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Dortmund besiegt Zenit 2:0 : „Das ist sehr, sehr gut“

Türöffner: Jadon Sancho besorgt per Elfmeter das Dortmunder 1:0. Bild: EPA

Nach der Niederlage zum Start bei Lazio Rom war beim BVB „Druck auf dem Kessel“. Die Dortmunder lösen die knifflige Aufgabe gegen Zenit St. Petersburg, obwohl der Gegner eine besondere Taktik anwendet.

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          Der Fußball hat in all seinen Jahren einige Redewendungen hervorgebracht, die es nur dort gibt. Und so greifen Spieler oder Trainer gerne in den gut gefüllten Baukasten mit den Phrasen. Einen Bus vor dem Tor parken, so etwas gibt es nur im Fußball. Und jeder weiß sofort, dass nicht wirklich eines der großen Gefährte irrtümlicherweise auf den akkurat geschnittenen Rasen gefahren wurde. Vielmehr werden damit Mannschaften beschrieben, die es ausschließlich mit einer massiven Verteidigung des eigenen Tores darauf anlegen, keinen Gegentreffer zu fangen. Ein 0:0 wäre ein Traumergebnis.

          Champions League
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Nach Ansicht von Lucien Favre hatte Gegner Zenit St. Petersburg diese Taktik am Mittwochabend im Champions-League-Gruppenspiel auf die Spitze getrieben. „Es waren zwei Busse vor dem Tor“, sagte der Trainer von Borussia Dortmund. „Da musst du geduldig bleiben, sonst kriegst du nachher einen Konter.“ Seine Mannschaft befolgte seinen Rat. Ein wenig Hilfe von den russischen Busfahrern war allerdings auch nötig. Weil Thorgan Hazard im Strafraum umgerissen wurde, bekam der BVB einen Elfmeter. Jadon Sancho verwandelte (78. Minute). In der Nachspielzeit nutzte Erling Haaland eine Parklücke zum 2:0-Endstand.

          „Es war schwer. Wir wussten, dass unsere Chance kommen wird. Das sind sehr wichtige drei Punkte“, sagte der Norweger beim TV-Sender Sky zum Dortmunder Geduldsspiel. Auch Abwehrkollege Manuel Akanji war erleichtert. „Zum Glück haben wir uns belohnt mit den drei Punkten. Es war sehr wichtig, wir mussten hier gewinnen nach der Niederlage im ersten Spiel. Zum Glück hat es geklappt“ sagte der Schweizer mit Blick auf den Erfolg nach der 1:3-Auftaktpleite bei Lazio Rom vor einer Woche. „Wir haben es weiterhin versucht und dann wird vielleicht auch der Gegner ein bisschen müde.“

          Hellwach war Favre, als er auf seine Defensive zu sprechen kam. „Das ist sehr, sehr gut“, sagte der Trainer über die Tatsache, dass es nicht nur kein Gegentor gab, sondern seine Mannen nicht einmal einen Torschuss des Gegners zuließen. Doch bei einem Kontrahenten, der die Bus-Taktik anwendet, ist das auch nicht die höchste Fußballkunst. An sich wird bei der traditionell offensivstarken Borussia in dieser Saison viel über die Abwehr geredet. In vier von fünf Spielen in der Bundesliga gab es kein Gegentor. Wahr ist aber auch, dass die Härtetests gegen Lazio in der Champions League oder gegen den FC Bayern im deutschen Supercup mit jeweils drei Treffern des Gegners endeten.

          Michael Zorc konnte das für den Moment egal sein. Der Sportdirektor wollte an diesem tristen Abend im leeren Dortmunder Stadion keinen Schönheitspreis gewinnen, sondern alleine den Sieg. „Wieder keinen Torschuss zugelassen, wieder zu Null – alles in Ordnung. Dieses Spiel wird nicht in die Fußball-Geschichte eingehen“, sagte Zorc, „aber die drei Punkte nehmen wir gerne mit.“ Nach dem Spiel bei Lazio sei „Druck auf dem Kessel“ gewesen. Dieser Zwang, das Duell mit Zenit gewinnen zu müssen für die Chance aufs Weiterkommen, kostete nach Ansicht des Sportdirektors Lockerheit und Kreativität.

          Die Lage in der Gruppe F sieht nun wieder deutlich freundlicher aus. Hinter Lazio und Club Brügge, die am Dienstag 1:1 spielten und jeweils vier Punkte haben, liegt der BVB mit seinen drei dahinter. In der kommenden Woche geht es nach Belgien. Ein weiterer Sieg dort und die Lage verbessert sich noch weiter. Doch klar ist auch: Ein weiterer Ausrutscher in Brügge und der Druck vor dem Rückspiel am 24. November ist ähnlich groß wie vor dem Duell mit Zenit St. Petersburg. Zumal es danach zum kniffligen Heimspiel gegen Lazio kommt und der Abschluss im Dezember in Russland nicht leicht ist.

          Bevor es in der Champions League weitergeht, steht aber zunächst wieder die Bundesliga auf dem Spielplan der Borussia. Beim Westfalenderby in Bielefeld am Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) denkt Sportdirektor Zorc nicht an einen Gegner, der Busse vor dem Tor parkt. „Ich erwarte Bielefeld deutlich aggressiver als es Zenit heute war. Da müssen wir dagegenhalten, das wird eine Bewährungsprobe“, sagte er. Gleichauf mit dem FC Bayern liegt der BVB in der Tabelle derzeit auf Platz drei; nur Spitzenreiter Leipzig hat mit 13 einen Punkt mehr gesammelt.

          Auch in Bielefeld wird es nach dem Beschluss der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten am Mittwoch keine Zuschauer geben, wie im gesamten November nicht in Deutschland bei Profisport-Veranstaltungen. „Ich finde es sehr schade“, sagte Zorc. „Man muss sagen, dass das Hygienekonzept der Liga und jeden Vereins sehr gut funktioniert hat. Wir hatten keine einzige Infektion. Wir haben aber eine schwierige Gesamtlage und ich bin weit davon entfernt, hier herumzuheulen, wenn man dann sieht, wie andere Branchen betroffen sind. Die sind viel härter betroffen.“

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