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Champions League : Darum ist Hummels so wichtig für Dortmund

Mit der Technik noch am hadern, aber „extrem heiß auf das Spiel“: BVB-Führungsfigur Mats Hummels vor Slavia Prag Bild: dpa

Das Risiko gehört zur DNA von Borussia Dortmund. In der Abwehr gab es so immer wieder Probleme. In dieser Saison sollte alles besser werden. Stattdessen gibt es neue Rückschläge. Nun stellen sich einige Fragen.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          In gewisser Weise ist Lucien Favre vielen Menschen bei Borussia Dortmund immer noch ein wenig fremd, vielleicht sogar rätselhaft. Die elaborierte, manchmal fast scheue Art dieses Schweizers steht im deutlichen Kontrast zur Direktheit der Menschen auf den Straßen der Stadt. Mancher Anhänger wünscht sich eher einen Trainer, der bei den Fußballern Emotionen erzeugt, statt Einsichten in komplexe Details des Spiels, wobei leicht übersehen wird, dass Favre sich längst angepasst hat an die besonderen Erfordernisse dieses Standortes.

          Champions League

          Als Trainer bei Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach ließ er einen sehr besonnenen Fußball spielen, die Priorisierung einer geordneten Abwehrarbeit gehörte zu den unerschütterlichen Grundlagen seiner Arbeit. In Dortmund hat er sich nun zu einem – gemessen an seiner früheren Arbeit – erstaunlich risikobereiten Trainer entwickelt, das gehört seit einem Jahrzehnt zur DNA des Klubs. Und ist Teil des Problems. „Für mich haben wir das Spiel nicht kontrolliert“, sagte Favre am vorigen Wochenende, als seine Mannschaft zum zweiten Mal innerhalb einer Woche durch einen Gegentreffer in der Schlussphase Punkte verloren hatte. „O Jungs, ein wenig Ruhe, auch mal den Ball halten“, sagte er, aber das will derzeit niemand hören beim BVB.

          In den Tagen vor dem sowohl sportlich als auch atmosphärisch enorm wichtigen Spiel bei Slavia Prag an diesem Mittwochabend (18.55 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Champions-League und bei Sky) wünschen die Dortmunder sich nicht nur jenseits des Platzes, wo ein herbstliches Krisengefühl in die Knochen kriecht, etwas mehr Souveränität und Gelassenheit.

          Denn hinter den etwas diffusen Debatten über Männerfußball, Reife, Spielweise und Form ist ein nicht ganz neues und recht grundsätzliches Problem erkennbar: die defensive Stabilität. „Wir können nicht immer vier Tore machen, um ein Spiel zu gewinnen“, sagte der Trainer dieser Tage. Damit sprach er einen Aspekt an, der konkreter ist als der Wunsch, „wie Männer“ zu spielen, naheliegender als das Bedürfnis nach einem Trainer, der mit krachenden Motivationsreden in der Kabine das Testosteron zum Kochen bringt. Vor dem eigenen Tor passieren zu viele Fehler.

          Gegen Barça war Mats Hummels einer der besten BVB-Profis. Belohnt wurde er dafür mit einer Debatte: Fehlt er Jogi Löw und der Nationalmannschaft nicht doch?

          Vermutlich dachte auch Axel Witsel an genau dieses Problem, als er am vorigen Wochenende erklärte, dass er den Grund für die jüngsten Rückschläge mit nur einem Sieg aus fünf Spielen eher in der „Qualität“ des Kaders sehe als in der „Mentalität“. Schon im vorigen Jahr haben sie qualitative Schwächen in der Abwehr diagnostiziert, deshalb wurden Nationalmannschafts-Verteidiger Nico Schulz und Weltmeister Mats Hummels verpflichtet. Solange die beiden spielten, war auch (fast) alles okay, doch dann verletzte sich zunächst der Linksverteidiger, der aus Hoffenheim ins Revier kam, bevor sich vor zehn Tagen Hummels mit schmerzendem Rücken auswechseln lassen musste. Nun erlebt der Klub einen Rückfall in die Problemphasen der Vorsaison. Der „Kicker“ hat ausgerechnet, dass sich seit Favres Ankunft in Dortmund nur der SC Freiburg bei gegnerischen Ecken noch tölpelhafter anstellt. „Das müssen wir einfach konsequenter machen“, sagte Torhüter Roman Bürki nach dem Bremen-Spiel. Favre spricht von der „Balance“, die sein Team entwickeln müsse.

          Aber können Spieler wie Achraf Hakimi, Raphael Guerreiro oder Julian Weigl, die zuletzt alle zeitweise in der Viererkette gespielt haben, das hinbekommen? Oder brauchen sie Leute an ihrer Seite, die warnen, Gefahren früh antizipieren und absichern? Wenn Hummels ausfällt, ist Manuel Akanji der Abwehrchef, doch der Schweizer stagnierte zuletzt in seiner Entwicklung und hat meist mit sich selbst zu tun. Als Stütze für manchmal etwas übermütige Kollegen taugt er derzeit nicht. Und dass Favre im Moment eher den Mittelfeldspieler Weigl verteidigen lässt, als Dan-Axel Zagadou aufzustellen, erzählt viel über die Verfassung des Franzosen, dem in Dortmund nach einigen fatalen Fehlern in der vergangenen Rückrunde nicht mehr so richtig vertraut wird.

          Das Team ist im Moment nicht nur von Hummels’ Anwesenheit abhängig, sondern auch von einer entsprechenden Form des 30 Jahre alten Profis. Dass er in Prag spielen könnte, wurde am Dienstagabend vorab mitgeteilt; im Gegensatz zu Paco Alcácer, der an einer Achillessehnenreizung leidet. Ein Einsatz von Hummels in diesem Schlüsselspiel wäre zweifellos hilfreich, zugleich dürfen sie jedoch auf keinen Fall riskieren, dass Hummels sich schwerer verletzt. Denn welche Folgen ein Ausfall ihres besten Abwehrspielers hat, haben sie bestens erkannt in den vergangenen zwei Wochen.

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