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Stürmersuche des BVB : Kein Platz mehr für Götze?

  • -Aktualisiert am

Zum Zuschauen verdammt: Mario Götze bleibt bei Borussia Dortmund zuletzt häufig nur ein Platz auf der Bank. Bild: Reuters

Mario Götze muss damit rechnen, beim BVB einen weiteren Spieler vor die Nase gesetzt zu bekommen. Ein Wechsel ist wahrscheinlich – und könnte für Götze die letzte Chance sein, bei einem Spitzenklub Fuß zu fassen.

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          Das demonstrative Eingeständnis von Hans-Joachim Watzke, einen Fehler bei der Kaderplanung gemacht zu haben, ist vielfach zitiert worden in den vergangenen Tagen. „Wir hätten eine zweite Nummer neun verpflichten müssen“, hatte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund auf der Mitgliederversammlung am Sonntag selbstkritisch eingeräumt, weil Paco Alcácer wie schon in seiner ersten Saison auch im laufenden Spieljahr ziemlich oft verletzt ist.

          Champions League

          Vor dem wichtigen Champions-League-Spiel beim FC Barcelona an diesem Mittwoch (21 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) plagte sich der Spanier nach einem Kontakt mit einem gegnerischen Stollen mit einer Fleischwunde am Knie herum – letztlich verzichtete er aber wegen eines Magen-Darm-Infekts auf die Reise nach Barcelona. Ein zweiter klassischer Mittelstürmer fehlt im Kader. Watzke erhielt viel Anerkennung für den selbstkritischen Blick auf die eigene Mitverantwortung für diese Lücke im Team. Interessant wäre es nun zu wissen, was Mario Götze bei diesen Worten gedacht hat.

          Der 27 Jahre alte Angreifer saß mit seiner Mannschaft ungefähr 15 Meter von Watzke entfernt und muss nun damit rechnen, im Winter einen weiteren Spieler vor die Nase gesetzt zu bekommen. Denn wenn Götze zuletzt spielte, dann meist genau dort, wo Watzke seinen Planungsfehler sieht. Der Schütze des Siegtreffers im WM-Finale von 2014 sei „clever, versteht Fußball, bewegt sich fast immer richtig – und hat es selbst im Sturm zuletzt gut gemacht“, hat Trainer Lucien Favre in der vergangenen Woche in einem Interview mit der „Bild“ erklärt. Doch dieses Lob ändert nichts an der Tatsache, dass Götze unter diesem Trainer keinen Weg zurück in die Rolle des Anführers findet, für die er 2016 nach seiner Rückkehr aus München vorgesehen war. Götze scheitert nun schon seit mehreren Jahren an dem Versuch, endlich ein Profi zu werden, der das Spiel einer internationalen Topmannschaft prägt. Zunächst beim FC Bayern und nun beim BVB.

          Götzes Karriere bleibt kompliziert

          Im laufenden Jahr stand er nur viermal in der Startelf, beim 2:2 gegen Bremen, beim 0:0 auf Schalke, beim 0:4 in München sowie gegen Inter Mailand, als das Team den 0:2-Rückstand erst nach seiner Auswechslung in einen vielbeachteten 3:2-Sieg drehte. Favre verweist bei Nachfragen zu Götze immer wieder darauf, dass der Spieler auch im vergangenen Jahr anfangs oft auf der Bank saß, später in der Saison dann aber doch viel Spielzeit bekam. Götze wurde der viertbeste Scorer im Dortmunder Kader. Im laufenden Jahr hat er in seinen insgesamt elf Pflichtspielen nur zwei Treffer erzielt sowie einen weiteren vorbereitet, was nicht zuletzt mit den Sommertransfers zu tun hat. Throgan Hazard und Julian Brandt konkurrieren auf der gleichen Position um Einsatzzeiten, und Favre scheint beiden mehr zu vertrauen. Kein Wunder, dass die Vertragsverhandlungen des BVB mit Götze auf Eis liegen.

          Der Kontrakt des gebürtigen Memmingers läuft im kommenden Sommer aus, und es ist klar, dass die Dortmunder einem Spieler, der für den Trainer nicht zu den tragenden Säulen des Teams zählt, kein Topgehalt mehr überweisen möchten. Für Götze ist die Bezahlung allerdings ohnehin nicht das wichtigste Kriterium. Der frühere Nationalspieler steht vor seiner vielleicht letzten Chance, noch einmal regelmäßig bei einem Spitzenklub in einer großen Liga Fuß zu fassen. Noch behält er seine Pläne für sich, aber ein Vereinswechsel ist wahrscheinlich. Wobei der Typus des kleinen und wendigen, aber nicht besonders schnellen Angreifers zu den Verlierern der modernen Fußballentwicklung zählt.

          In den vergangenen Jahren haben die Aspekte Tempo, Dynamik und Physis enorm an Bedeutung gewonnen. Für die Flügelstürmerposition, wo Götze einst unter Jürgen Klopp in der Bundesliga auftauchte, ist er nicht schnell genug, und für einen modernen Mittelstürmer, der den gegnerischen Spielaufbau mit höchstem Energieaufwand stört, um Ballgewinne zu erzeugen, fehlt seinem Spiel die Wucht. Zudem hat er nach seiner Stoffwechselerkrankung die fließende Leichtigkeit seiner frühen Jahre verloren.

          Für die Rolle als Alcácer-Ersatz wird seit Monaten der bei Juventus Turin überflüssige Mario Mandzukic genannt, wobei Favre nicht von dem Kroaten überzeugt zu sein scheint. „Vor drei, vier Jahren hätte sich die Frage gar nicht gestellt, er ist ein sehr guter Spieler“, sagt der Trainer, „aber nun ist er 33 Jahre alt, das darf man bei der Bewertung und den Summen, die heutzutage im Spiel sind, nicht vergessen.“ Nachdem Watzke jedoch unmissverständlich erklärt hat, dass ein weiterer Zentrumsstürmer im Kader fehlt, muss Götze tatsächlich davon ausgehen, dass es bald noch einen neuen Konkurrenten für ihn gibt. Die Karriere von Mario Götze bleibt kompliziert.

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