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2:2 in Madrid : Dem BVB gelingt das Bestmögliche

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Gelb-schwarze Jubeltraube: Der BVB freut sich über den späten Ausgleich im Bernabeu Bild: AFP

Nach einer Stunde liegt die Borussia im Bernabeu mit zwei Toren hinten und kommt kurz vor Ende doch noch zum Ausgleich durch einen eingewechselten Spieler. Damit steht Dortmund statt Real ganz oben in der Tabelle.

          Es sah lange nicht gut aus für Borussia Dortmund – aber schließlich sprang doch noch das bestmögliche Ende heraus. Das 2:2 bei Real Madrid reichte zum Gruppensieg vor den Spaniern, zudem stellten die Borussen mit insgesamt 21 Treffern in der gesamten Vorrunde einen Torrekord für die Gruppenphase der Champions League auf. Real Madrid schien nach einer 2:0-Führung schon der sichere Sieger zu sein, aber durch die Tore von Aubameyang (60. Minute) und Reus (88.) kam der BVB noch zum Remis. „Auba macht das Weltklasse und ich mache ihn zum Glück rein“, sagte Reus. „Für uns ist es extrem wichtig, dass wir in der Gruppe Real Madrid geschlagen haben“.

          Wie es sich anfühlt, erstmals im berühmten Bernabéu-Stadion auf der Bank sitzen zu dürfen? Etwas surreal, aber durchaus gut, fand BVB-Trainer Thomas Tuchel noch kurz vor dem Spiel – aber einigermaßen gut dürfte er sich dann erst in der Schlussphase der ersten Halbzeit gefühlt haben. Zuvor hatte seine Fußballmannschaft doch erhebliche Schwierigkeiten, sich der Angriffswellen der Spanier zu erwehren.

          Dabei war ein Plan von Tuchel durchaus aufgegangen – durch das Zentrum war wie gewünscht zunächst kaum ein Durchkommen für den spanischen Rekordmeister. Weil es aber schwer bis unmöglich ist, das Zentrum und die Außenbahnen gleichermaßen dicht zu bekommen, hatte den Dortmunder immer wieder Gefahr von den Seiten gedroht, wo die Real-Außenverteidiger Marcelo auf links und Carvajal auf der rechten Seite ständig mit nach vorne rückten.

          Folgerichtig war das Führungstor der Spanier (28. Minute) auch über einen Angriff über die rechte Seite gefallen, wo Andre Schürrle seinen Gegenspieler Carvajal völlig aus den Augen verloren hatte, was Tuchel erzürnte. Nicht nur, aber vor allem wohl wegen der Folgen: Die Flanke des Verteidigers musste Benzema in der Mitte nur noch aus kurzer Entfernung an Roman Weidenfeller vorbei ins Tor schieben. Der BVB-Torwart, zuletzt beim 8:4-Erfolg über Warschau wenig begeistert über seine Abwehr, hatte die Borussia zuvor schon ein paarmal vor dem Rückstand bewahrt – etwa, als James, freigespielt von Ronaldo, an ihm gescheitert war, oder Benzema nach einem Ballverlust von Castro zum Schuss kam.

          Real hatte den Dortmunder Spielaufbau in der ersten halben Stunde mit einem aggressiven Pressing erschwert, und der BVB machte die Geschichte mit vielen Fehlpässe in der Offensive zusätzlich kompliziert. Vor allem Casimiro, Reals Defensivkraft im Mittelfeld, schien die Bälle magnetisch anzuziehen und war immer wieder der Ausgangsposition des schnellen Umschaltspiels, das den BVB lange vor Probleme stellte.

          Verbissen gekämpft: Castro gelingt die Grätsche am Boden Bilderstrecke

          Doch in der Schlussphase der ersten Hälfte bekam die Borussia mehr Kontrolle in ihr eigenes Spiel und wurde prompt gefährlich. Das Schüsschen von Pulisic (38.) war noch viel zu harmlos für Real-Torwart Navas, der aber in derselben Minute bei einem Freistoß von Schürrle sein ganzes Können zeigte. Doch der beste Dortmunder Angriff sollte noch folgen – der nahezu perfekte Konter in der 42. Minute hatte nur den folgenschweren Makel, dass der letzte Querpass von Castro auf den durchstartenden Aubameyang zu ungenau geriet. Auf der Gegenseite rutschte auch Ronaldo in einer ähnlichen Situation knapp am Ball vorbei.

          Die letzten Szene vor der Pause schienen dem BVB allerdings Mut für die zweite Halbzeit gemacht zu haben – hätte man in den ersten Minuten meinen können. Die ersten beiden Chancen nach dem Wechsel gehörten der Borussia, aber Dembéle schoss zunächst vorbei, und Castro traf, kurz vor dem Real-Tor, den Ball nicht richtig. Dass die Spanier in der Defensive allerdings gelegentlich zur Sorglosigkeit neigen, im Angriff dagegen überaus zielstrebig zur Sache kommen, ist hinreichend bekannt – dementsprechend überraschend war es dann doch, wie freistehend Benzema kurz danach vor Weidenfeller auftauchen durfte. Der Franzose scheiterte zwar am glänzend reagierenden Torwart, musste sich aber nicht lange grämen: Nur Sekunden später kam er schon wieder mit dem nötigen Freiraum zu einem Kopfball und traf zum 2:0 (53.).

          Die Verhältnisse schienen damit geklärt, aber auf Reals Nachlässigkeiten in der Abwehr ist eben auch Verlass. Etwas gedankenverloren hatte Marcelo nach einer Stunde eine mögliche Abseitsstellung aufgehoben – in der Folge durfte Schmelzer auf Aubameyang ablegen, der den Ball zum 2:1 über die Linie bugsierte. Der BVB wurde prompt mutiger, und Real-Trainer Zidane brachte seinen deutschen Weltmeister Kroos, um wieder mehr Ordnung in sein Mittelfeld zu bekommen. Und die Borussia ersetzte Schürrle durch Marco Reus, der wegen einer Erkältung zunächst nur auf der Bank gesessen hatte. Heraus sprang ein attraktives Spiel – mit einem abermals glänzend reagierenden Weidenfeller bei einem Schuss von Ronaldo (69.), nachdem kurz zuvor Reus entgegen seiner eigentlichen Bestimmung zum Retter auf der eigenen Torlinie geworden war.

          Real übernahm wieder die Initiative, ließ aber alles an Torchancen liegen, was es sich erspielte. Marcelo schoss aus aussichtsreicher Position drüber, Ronaldo traf alleine vor Weidenfeller nur den Pfosten. Bis zum Abpfiff durfte der BVB so auf ein glückliches Ende und mit einem Ausgleich auf den Gruppensieg hoffen – und es blieb nicht bei der Hoffnung: Reus war zwei Minuten vor dem Ende beim 2:2 der Nutznießer des schnellen Antritts von Aubameyang. Der sprintstarke Gabuner hinterließ so im letzten Moment noch seine Visitenkarte bei seinem Traumverein.

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