive. „Wir haben schon lange nicht mehr so gut wie an diesem Abend gespielt“, hob er hervor, „das müssen wir in die nächsten Spiele mitnehmen. Was wir wieder brauchen, ist der Killerinstinkt vor dem Tor.“ Den hatte am Dienstag nur Harry Kane, der da war, als Tottenham ihn brauchte. Sein Dortmunder Pendant, der Spanier Paco Alcácer,  dagegen schlug in der 89. Minute den Trostpreis, das Ausgleichstor für die Dortmunder, aus, als er frei vor Lloris den Torhüter mit der Aura des Unbezwingbaren anschoss. So aber kann man keine Spiele gewinnen – egal, in welchem Wettbewerb.

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